Israel/ Palästinensische Gebiete

Raus aus der Ausweglosigkeit

„Wir sind der Beweis, dass Frieden möglich ist.“ Bei den Combatants for Peace legen ehemalige israelische Soldatinnen und Soldaten und palästinensische Widerstandskämpferinnen und -kämpfer die Waffen nieder und kämpfen Seite an Seite für Frieden. Der ZFD unterstützt sie.

Naher Osten im Fokus

Was steckt hinter den Konflikten?

Schauplätze: –> Tel Aviv <– –> Beit Jala <–

Nur 70 Kilometer zwischen zwei Welten

Israel / Palästinensische Gebiete als Impuls

Gespräch mit Sulaiman Khatib & Uri B. Assa

Prävention weist den Weg

„Bereits zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn kommen die ersten Gäste. Auch die Gegendemonstranten haben sich positioniert, so dass jeder Besucher an ihnen vorbeimuss. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften versucht, die Demonstranten von den Trauernden fernzuhalten. Doch immer wieder gelingt es ihnen, Besucher mit Sand und Steinen zu bewerfen, zu bespucken und durch Lautsprecher den Tod zu wünschen. An einem Tag, an dem der Toten gedacht wird, ist dies besonders zynisch.“ Beobachtung am Israel-Palestinian Memorial Day 2017

Wie ist die Lage?

Religiös und emotional aufgeladen, militarisiert, komplex, festgefahren: das sind Merkmale des israelisch-palästinensischen Konflikts. Seine gewaltvolle Geschichte erstreckt sich bereits über sieben Jahrzehnte. In den von Israel besetzten Gebieten erlebt die palästinensische Bevölkerung Gewalt: Landenteignung, Siedlungsbau, Einschränkung der Bewegungsfreiheit und willkürliche Hausdurchsuchungen. Im abgeriegelten Gazastreifen lebt sie in katastrophalen Zuständen. Die UN schätzen, dass der Gazastreifen in zwei Jahren unbewohnbar sein wird. Israelis leben mit der permanenten Bedrohung durch Raketenbeschuss und Anschläge. Zudem wirken die traumatischen Erfahrungen des Holocausts bis heute nach. Es ist ein Leben in ständiger Angst, das beide Gesellschaften prägt.

Wo brennt's?

Friedensverhandlungen scheinen aktuell undenkbar: Die Positionen sind verhärtet, Verletzungen und Hass sitzen tief. Fast jede israelische und palästinensische Familie hat einen Angehörigen im Nahostkonflikt verloren. Je tragischer die Verluste, desto größer oft der Wunsch nach Vergeltung. Beide Konfliktparteien fügen sich Wunden zu, die das Feindbild festigen. Es existieren kaum noch Orte der Begegnung, die nicht negativ geprägt sind. Auf beiden Seiten machen sich Resignation und Hoffnungslosigkeit breit.

Was wirkt? – „Wir sind der Beweis, dass Frieden möglich ist.“

Wie können Menschen wieder miteinander leben, die einst aufeinander geschossen haben? Die persönliche Begegnung ist der Schlüssel. „Versöhnung ist nur möglich, wenn wir in dem anderen wieder einen Menschen sehen“, sagt Sulaiman Khatib. Er ist einer der Gründer der Combatants for Peace (CFP), einer bi-nationalen Friedensbewegung, die 2006 von ehemaligen israelischen Soldatinnen und Soldaten und palästinensischen Widerstandskämpferinnen und -kämpfern gegründet wurde. Die Combatants treten konstruktiv für ein Ende der Besatzung, für Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und Dialog ein. „Wir sind der Beweis, dass Frieden möglich ist“, sagt Khatib. „Wenn wir Combatants friedlich zusammenleben und -arbeiten können, kann das jeder andere auch.“ Das Herzstück der Arbeit ist der jährliche „Israeli-Palestinian Memorial Day“. Die gemeinsame Trauerzeremonie gedenkt der Opfer beider Seiten. Allein das ist für viele schiere Provokation. „Sie ist ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit“, sagt hingegen Khatib. Viele Menschen ändern ihre Haltung nach einer persönlichen Begegnung: Sie erkennen, dass die Gewalt nur gemeinsam beendet werden kann.

Krieg ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung

Die Combatants bleiben daher am Ball, auch wenn sie dafür eingeschüchtert und gemieden werden. Jedes CFP-Mitglied hat eine Geschichte der Umkehr zu erzählen. Jede zeigt, dass Krieg kein Schicksal ist, sondern eine Entscheidung. Tausende Menschen kommen inzwischen zur Trauerzeremonie. „Unsere tägliche Herausforderung ist es, noch mehr Menschen zu erreichen“, sagt Uri Ben Assa, CFP-Direktor. „Ich glaube, wenn Millionen auf die Straße gehen, müssen die politisch Verantwortlichen reagieren.“ Fachkräfte des ZFD unterstützen die Organisation, um weiterer Gewalt vorzubeugen. „Die Combatants for Peace machen vielen Menschen Hoffnung“, sagt Raphael Nabholz, der die Combatants als ZFD-Fachkraft der AGEH unterstützt. „Sie sind der Beweis dafür, dass es sich lohnt, die Gewalt zu beenden und sich für eine neue Realität einzusetzen.“ Wie schwierig das Aufeinanderzugehen ist, zeigt auch das neue Buch der israelischen Autorin Lizzie Doron über ihre Begegnung mit den CFP. Auch sie erlebt eine innere Wandlung, als sie mit Sulaiman Khatib und anderen Combatants in Kontakt kommt.

Der Zivile Friedensdienst engagiert sich in Israel und den Palästinensischen Gebieten mit 27 Fachkräften von fünf Trägern. Es ist das größte ZFD-Programm weltweit.

Lesen Sie im Interview mit Uri Ben Assa und Sulaiman Khatib, wie die schwierige Arbeit wirkt und vor welchen Herausforderungen sie steht.

Combatants for Peace

„Krieg ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung“ ist das Credo der Kämpferinnen und Kämpfer für den Frieden.

Ergreifendes Zeichen

Gemeinsam trauern statt sich bekämpfen, das ist die Idee des alternativen Gedenktags. Für manche ein Affront, für viele eine bewegende Erfahrung.

Empathie ist der Schlüssel

Raphael Nabholz beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Nahostkonflikt. Seit 2016 unterstützt er die Combatants for Peace als ZFD-Fachkraft. Worauf kommt es an?

Seite an Seite statt Auge um Auge

Seit 2017 gibt es bei den Combatants eine eigene Frauengruppe. Lernen Sie zwei der Frauen näher kennen. Wie ist es Fatma Muhamed und Lee Aldar gelungen, ihre Verletzungen und Vorbehalte zu überwinden, um nun Seite an Seite zu kämpfen?

Bittersüße Besatzung

Lizzie Doron hat ein ergreifendes Buch über ihre Begegnung mit den Combatants for Peace geschrieben. Das macht sie für viele Landsleute zur Verräterin. Uns hat „Sweet Occupation“ die Augen geöffnet.

Exkurs: Hip-Hop heißt Frieden

Im Geflüchtetenlager Shu’fat nutzen palästinensische Jugendliche Hip-Hop als Ventil, um ihren Zorn gewaltfrei auszudrücken. Der ZFD zollt ihnen Respekt.