Kräfte bündeln

Vernetzt für Frieden

Das Cameroon Community Media Network (CCMN) wurde 2015 von der Presbyterian Church in Cameroon und dem ZFD gegründet. Erklärtes Ziel: Einen ausgewogenen, unabhängigen Journalismus fördern und damit ein Gegengewicht zum einseitigen, oft sensationsheischenden Journalismus in Kamerun schaffen.

Community-Medien: Starke Signale für Deeskalation

Journalistinnen und Journalisten arbeiten in Kamerun unter schwierigen Umständen. Bestechung, aber auch Repressalien sind an der Tagesordnung. Parteien und finanzstarke Gruppen erkaufen sich wohlwollende Berichterstattung und benutzen Medien besonders in Wahlkampfzeiten als Stimmungsmacher. Dazu gehört auch, gegnerische Kandidatinnen und Kandidaten durch Falschmeldungen, Skandale und Übertreibungen zu diffamieren. Dieses System ist so verbreitet, dass es in Kamerun sogar einen eigenen Namen hat: „Gombo-Journalismus“. Sogar das 2014 in Kraft gesetzte Antiterrorgesetz wird zunehmend gegen Journalistinnen und Journalisten angewendet, die aus den Krisengebieten im Norden und dem anglophonen Westen Kameruns berichten. Im Vorfeld der Wahlen wurden Radio- und Fernsehstationen geschlossen und Sendungsverbote ausgesprochen.

Das Mediennetz wird immer größer

Die Gründung eines eingetragenen Netzwerks zur Förderung von Friedensjournalismus war daher ein wichtiger Schritt, um ein Gegengewicht zu schaffen. Dank der breiten Basis des CCMN hat eine größere Bevölkerungsgruppe Zugang zu friedensjournalistischen Inhalten, Ideen, Prinzipien und Praktiken. Immerhin zählt das Netzwerk heute 75 Mitglieder, die 43 Radiostationen, 7 Fernsehstationen, 14 Zeitungen, 5 Online Medien und 4 zivilgesellschaftliche Organisationen in vier kamerunischen Regionen betreiben oder als Einzelpersonen registriert sind.

Mit Trainings fördert das CCMN die Anwendung von friedensjournalistischen Konzepten im journalistischen Alltag, dabei geht es auch um die Vermittlung von journalistischem Basiswissen. Die Mitglieder des CCMN bilden Journalistinnen und Journalisten aus, die sich aktiv gegen eine Instrumentalisierung der Medien stellen. „Gerade in der jetzt aufgeheizten Situation in den anglophonen Gebieten ist es wichtig, Informationen zu prüfen und sich bewusst zu sein, wie Medien die Stimmung in der Bevölkerung durch ihre Berichterstattung positiv oder negativ beeinflussen können“, erklärt Joseph Obi vom Voice of Manyu Community Radio in Mamfe, eines der Gründungsmitglieder des CCMN.

#Elections2018: Wahlberichterstattung in Krisenzeiten

Im Juni 2017 startete das CCMN eines seiner bisher umfassendsten Vorhaben: das Projekt "#Elections2018: Community Media, Peace Journalism and Election Reporting". Unter Vermittlung von ZFD-Fachkraft Alexander Vojvoda wurde Professor Steven Youngblood* von der Park University in Parkville (USA), eine Koryphäe im Friedensjournalismus, als Kooperationspartner gewonnen. „Gerade vor, während und nach Wahlen ist es wichtig, dass Journalisten sich der möglichen Auswirkungen ihrer Arbeit bewusst sind“, sagt Youngblood, „Friedensjournalismus führt ihnen vor Augen, dass sie mit ihrer Berichterstattung eine Entscheidung treffen, die bedeuten kann, Öl ins Feuer zu gießen oder deeskalierend auf einen Konflikt zu wirken.“

Mit der Unterstützung von Brot für die Welt im Rahmen des ZFD-Programms, der US-Botschaft in Yaoundé und der Friedrich-Ebert-Stiftung fanden in sieben kamerunischen Städten Workshops mit über 120 Journalistinnen und Journalisten statt. So wurden diese für ihre Verantwortung in Wahlkampfzeiten sensibilisiert. Nach den Trainings mit Prof. Youngblood bildeten sich lokale Gruppen in anderen Regionen Kameruns, die sich mit den praktischen Anwendungen von Friedensjournalismus in ihrer Region beschäftigen. So wächst das Netzwerk und die Chancen steigen, landesweit einen wirksamen Gegenpol zum Sensationsjournalismus aufzubauen. Denn der Druck auf Journalistinnen und Journalisten, die kritisch berichten, steigt beständig.

Mehr über das CCMN erfahren Sie auf der Website und Facebook-Seite des Netzwerks.

Text: A. Vojvoda/ZFD


*Prof. Stephen Youngblood ist Direktor des Centre for Global Peace Journalism an der Park University (USA) und Herausgeber des Magazins „The Peace Journalist“. Außerdem betreibt er den Blog „Peace Journalism Insights“.

Für die aktuelle Ausgabe der Publikationsreihe „Building Peace / Construire la paix“ hat ZFD-Fachkraft Alexander Vojvoda mit Prof. Youngblood über das Potential von „Community-Medien“ gesprochen. Dabei kommen positive Beispiele aus Kamerun, Kenia und Uganda zur Sprache.

Die 153-seitige (englisch) bzw. 169-seitige (französisch) Broschüre können Sie hier in unserer Publikationsdatenbank herunterladen. Schwerpunkt ist die Frage, wie zivile Friedensarbeit die Eskalation von Konflikten verhindern kann.

 

Fotos + Logo: Cameroon Community Media Network (CCMN); Cover-Foto Broschüre: doual’art / Linda Dreisen, Yves Makongo