Rose Akweba Obah

„Wir brauchen einen Dialog, um einen Ausweg zu finden“

Rose Akweba Obah ist Präsidentin der Vereinigung englischsprachiger Journalistinnen und Journalisten in der Region Nord-West und Leiterin eines Community Radios. Sie sprach mit uns über die schwierige Situation der Medien und das Potenzial des Friedensjournalismus in Kamerun.

Interview mit Rose Akweba Obah, CAMASEJ Bamenda

Rose Akweba Obah ist Managerin des Radiosenders CBS Radio Bamenda 101.0 MHz, Präsidentin der Vereinigung englischsprachiger Journalistinnen und Journalisten in der Region Nord-West (CAMASEJ NW Chapter) und Präsidentin des Cameroon Community Media Network (CCMN) in den Regionen Nord-West und West.

Welche Rolle können die Medien in Kamerun bei der Gewaltprävention einnehmen?

Aus meiner Sicht spielen Medien die Rolle von Wächtern und „Whistleblowern“. Sie beobachten, erkennen und thematisieren fortwährend Konfliktherde in allen Lebensbereichen. Sie sensibilisieren Meinungsmacherinnen und -macher dafür, welche Eskalationsgefahren in Konflikten bestehen, und wie wichtig Toleranz und Frieden sind. Außerdem können Journalistinnen und Journalisten dazu beitragen, die friedliche Koexistenz der Bevölkerungsgruppen zu fördern. Ein gutes Beispiel sind die Senatswahlen vom März 2018. In einem Wahllokal in Mbengwi in der Region Nord-West wurde eine versteckte Videokamera entdeckt. Sofort wiesen wir unsere CAMASEJ-Mitglieder an, nur die Fakten zu präsentieren und die Interpretation des Vorfalls der Wahlkommission zu überlassen. Dadurch konnte verhindert werden, dass die Berichterstattung Partei A dazu veranlasste, Partei B für Wahlspionage und Gewalteskalation verantwortlich zu machen.

Wie integrieren Sie das Thema Gewaltprävention in Ihre Arbeit?

CAMASEJ hat es sich zur Pflicht gemacht, Konflikte zu benennen und zu diskutieren. Wir haben Friedensjournalismus dauerhaft in unsere Agenda aufgenommen. Bei unseren monatlichen Treffen diskutieren wir, wie eine Eskalation verhindert und stattdessen Lösungen erarbeitet werden können. Unsere Mitglieder erstellen auf den jeweiligen Konfliktfall zugeschnittene Programme und räumen in ihren Radiostationen Zeit dafür ein, die Öffentlichkeit mit Vox-Pops*, Interviews und Beiträgen zu informieren und zu diskutieren. Ein Beispiel: Im Krankenhaus St. Martin de Pores in Njinikom kam es zu einer gewalttätigen Demonstration der Bevölkerung als Marie Olive Ngah, die Mutter Oberin, abgesetzt wurde und das Krankenhaus kurz vor der Schließung stand. CAMASEJ suchte umgehend das Gespräch mit der Krankenhausverwaltung, um zum Dialog aufzurufen. Das Team ermunterte außerdem seine Mitglieder und Partnermedien im Bezirk, die Menschen zu beruhigen und den Behörden des Krankenhauses zuzuhören.

Wie wirken sich diese Aktivitäten auf die Konfliktparteien aus?

Sie erweitern das Bewusstsein der Menschen für die Eskalationsgefahr eines Konflikts und tragen dazu bei, negative Folgen für Einzelne und die Gemeinschaft einzudämmen. Die Konflikte zwischen Bauern- und Viehzüchterfamilien sind in den Bezirken Menchum und Boyo stark zurückgegangen. Früher waren sie an der Tagesordnung. Beide Seiten wurden durch die Medien dafür sensibilisiert, dass die Rechte der anderen respektiert werden müssen, damit eine friedliche Koexistenz gelingt.

Wie professionalisieren Sie sich und andere Medienschaffende für einen konfliktsensiblen Journalismus?

Wir haben Schulungen in Friedensjournalismus erhalten, die vom CCMN (Cameroon Community Media Network) und der Kommunikationsabteilung der PCC (Presbyterian Church in Cameroon) in Zusammenarbeit mit dem Zivilen Friedensdienst, der US-Botschaft und der Friedrich-Ebert-Stiftung in den Städten Buea, Bamenda und Yaoundé organisiert wurden. In den Trainings haben wir gelernt, wie wir aus friedensjournalistischer Sichtweise über Wahlen berichten können. Darüber hinaus diskutierten wir, wie man durch Netzwerkarbeit Friedensjournalismus als Alternative zum konventionellen Journalismus etablieren kann. Wir wurden außerdem von der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Erzdiözese Bamenda und dem Zentrum für Menschenrechte und Friedensanwaltschaft CHRAPA in ziviler Konfliktbearbeitung geschult.

Was können Zivilgesellschaft und Medien in der aktuellen Situation erreichen?

Zivilgesellschaftliche Organisationen schaffen ein Bewusstsein dafür, wie wichtig Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und die Reduzierung der Armut sind. Das Antiterrorgesetz erschwert allerdings die Arbeit, auch die von uns Journalistinnen und Journalisten. Es wird immer schwerer, über diese sensiblen Bereiche zu berichten, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden. Ein Beispiel dafür ist unser Mitglied Tim Finian, der sechs Monate lang im Hochsicherheitsgefängnis Kondengui saß, weil er über die anglophone Krise berichtet hatte. Unsere Mitglieder in Bamenda haben sich eine Selbstzensur auferlegt. Journalistinnen und Journalisten werden immer häufiger suspendiert, politische Sendungen werden abgesetzt. Viele Kolleginnen und Kollegen leiden unter bitterer Armut, weil ihre Gehälter nicht bezahlt werden oder sie ihren Job verloren haben.

Wie kann eine weitere Eskalation verhindert werden?

Wir brauchen einen Dialog, bei dem die Regierung und die betroffenen Menschen an einem Tisch sitzen und einen Ausweg finden. CAMASEJ kann dabei helfen, die Menschen und die Regierung auf den Dialog vorzubereiten. Wir können ihnen vermitteln, dass sie nur gewinnen können, wenn der Dialog stattfindet.


* Vox Pop ist ein journalistischer Beitrag in Form einer Meinungsumfrage. Meist werden Passantinnen und Passanten zu ihrer Meinung über ein bestimmtes Thema befragt.

Foto: Cameroon Community Media Network (CCMN)