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Ukraine: Geschichten vom Alltag unter russischer Besatzung

In Zusammenarbeit mit dem ZFD-Träger KURVE Wustrow hat das Eastern-Ukrainian Center for Civic Initiative (EUCCI) einen erfolgreichen Ansatz entwickelt, um Augenzeugenberichte aus dem Krieg in der Ukraine zu dokumentieren und die Auswirkungen des Krieges auf den Alltag der Zivilbevölkerung aufzuzeigen.

Nachdem EUCCI in den vergangenen Jahren bereits Kriegsverbrechen gesammelt und dokumentiert hatte, um Verstöße der Konfliktparteien gegen das Völkerrecht nachzuweisen, ist nun das Buch „Uninvited“ erschienen. Darin berichten 25 Ukrainer*innen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Regionen des Landes von ihrem Leben unter russischer Besatzung.

Darüber hinaus organisiert EUCCI Veranstaltungen in der Ukraine und verschiedenen europäischen Ländern, um das Buch vorzustellen und das Bewusstsein für die harte Realität des Lebens unter Besatzung zu schärfen. Bei diesen Veranstaltungen kommen die Autor*innen mit dem Publikum ins Gespräch und begegnen dabei häufig Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Für die Autor*innen kann das Schreiben über ihre schmerzhaften Erfahrungen ein Teil des Heilungsprozesses sein. Dem Publikum wiederum ermöglicht der direkte Austausch mit den Augenzeug*innen, Propagandanarrative zu hinterfragen und zu widerlegen. Die Macher*innen möchten vor allem verdeutlichen, dass die Menschen sich nicht dafür entschieden haben, unter Besatzung zu leben. Vielmehr drang das russische Militär in ihre Häuser ein und zwang ihnen eine andere Lebensweise auf.

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Wenn das Zuhause fehlt

Nicht jeder Mensch kann alles zurücklassen und fliehen, und nicht jede*r ist in der Lage, die eigene Geschichte zu erzählen. Umso wichtiger ist es, dass die Stimmen derjenigen, die bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen, sowohl in der Ukraine als auch international Gehör finden.

Bei einer solchen Lesung berichtet eine der Autor*innen, Anastasia Kozak aus Cherson, anhand scheinbar alltäglicher Dinge vom Leben unter Besatzung:

„Die Russen haben mir gezeigt, wie es ist, wenn die Regale in den Geschäften völlig leer sind. In den ersten Monaten der Besatzung hatten wir nichts außer Zucchini und Bohnen aus der Dose. Mehr gab es nicht.“ Anastasia erinnert sich auch daran, wie sie drei Tage lang für Brot Schlange stand, an Verdunkelungsvorhänge und an die Angst vor nächtlichen Durchsuchungen.

„Wenn man sagt, Besatzung sei nur ein Wechsel der Flagge, dann ist das absolut falsch. Besatzung bedeutet den Verlust des Lebens. Manchmal des physischen Lebens, manchmal des Lebens, an das man gewöhnt ist.“, sagt sie.


Das Buch „Uninvited“ mit 25 Geschichten über die russische Besetzung der Ukraine steht (in englischer Übersetzung) hier zum Download zur Verfügung.
Mehr über die Arbeit der ZFD-Partnerorganisation EUCCI erfahren Sie auf der Webseite der Initiative und in unserer Projektdatenbank. 
Fotos: KURVE Wustrow e.V./EUCCI