Funken für Frieden

Bangsamoro Ngayon

Die Radiosendung „Bangsamoro Jetzt: Stimmen für den Frieden“ ist das Herzstück der Medienarbeit im KuMuNet. Jeden Donnerstagabend berichtet sie über den Friedensprozess und die aktuelle Lage auf Mindanao und diskutiert mit Beteiligten, Betroffenen und Bevölkerung. Doch das Radio informiert nicht nur. Es beugt Gewalt vor.

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Frieden auf Sendung

Donnerstagabend. Das Friedensradio „Bangsamoro Ngayon: Tinig Ng Kapayapaan“ (dt.: Bangsamoro Jetzt: Stimmen für den Frieden) befindet sich im Oblate Media Center im Zentrum von Cotabato City, gegenüber vom Tantawan-Park. Im Studio sitzt die Journalistin Sophia Paguital am Mikrofon. Heute wird sie Samira Gutoc-Tomawis, Leiterin der NGO Ranaw Rescue Team und ehemaliges Mitglied der Bangsamoro Transition Commission (BTC), am Telefon begrüßen. In dem Gespräch, das die beiden gleich live on air führen werden, geht es um die Marawi-Krise und den Stand des Friedensprozesses. Auch Hörerinnen und Hörer kommen zu Wort.

Das Radio für alle – weil Frieden alle etwas angeht

Bei Radio Bangsamoro Ngayon dürfen alle mitdiskutieren. Die Macherinnen und Macher wollen die Bevölkerung ausgewogen informieren und sie am Geschehen beteiligen. Das ist auf den Philippinen keine Selbstverständlichkeit. Sensationsheischende Berichterstattung ist weit verbreitet und führt oft dazu, dass Feindbilder verstärkt und Ängste geschürt werden. Konflikte eskalieren dann schneller und münden häufiger in Gewaltausbrüche. Radio Bangsamoro Ngayon, eine Initiative des Netzwerks KuMuNet (Kutawato Multimedia Network), setzt dem etwas entgegen. Die Sendung informiert sachlich über aktuelle Entwicklungen im Friedensprozess. Sie diskutiert mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen, mit Menschenrechtsaktivisten und mit Vertreterinnen und Vertretern der Konfliktparteien.

Bangsamoro Ngayon funkt seit 2013. „Die Radiosendung war ein langjähriger Traum. Wir brauchten ein Medium, das möglichst viele Menschen erreicht und über das wir mit allen Beteiligten über den Frieden auf Mindanao sprechen können“, sagt Mitgründerin Jehan Usop vom Moro Women Development and Cultural Center (MOWDECC). „Die Sendung gibt den Menschen eine Stimme. Dadurch werden die Verantwortlichen in die Pflicht genommen und letztlich der Friedensprozess vorangebracht.“

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Friedensradio kühlt überhitzte Gemüter

Als der Gesetzentwurf Bangsamoro Basic Law (BBL), ein Schlüsselelement im Friedensprozess zwischen Regierung und der größten Rebellengruppe MILF, 2016 im Kongress scheiterte, entfaltete das Friedensradio seine volle Wirkung. Es sendete fortlaufend unabhängige Informationen zu den Geschehnissen in die gesamte Bangsamoro-Region. Es kanalisierte den Frust und die Ängste der Menschen. Als die Stimmung hochkochte, räumte der Sender mehr Zeit ein, um Hörerinnen und Hörer zu Wort kommen zu lassen. Wut und Sorgen kamen zur Sprache, aber auch Hoffnung und Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Zwischen den Wortbeiträgen wurden Textnachrichten verlesen, die in der Redaktion eingingen. Die Zahl der Anruferinnen und Anrufer stieg in dieser Zeit deutlich an. „Diese öffentliche Diskussion im Radio trug dazu bei, dass es ruhig blieb, und dass die Menschen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgaben“, berichtet Nasserudin Dunding von der United Youth of the Philippines-Women (UnYPHIL-Women), einem Mitglied im KuMuNet.

Seit vier Jahren funkt Bangsamoro Ngayon jeden Donnerstagabend Frieden bis in die entlegensten Ecken von Mindanao. Die Sendung wird über Kurzwelle und via Livestream im Internet ausgestrahlt. Gesprochen wird meist Tagalog, die am weitesten verbreitete Sprache auf den Philippinen.

Fotos: KuMuNet, Aubrey Rocin Llamas