Schauplatz Buea

Zwischen Bangen und Hoffen

Tote in der Geisterstadt

Es ist ein ganz normaler Montag in Buea. Die Straßen sind wie leergefegt. Schulen, Taxistände, Geschäfte und Märkte sind geschlossen. Das Leben steht still. Seit Januar 2017 verwandeln sich die Städte im englischsprachigen Teil Kameruns montags zu „Ghost Towns“ (Geisterstädten). Die Zivilgesellschaft legt das öffentliche Leben lahm. Als Ausdruck ihres Unmuts über Benachteiligung und miserable Lebensbedingungen und als Form des gewaltfreien Protests gegen die Zentralregierung. Auch in Buea, der Provinzhauptstadt der Region Südwest, wird jeden Montag gestreikt. So auch am 24. September 2018. Doch diesmal sind drei Tote zu beklagen. In den frühen Morgenstunden werden unter ungeklärten Umständen ein Polizist und zwei Zivilisten erschossen. Die Geisterstädte werden immer häufiger zu Totenstätten.

Friedensfunk im Ausnahmezustand

Buea blieb lange von der Gewalt verschont, die seit 2017 in den beiden anglophonen Regionen Nord- und Südwest tobt. Reverend Geraldine Fobang, Präsidentin der ZFD-Partnerorganisation CCMN, verbucht dies auch als Erfolg des lokalen Radiosenders CBS Radio Buea. Dessen Programm trug dazu bei, die Gemüter zu kühlen. Doch als die Lage in den anglophonen Regionen eskalierte, blieb auch das Universitätsstädtchen am Kamerunberg nicht länger verschont. Inzwischen sind Tote und Verletzte an der Tagesordnung. Berichten zufolge sind dafür sowohl Sicherheitskräfte als auch bewaffnete Separatisten verantwortlich. Die Lage ist extrem angespannt.

Der Druck steigt

Lange schon lastet der staatlich verhängte Ausnahmezustand auf Buea. Eine hohe Militärpräsenz, verbunden mit Einschränkungen im Alltag und willkürlichen Festnahmen sind die Regel. Wie auch andernorts wurden friedliche Demonstrationen mit harter Hand aufgelöst und schließlich ganz unterbunden. Das nährte die Wut, ließ die Gewalt keimen und spielte bewaffneten Gruppen, die für die Unabhängigkeit Westkameruns kämpfen, in die Hände. Heute wird die Gegend von Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen in gleicher Weise drangsaliert. Die Ereignisse vom 24.9. sind kein Einzelfall. Nur drei Tage später erschossen Sicherheitskräfte nach Augenzeugenberichten sieben Zivilisten in Buea. Mitte September überfielen bewaffnete Männer eine Schule in der Nähe von Buea. 20 Kinder wurden verletzt. Am 12.9. wurde das traditionelle Oberhaupt der Gemeinde Wotutu entführt. Am 11.9. wurde ein Soldat ermordet aufgefunden. Zur gleichen Zeit blockierten bewaffnete Rebellen eine Zugangsstraße, ein Auto ging in Flammen auf. Am 30.8. wurde ein Richter vor seinem Haus in Buea entführt.*

Frieden bleibt die beste Option

Die vielen gewaltsamen Zwischenfälle zeigen, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist. Die Fronten sind derart verhärtet, dass ein Radio für den Frieden nur noch wenig ausrichten kann. Doch Buea ist nicht verloren, genauso wenig wie Kamerun. Lesen Sie im Interview mit Reverend Geraldine Fobang, Präsidentin der ZFD-Partnerorganisation CCMN und Leiterin von CBS Radio Buea, welche Chancen der Frieden in Kamerun hat.

* Die Situation bleibt auch nach Redaktionsschluss extrem angespannt. Aktuelle Meldungen finden Sie zum Beispiel auf der zweisprachigen (Englisch/Französisch) Internetseite des Journal du Cameroun.

Foto: Wikimedia Commons / A.R. Etoyiva