Einfach doppelt gut:

Die Fachkräfte des ZFD in Guinea

Seit 2008 arbeiten Aboubacar und Susanne Souaré als Team für den ZFD in Guinea. Zunächst waren sie am Aufbau eines landesweiten Netzwerks für Gewaltprävention und Konfliktbearbeitung beteiligt. Aktuell steht bei ihrer Arbeit der Dialog zwischen Sicherheitskräften und Zivilgesellschaft im Vordergrund.

Privat sind Susanne und Aboubacar Souaré bereits seit über zwanzig Jahren ein unschlagbares Team. Sie lernten sich 1987 an der Université Gamal Abdel Nasser de Conakry (UGANC) kennen. Susanne Souaré kam als Ethnologie-Studentin der Freien Universität Berlin zu Forschungszwecken nach Guinea. Aboubacar Souaré lehrte zu dieser Zeit als Soziologiedozent an der UGANC. Für den ZFD sind Susanne und Aboubacar Souaré ein Glücksfall: Beide bringen ein hohes Maß an Expertise, Erfahrung und Idealismus mit, angereichert durch eine perfekte Mischung aus Außenperspektive und Einblick, Weitsicht und Verbundenheit.

Erfahren Sie mehr über die Arbeit der beiden ZFD-Fachkräfte im Gespräch mit Aboubacar und Susanne Souaré:

Was motiviert Sie, sich als ZFD-Fachkraft zu engagieren?

Aboubacar Souaré: Für den Weltfriedensdienst arbeite ich schon seit 1995 und war bereits in einem Selbsthilfeprojekt im Nachbarland Guinea-Bissau tätig. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen in Guinea im Jahr 2007 mit über 100 vom Militär erschossenen Demonstranten habe ich mit großer Sorge verfolgt. Ich habe natürlich gern die Gelegenheit angenommen, mich in Guinea zu engagieren, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Hier unterstütze ich nun den Demokratisierungsprozess.

Können Sie einen typischen Arbeitstag in Conakry beschreiben?

Aboubacar Souaré: Wir haben bei unserer Arbeit Probleme, über die man sich in Deutschland gar keine Gedanken machen muss. Zum Beispiel funktioniert die Stromversorgung nicht immer. Das heißt dann: keine Bürogeräte, keine Klimaanlage. Deswegen müssen wir manche Aktivitäten oft „auslagern“ oder verschieben. Wir gehen dann in ein Internet-Café oder zum Kopieren in die Innenstadt, wo es eventuell noch Strom gibt. Manchmal müssen wir wegen solchen unvorhersehbaren Schwierigkeiten auch bis spät abends durchhalten, um bestimmte Arbeitsvorgänge abschließen zu können. Die Rückkehr nach Hause dauert abends dann wegen des chronischen Verkehrsstaus noch länger als morgens.

Was ist die wichtigste Eigenschaft oder Fähigkeit, die Sie bei ihrer täglichen Arbeit brauchen?

Susanne Souaré: Für mich sind die wichtigsten Tugenden, die ich brauche, Geduld und Gelassenheit.

Aboubacar Souaré: Manchmal fühle ich mich wie eine Hängematte. Das klingt vielleicht bequem, aber man hängt dazwischen, hält zusammen, wird zerrissen. Man verbindet zwei Welten, die inkompatibel scheinen.

Gibt es ein Erlebnis, das Sie besonders berührt hat?

Susanne Souaré: Die Absolventinnen und Absolventen unserer Kurse erhalten Buttons mit dem Logo des intelligenten Bajonetts. Dieser Button ist mit der Zeit zu einem anerkannten Kennzeichen geworden. Ein Teilnehmer  hat mir einmal weinend erzählt, dass ihm der Button das Leben gerettet hat, als eine Menge ihn lynchen wollte. Sie haben von ihm abgelassen, als sie das Logo sahen und somit erkannten, dass er mit unserem Projekt in Verbindung steht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Aboubacar Souaré: Ich wünsche mir ein großes Netzwerk von Friedensinitiativen, die eine Gegenmacht zur schlechten Regierungsführung bilden und dem Land zu demokratischen Strukturen und Rechtsstaatlichkeit verhelfen. Wir brauchen für den Ausbau unseres „Spinnennetzes des Friedens“ und für das intelligente Bajonett weitere finanzielle Unterstützung, denn unser Budget ist sehr klein.

 

Foto: WFD