Philippinen: Mindanao im Fokus

Unser Factsheet „Was kann aufgeheizte Stimmung abkühlen? – FRIEDEN KANN.“ zeigt, wie konfliktsensibler Journalismus auf Mindanao dazu beiträgt, Gewalt zu mindern und den Friedensprozess voranzubringen. Im Beitrag dieser Woche bringen wir in Ergänzung dazu einen Überblick über aktuelle Aktivitäten des ZFD und aktuelle Entwicklungen auf der konfliktreichen Inselgruppe im Süden der Philippinen.


November 2019: Fotowettbewerb zur Friedenskonferenz
Zur diesjährigen Konferenz des „Mindanao Peacebuilding Institute“ (MPI) steuerte der ZFD eine Fotoausstellung mit dem Titel „Celebrating Connection – Living Peace“ bei. Gemeinsam mit den beiden Organisationen CAPID und YOUCAP hatte der ZFD im Vorfeld zu einem Fotowettbewerb aufgerufen. Die 35 eindrucksvollsten Einreichungen wurden auf der 5. MPI-Friedenskonferenz, die vom 19. bis 20. November an der Father Saturnino Urios University in Butuan City stattfand, präsentiert. Gewinner des Wettbewerbs wurde der (Foto-)Journalist John Isidro Laure.

Oktober 2019: Frieden lehren und mehren
In Davao City fand vom 24. bis 27.10. der Workshop „Maximizing Multimedia Platforms for Peacebuilding“ statt. Im Zentrum stand die Frage, wie soziale Medien zur Friedensförderung genutzt werden können. Organisiert hatten den Workshop das ZFD-Team in Cotabato City in Kooperation mit der städtischen Schulbehörde. Die Teilnehmenden waren allesamt Mitglieder der zivilgesellschaftlichen Jugendorganisation „Responsible Young Leaders Organization“ (RYLO). Ebenfalls im Oktober fand der dritte Block einer Ausbildung für Lehrende der Politikwissenschaft statt. Die teilnehmenden Hochschuldozentinnen und -dozenten wurden darin trainiert, die Themenbereiche Frieden und Konflikt in ihre Lehre zu integrieren. Mehr über den Lehrgang finden Sie hier.

September 2019: Friedensjournalismus fördern
Im September ist das Förderprogramm „CSJ Research Talent Program“ für philippinische Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gestartet. Das gemeinsame Programm von ZFD und MEM (Media Educators of Mindanao) zielt darauf ab, junge Akademikerinnen und Akademiker in ihrer Forschung zu konfliktsensiblem Journalismus zu unterstützen. Den Auftakt bildete ein zweitägiges Kolloquium, das die bislang sechs Stipendiatinnen und Stipendiaten dazu nutzten, ihre Forschungsvorhaben zu konkretisieren. Das Förderprogramm läuft im Rahmen der internationalen Konferenz „On Conflict-Sensitive Journalism“, die im Februar 2020 erstmals in Davao City, Mindanao, ausgerichtet wird. Organisiert wird sie vom ZFD, seinen Partnern PECOJON und MEM sowie den beiden Organisationen AMIC und AIJC. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Mehr über die Konferenz finden Sie in unserem Beitrag vom 25.09.2019.

Sommer 2019: Friedensjournalismus schulen
Eine weitere Ausbildungsgruppe von Lehrkräften aus Mindanao hat im Juli 2019 ihr Training zu „konfliktsensiblem Journalismus“ erfolgreich abgeschlossen. Bereits im Dezember 2018 war der Kurs mit der ersten Trainingswoche gestartet. Anschließend ging es dann für die elf Lehrerinnen und Lehrer an die praktische Arbeit: Sie nutzten ihr neu erlerntes Handwerkzeug zur Erstellung eines Artikels, einer Dokumentation oder einer Radiosendung, bevor rund sechs Monate später der zweite Kursteil mit der Frage „Wie kann konfliktsensibler Journalismus die Medien verändern?“ startete. Das Zertifizierungsprogramm wird gemeinsam vom forumZFD mit seinen Partnern MEM und PECOJON (Peace and Conflict Journalism Network) organisiert und durchgeführt. Lehrkräfte sollen damit ermutigt und befähigt werden, friedensjournalistische Inhalt im Unterricht einzubringen. Mehr darüber erfahren Sie hier. Ebenfalls im Sommer 2019 fand in Davao City das „Mobile Journalism Trainingfür junge Medienschaffende statt. Im Trainingskurs der GIZ schulten die Teilnehmenden ihre Fertigkeiten, derart zu berichten, dass sie Spannungen abbauen, anstatt sie anzuheizen. Einen Eindruck vom Training vermittelt der zweiminütige Film „Training local media on conflict sensitive-mobile reporting“.


ZFD-Vielfalt auf Mindanao
Unser FactsheetWas kann aufgeheizte Stimmung abkühlen? – FRIEDEN KANN.“ zeigt, wie konfliktsensibler Journalismus auf Mindanao dazu beiträgt, Gewalt zu mindern und den Friedensprozess voranzubringen. In diesem Rahmen ist 2018 auch das erste „konfliktsensible“ Trainingsmanual für Journalistinnen und Journalisten erschienen. Es bietet fachlichen Input, anschauliche Beispiele und praktische Übungen. Das Handbuch The Conflict-Sensitive Journalism Teaching Guide“ ist das Ergebnis einer langjährigen Kooperation staatlicher und zivilgesellschaftlicher Partner mit dem ZFD. Doch die friedensfördernde Arbeit des ZFD auf Mindanao geht weit über Friedensjournalismus hinaus. Worum es in allen Maßnahmen geht: Den Frieden voranbringen, indem er von den Menschen vor Ort gestaltet wird. Hier finden Sie eine Übersicht über die vielfältigen Aktivitäten. Der Zivile Friedensdienst engagiert sich auf Mindanao mit 13 Fachkräften von den beiden Trägern forumZFD und GIZ. Mehr über ihre konkrete Arbeit und den spezifischen Konfliktkontext erfahren Sie in unserer Projektdatenbank


Aktuelle Entwicklungen im Friedensprozess auf Mindanao
Ende Februar nahm die Übergangsbehörde zur Bildung der neuen „Autonomen Region Bangsamoro“ (Bangsamoro Autonomous Region of Muslim Mindanao, BARMM) ihre Geschäfte auf, ein historischer Moment für die jahrelangen Friedensbemühungen auf Mindanao. Doch nach wie vor kommt es zu gewaltsamen Konflikten, noch immer gilt das Kriegsrecht und nicht alle fühlen sich im Friedensprozess berücksichtigt, so auch die indigene Bevölkerung. Auf einer Pressekonferenz am 19.11.2019 hat Präsident Duterte offengelassen, ob er das seit 2017 auf Mindanao geltende Kriegsrecht ein weiteres Mal verlängern wird. Er warte auf die ausstehenden Empfehlungen von Polizei und Militär, bevor er darüber entscheide, berichtet die philippinische Mediengruppe ABS/CBN News. Duterte hatte das Kriegsrecht verhängt, nachdem IS-nahe Rebellen Marawi City eingenommen hatten. Es kam zu schweren Gefechten, 500.000 Menschen mussten fliehen, die Stadt wurde in weiten Teilen zerstört. Der Wiederaufbau komme nur schleppend voran, meldete kürzlich die katholische Nachrichtenagentur UCA-News. Seit Oktober 2019 wird Mindanao zudem von einer Reihe, zum Teil sehr schwerer Erdbeben erschüttert, bei denen bereits mehr als 30 Menschen starben. Nach Angaben des UN-Infoportals ReliefWeb leben derzeit über 100.000 Menschen in Notunterkünften oder bei Gastfamilien. Mehr als 260.000 Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.


Berichte von ZFD-Fachkräften
Im Beitrag Philippinen: Inklusiv ist das Ziel vom 10.4.2019 schildert Karin Widmer, ZFD-Fachkraft auf Mindanao, wie die zivilgesellschaftliche Plattform der indigenen Bevölkerung „Lumad Husay Mindanaw“ mit Unterstützung des ZFD auf den Friedensprozess einwirkt. In seinem Artikel Der lange Weg zum Frieden beschreibt der Journalist Gebhard Körte das Engagement auf Mindanao vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen. Körte war bis Ende 2016 als ZFD-Fachkraft auf Mindanao tätig. Der Artikel, der einen Bogen von 2008 bis 2019 spannt, wurde im Mai 2019 auf der Website des forumZFD veröffentlicht. In unserem Präventionsdossier Philippinen: Frieden auf Sendung berichtet Daniel Ong, ehemalige ZFD-Fachkraft, im Interview wie auf Mindanao mit Hilfe der Medien Gewalt verhindert werden kann, welchen Anteil der Zivile Friedensdienst daran hat – und was mit mehr Mitteln darüber hinaus erreicht werden könnte. 


Projektpartner des ZFD auf Philippinen sind:

  • Al Qalam lnstitute tor lslamic ldentities and Dialoque in Southeast Asia,
  • Civil Society Organization Forum for Peace Incorporated (CSO-FP),
  • Father Saturnino Urios University, Initiatives for International Dialogue (IID),
  • Institute for Peace and Development (IPDM) an der Mindanao State University (MSU),
  • Kutawato Multimedia Network (KuMuNet),
  • MEM (Media Educators of Mindanao Network),
  • Mindanao Peoples' Peace Movement (MPPM),
  • National Commission on Indigenous Peoples (NCIP),
  • National Union of Journalists in the Philippines,
  • Pailig Development Foundation (PDFI),
  • Pambansang Koalisyon ng Kababaihan sa Kanayunan (PKKK – National Rural Women Coalition),
  • Panaghiusa Alang Sa Kaugalingnan Ug Kalingkawasan (PASAKK – Unity for Self-Determination and Empowerment),
  • PECOJON – the Peace and Conflict Journalism Network,
  • Sibog Katawhan Alang so Paglambo (SIKAP),
  • University Butuan,
  • sowie Lokalregierungen und Behörden auf Gemeinde- aber auch auf Provinzebene (Locol Government Units in Caraga, Divisions Davao, Maguindanao und Cotabato City)

    Foto: picture alliance