Philippinen: Inklusiv ist das Ziel

10.4.2019

Ende Februar nahm die Übergangsbehörde zur Bildung der neuen „Autonomen Region Bangsamoro“ ihre Geschäfte auf, ein historischer Moment für die jahrelangen Friedensbemühungen auf Mindanao. Doch nach wie vor kommt es zu gewaltsamen Konflikten, noch immer gilt das Kriegsrecht und nicht alle fühlen sich im Friedensprozess berücksichtigt, so auch die indigene Bevölkerung.

Lumad Husay Mindanaw – Indigene fordern ihren Raum für inklusiven Frieden

Mindanao ist eine wunderschöne Insel im Süden der Philippinen, viermal größer als die Schweiz. Sie ist reich an Ressourcen, Kulturen und Geschichte. Sie hat jedoch auch mit komplexen Konflikten auf verschiedenen Ebenen zu kämpfen. Daher wird Mindanao nicht nur das „Land der Verheißung“ genannt, sondern auch das „Land des Konflikts“. Am meisten betroffen ist die Zivilbevölkerung, einschließlich der indigenen Völker. Ihre Gebiete sind zu Kriegsgebieten geworden, wo staatliche und nichtstaatliche Akteure ihre Kämpfe austragen. Die Indigenen auf Mindanao leiden unter Menschenrechtsverletzungen und Landkonflikten, häufig werden sie schikaniert und manchmal sogar getötet.

Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die indigenen Bevölkerungsgruppen auf Mindanao für Gleichberechtigung und ihr Recht auf Selbstbestimmung. Trotzdem werden sie weiterhin missverstanden und überhört, wenn es um die Umsetzung ihrer Rechte geht, besonders was ihre Identität, Landrechte und das Recht auf Selbstverwaltung betrifft. Die Frustration ist groß: „Ich bin müde, aber wir können nicht aufgeben. Wir tun das nicht für uns selber, wir tun es für unsere Leute und für die zukünftigen Generationen. Es liegt in unserer Verantwortung, das fortzuführen, was unsere Vorfahren angefangen haben“, so eine indigene Friedensaktivistin.

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt zusammen mit seiner lokalen Partnerorganisation „Initiatives for International Dialogue“ (IID) seit über zwei Jahren eine zivilgesellschaftliche Plattform der indigenen Bevölkerung namens Lumad Husay Mindanaw. Lumad, so nennen sich die nicht-muslimischen Indigenen auf Mindanao. Husay steht für „kontextualisierte Konfliktbearbeitung“, wobei das kulturelle Konzept dahinter viel weiter greift. Ende 2018 führte Lumad Husay Mindanaw mit Unterstützung von IID und ZFD eine Reihe von Veranstaltungen durch. Die Aktivitäten umfassten unter anderem die zweite LHM-Konferenz, eine Tagung zum Thema Föderalismus und zwei Dialogveranstaltungen mit Repräsentantinnen und Repräsentanten der Regierung und Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bereich humanitärer Schutz und zivile Begleitung.

Für die Indigenen von Lumad Husay Mindanaw waren die Erfolge dieser Aktivitäten gemischt. Während einige Teilnehmende die Lernerfahrung und den inspirierenden Charakter hervorhoben, waren andere eher skeptisch. Sie äußerten ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Gesprächspartner nur wenig Unterstützung zeigten oder zögerten, konkrete Verpflichtungen einzugehen. Einige empfanden sogar, dass ihre Situation verharmlost wurde: „Ich bin bestürzt über das Ergebnis der Treffen. Unsere Leute erwarten positive Ergebnisse. Die anhaltenden Tötungen in unseren Gebieten sind traumatisierend. Wenn die Übergriffe auf uns andauern, wird es keinen Frieden geben. Ich habe Angst, dass der von uns empfundene Schmerz an die nächste Generation übertragen wird.“ Trotz der teilweise enttäuschenden Erfahrung waren die Teilnehmenden insgesamt dankbar für die Gelegenheit, die anwesenden Repräsentantinnen und Repräsentanten über ihre Situation informieren zu können. Sie sind überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit politischen Akteurinnen und Akteuren ein wichtiges Instrument darstellt, um ihre Belange klar und deutlich anzumelden.

Lumad Husay Mindanaw wurde durch diese Reihe von Aktivitäten sichtbarer. Dennoch besteht weiter Bedarf, das Netzwerk und sein Mandat bekannter zu machen, damit die Indigenen gehört werden. Dies trägt zu inklusivem und gerechtem Frieden auf Mindanao bei. Die Plattform ermöglicht den indigenen Repräsentantinnen und Repräsentanten, direkt mit den wichtigen Interessengruppen und politischen Akteurinnen und Akteuren in Dialog zu treten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Indigenen, die von ihren jeweiligen Gemeinschaften und Netzwerken als Repräsentantinnen und Repräsentanten gewählt wurden, als „Change Maker“ unterstützt werden.

Karin Widmer, Fachkraft des Zivilen Friedensdienstes auf Mindanao, redaktionelle Bearbeitung ZFD ÖA.

Foto: GIZ/ZFD, Karin Widmer