20 Jahre ZFD: Diskussion im Bundestag

Zum 20. Jubiläum des ZFD fand am 17.10. ein parlamentarischer Abend im Bundestag statt. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ war das Motto der Veranstaltung, zu der Ottmar von Holtz vom „Unterausschuss für zivile Krisenprävention“ und die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) geladen hatten. „Der Zivile Friedensdienst braucht mehr Öffentlichkeit, aber auch mehr Mittel“, ist eine wesentliche Botschaft, die von der Veranstaltung ausgeht.

Gleich zur Begrüßung mahnte Ottmar von Holtz, MdB, dass die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes dringend sichtbarer werden müsse: „Wir brauchen mehr Öffentlichkeit“, sagte der Vorsitzende des „Unterausschusses für zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“. Deshalb fänden auch die Sitzungen seines Ausschusses öffentlich statt und würden auf den Seiten des Bundestages gestreamt.

Prälat Martin Dutzmann, der evangelische Vorsitzende der GKKE, ergänzte, dass mehr Öffentlichkeit, aber auch mehr Geld nötig seien, um den Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung vor der militärischen zu propagieren und verwies auf aktuelle Entwicklungen: „Das ist umso wichtiger, wo neue Offensiven im Norden Syriens vom Zaun gebrochen werden.“

Prälat Dutzmann und von Holtz eröffneten den parlamentarischen Abend, der am 17. Oktober 2019 im gut besuchten Saal im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags stattfand. Bei der sich anschließenden Podiumsdiskussion wurde zurück, vor allem aber nach vorn geblickt. Denn das 20-Jährige Jubiläum des ZFD war zwar der Anlass, aber nicht Selbstzweck der Veranstaltung. So wurde trotz Würdigung des erfolgreich Erreichten auch kritisch auf den Status Quo und die weiteren Aussichten geblickt.

„Wir dürfen nicht so tun, als ob wir einfach so weitermachen können,“ sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt mit Blick auf die weltweit zunehmenden Einschränkungen zivilgesellschaftlichen Handelns. „Menschenrechtsaktivisten werden ermordet, soziale Konflikte verschärfen sich. Fachkräfte sind am Ende, weil sie so viele Gewalterfahrungen machen müssen“, gab sie zu bedenken. „Wir registrieren immer mehr eingeschränkte Handlungsräume, auf die wir reagieren müssen. Sonst gibt’s bald keine Friedensdienste mehr.“

„Die Botschaft der zivilen gewaltfreien Konfliktbewältigung hat es im Moment nicht leicht,“ räumte auch Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, ein. Gerade deshalb, betonte Brahms, seien eine deutlichere politische Unterstützung und erhöhte Finanzmittel umso nötiger.

Die Erfahrungen, die in 20 Jahren Ziviler Friedensdienst gemacht wurden, die Rückschläge, die verzeichnet, und die Erfolge, die erreicht wurden, bieten hierfür eine geeignete Argumentations- und Arbeitsgrundlage. Der ZFD hat sich als Programm zur Friedensförderung bewährt. Dafür sprechen die vielen Beispiele aus der konkreten Arbeit vor Ort. Es braucht nur mehr davon.


Auf dem Podium zu „20 Jahre Ziviler Friedensdienst – Bilanz und Ausblick der Zusammenarbeit von Staat und Kirche bei der zivilen Konfliktbearbeitung“ diskutierten am 17. Oktober 2019 im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags in Berlin:

  • Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin Brot für die Welt
  • Dr. Elke Löbel, Leiterin Unterabteilung 22 (Flucht und Migration, Krisenprävention und -bewältigung) im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Dr. Claudia Lücking-Michel, Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH)
  • Dr. Jörg Lüer, Geschäftsführer von Justitia et Pax, Geschäftsführer GKKE
  • Renke Brahms, Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
  • Ottmar von Holtz, MdB, Vorsitzender des Unterausschusses für zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln

Das Schlusswort sprach Dr. Karl Jüsten, katholischer Vorsitzender der GKKE. Die Moderation hatte Dr. Friederike Repnik von der AGEH inne.

Quelle: Gerlinde Unverzagt, Foto: Stefanie Loos / Brot für die Welt