Projekt

(Zusammen) Leben ermöglichen

Land

Ruanda

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland: Ruanda (Ostafrika). Hauptstadt: Kigali; Bevölkerung: rund 13,3 Mio. Menschen (538 pro km²). Entstehung: Die Königreiche Ruanda und Urundi (heute: Burundi) bestanden mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Ende des 19. Jh. wurden sie Deutschland als Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika zugeschlagen. Im 1. Weltkrieg wurden die Territorien von Belgien erobert und danach vom Völkerbund Belgien als Mandatsgebiet zugesprochen. Unabhängigkeit: 1962 (von Belgien). Regierungsform: präsidiale Republik. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden zuletzt 2017 statt, die nächsten folgen in 2024. Paul Kagame ist seit 2000 Präsident. Human Development Index 2022: Rang 161 (von 193 Ländern); Global Peace Index 2023: Rang 88 (von 163 Ländern).


Projekt: Mit ihren ruandischen Partnerorganisationen (PO) arbeiten die Fachkräfte des ZFD im Umfeld von drei Geflüchtetencamps des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) daran, dass einheimische und geflüchtete Jugendliche ihre Auseinandersetzungen friedlich lösen. Das gelingt durch gemeinsame Theater-, Sport- und Musikprojekte wie auch durch Dialogrunden und gemeinsame Workshops etwa zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung. Dadurch überwinden sie ihre Vorurteile, knüpfen Kontakte und kooperieren miteinander. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, die psychosoziale Versorgung der Geflüchteten zu verbessern.  Viele von ihnen, insbesondere Mädchen und Frauen, haben massive Gewalt erfahren. Psychosoziale Angebote helfen ihnen, die Traumata zu verarbeiten, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und sich konstruktiv in die Gesellschaft einzubringen. Es wurden bereits über 100 Community Psychosocial Workers (CPW) in Traumaarbeit und soziotherapeutischen Ansätzen geschult. Sie konnten über 1.000 Geflüchtete mit psychosozialer Unterstützung versorgen.

Praxisbeispiel: Die PO ARCT-Ruhuka, die Nationale Organisation der Trauma-Berater*innen, hat im Rahmen des gemeinsamen Projekts Ubuzima Burakomeza (Kinyarwanda für „Das Leben geht weiter“) im September 2023 eine Gruppe von 35 CPW geschult. In diesem Fall sind die CPW selbst Geflüchtete, die anderen Geflüchteten, die unter traumatischen Ereignissen leiden, psychosoziale Unterstützung anbieten. Während der fünftägigen Schulung vertieften sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu Themen wie aktives Zuhören, Depression und geschlechtsspezifische Gewalt.


Konfliktfelder: Seit dem Völkermord von 1994 an den Tutsi hat Ruanda große Fortschritte erzielt, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt. Eine Herausforderung stellt aktuell die verhältnismäßig hohe Zahl an Geflüchteten im Land dar. Aufgrund der politischen Instabilität und der gewaltsamen Konflikte in der Region ist Ruanda seit langem Anlaufstelle für Geflüchtete, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo und Burundi. Derzeit sind rund 120.000 Geflüchtete in Ruanda registriert, von denen die meisten in den sechs UNHCR-Camps untergekommen sind. Viele Geflüchtete sind traumatisiert. Rund die Hälfte der Geflüchteten ist unter 18 Jahre alt. Geflüchtete und Einheimische leben eng beieinander und teilen sich oft dieselbe Infrastruktur und die wenigen Ressourcen. Auf beiden Seiten bestehen Vorurteile und Misstrauen aufgrund von Ungleichheit und Ungleichbehandlung. Diese Herausforderungen erzeugen Konflikte und mitunter Gewalt – sowohl innerhalb der Geflüchtetencamps als auch zwischen Einheimischen und Geflüchteten.


Projektpartner

Association Ruandaise des Conseillers en Traumatisme (ARCT Ruhuka)
Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (EEAR)
Ejo Youth Echo (EYE)
Legal Aid Forum (LAF)
Life Wounds Healing Association (LIWOHA)
Vision Jeunesse Nouvelle (VJN)

Projektstandorte

Kigeme Geflüchtetencamp
Mahama Geflüchtetencamp
Mugombwa Geflüchtetencamp
an die Camps angrenzende Gemeinden

Zielgruppen

jugendliche Geflüchtete aus den Geflüchtetencamps und den aufnehmenden Gemeinden; traumatisierte Geflüchtete; Frauen und Mädchen, die traumatisierende Gewalt erlitten haben

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

3

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Geflüchtete und Aufnahmeländer“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

1. Quartal 2024