Projekt

Weil es zu schaffen ist: Mit Dialog und Medienarbeit zu friedlicher Koexistenz

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Libanon

Projektlaufzeit

2016 bis 2021

Konfliktkontext: Von 1975 bis 1990 tobte im Libanon ein Bürgerkrieg, der mehr als 150.000 Tote forderte. Die Folgejahre waren von Besatzung (bis 2000 durch Israel, bis 2005 durch Syrien) und gewaltsamen innenpolitischen Unruhen geprägt. 2006 gab es zudem schwere Gefechte zwischen libanesischer Hisbollah-Miliz und Israel. Die gewaltsame Vergangenheit hat Spuren im sozialen Gefüge einer ohnehin gespaltenen Gesellschaft hinterlassen. Misstrauen und Ängste haben sich breitgemacht. Ein Klima der Gewalt ist geblieben. Der Dialog zwischen den 18 anerkannten Religionsgemeinschaften und den politischen Lagern gestaltet sich schwierig. Es gibt kaum Initiativen, die sich unabhängig von religiöser, politischer, regionaler oder familiärer Färbung engagieren. Bis heute schwankt die politische Lage im Land zwischen Instabilität und Stagnation. Seit 2011 belastet der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien auch den Libanon. Knapp eine Million syrische Geflüchtete wurden im Libanon registriert. Geschätzt wird, dass insgesamt 1,5 Millionen Menschen im Land untergekommen sind. Der Libanon beherbergt damit im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung die meisten Geflüchteten weltweit. Eine extreme Herausforderung für ein Land, das genug mit sich selbst zu kämpfen hat. Die Infrastruktur ist überlastet und der wirtschaftliche Druck verschärft sich. Spannungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen nehmen zu. Seit 2013 wird der Libanon auch direkt in den Krieg in Syrien hineingezogen: Durch die Beteiligung libanesischer Akteure (Hisbollah-Miliz und sunnitische Islamisten) an den Kampfhandlungen einerseits sowie durch Vergeltungs- und Terroranschläge andererseits. Im Mai 2018 fanden die ersten Parlamentswahlen seit 2009 statt. Die Regierungsbildung gestaltete sich aufgrund stark divergierender Positionen der politischen und religiösen Lager schwierig. Erst im Januar 2019 stand das Kabinett der neuen Regierung fest. Auch wenn sich der alte und neue Ministerpräsident Saad Hariri zuversichtlich zeigt, bleibt fraglich, inwieweit es gelingen wird, die gravierenden Probleme in den Griff zu bekommen. Eine marode Wirtschaft, die zersplitterte Gesellschaft, ein Klima der Gewalt und der Bürgerkrieg in Syrien: All das macht die Situation im Libanon hochbrisant. Konflikte schlagen punktuell bereits in Gewalt um.

Projekt: Die Gruppe der aus Syrien Geflüchteten macht nach offiziellen Angaben rund ein Viertel der Bevölkerung des Libanons aus. Etwa die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre. Die anfängliche Hilfsbereitschaft der libanesischen Bevölkerung weicht mit Andauern der Krise einer skeptischen bis ablehnenden Haltung. Die Diskriminierung von Geflüchteten durch die Bevölkerung, aber auch durch staatliche Akteure nimmt zu. In den Medien überwiegt eine stereotype Sichtweise auf Syrerinnen und Syrer als „Terroristen“ oder „ungebildete Tagelöhner“. Vor dem Hintergrund der ohnehin prekären Lebensbedingungen häufen sich die Konflikte. Es besteht zunehmend die Gefahr der gewaltsamen Eskalation. Durch Medien- und Begegnungsarbeit will der ZFD dem etwas entgegensetzen. Ziel ist es, ein friedliches Zusammenleben von Gast- und Geflüchtetengemeinden zu fördern. Dazu sollen Vorurteile, Ängste und Spannungen durch gezielte Begegnungen abgebaut werden. Gemeinsame Aktivitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beider Seiten ersetzen Vorbehalte durch Verständnis und zeigen Alternativen zur gewaltsamen Austragung von Konflikten auf. Darüber hinaus arbeitet der ZFD mit seinen Partnerorganisationen daran, einen konfliktsensiblen Journalismus zu verbreiten, einen Journalismus, der sich durch Berichte und Formate auszeichnet, die Spannungen abbauen, anstatt sie anzuheizen. Das beinhaltet auch gegen einseitige, stereotype Darstellungen und die Verbreitung von „Hate Speech“ anzuschreiben. Der ZFD Partner „Jibal“ bietet regelmäßig Workshops an, um Medienschaffende für eine sensible Berichterstattung über das Thema Flucht und Migration zu gewinnen. Dabei hilft auch, den Geflüchteten selbst eine Stimme zu geben. Im Geflüchtetencamp Schatila wurden Geflüchtete zu Bürgerjournalistinnen und -journalisten ausgebildet. Sie betreiben nun einen Medienservice mit sauber recherchierten und gut aufbereiteten Berichten aus dem Camp. Das Projekt wird vom ZFD-Partner „Al Jana“ in Kooperation mit der Deutschen Welle Akademie begleitet. Eine Fachkraft des ZFD kümmert sich darum, dass die Verbreitung der journalistischen Beiträge steigt und das Projekt auf lange Sicht Bestand hat. In Zusammenarbeit mit der Organisation SHIFT baut der ZFD im Norden des Landes ein vergleichbares Projekt auf.

Projektpartner

Deutsche Welle Akademie
House of Peace
Jibal
Salam LADC
SHIFT

Projektstandorte

Beirut
Bekaa Ebene
Geflüchtetencamp Schatila
Nord-Libanon
Tripoli

Zielgruppen

zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure, Medienschaffende sowie Geflüchtete und Einheimische auf lokaler Ebene

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

2. Quartal 2021