Projekt

Jugend stärken, um Kultur der Gewalt zu durchbrechen

Land

Timor-Leste

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland: Timor-Leste. Hauptstadt: Dili; Bevölkerung: rund 1,34 Mio. Menschen (90 pro km²). Unabhängigkeit: 2002 (nach rund 400 Jahren portugiesischer Kolonialherrschaft und 24 Jahren indonesischer Besatzung; bereits 1999 hatten in einem Referendum fast 80 Prozent der Bevölkerung für eine Loslösung von Indonesien gestimmt; von 1999 bis 2002 wurde eine UN-Übergangsverwaltung installiert). Regierungsform: parlamentarische Republik. Die letzte Präsidentschaftswahl fand 2022 statt, die letzte Parlamentswahl 2023. Human Development Index 2021: Rang 140 (von 191 Ländern); Global Peace Index 2023: Rang 49 (von 163 Ländern).


Projekt: Die Partnerorganisationen (PO) und Fachkräfte des ZFD setzen in Timor-Leste vor allem auf die junge Generation. Erklärtes Ziel ist, Jugendlichen alternative Wege der Konfliktaustragung aufzuzeigen und sie in ihrer Dialog- und Medienkompetenz zu stärken. Dadurch sollen sie darin unterstützt werden, die Kultur der Gewalt, die als Erbe der Kolonial- und Besatzungszeit auch ihr häusliches und schulisches Umfeld prägt, mehr und mehr zu durchbrechen. Die PO verfolgen unterschiedliche Wege, um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen: Sie entwickeln Konzepte für die schulische und außerschulische Bildung, arbeiten direkt mit Jugendlichen und im schulischen Kontext auch mit ihren Lehrkräften, bringen sich ins Lehramtsstudium ein oder produzieren multimediale Inhalte mit überregionaler bis landesweiter Reichweite. Die Maßnahmen sind vielfältig, sie reichen von einer Modellschule für gewaltfreie Unterrichtsmethodik bis hin zu TV-Produktionen.

Praxisbeispiel: Die PO Casa de Produção Audiovisual (CPA) hat sich auf die Produktion audiovisueller Medien spezialisiert, um den Friedensprozess in Timor-Leste voranzubringen. Ihr Film „Jakarta 2“ bspw. war eine preisgekrönte Auseinandersetzung mit der gewaltvollen Zeit der Besatzung. Aktuell arbeitet CPA via Social Media u.a. daran, über sexualisierte Gewalt aufzuklären. Darüber hinaus animiert CPA Jugendliche mit ihrem Jugendfilmfestival FFJT selbst zur Kamera zu greifen, um für sie dringliche Themen anzusprechen.


Konfliktfelder: Seit der Unabhängigkeit vor über 20 Jahren hat Timor-Leste große Fortschritte in Demokratie und Friedenskonsolidierung gemacht. Dennoch stehen Politik und Gesellschaft weiterhin vor der Aufgabe, die Zerstörung, Unterdrückung und Gewalt der Besatzungszeit aufzuarbeiten. Das betrifft die materiellen Schäden an Infrastruktur, Wirtschaft und Verwaltung, und das betrifft die psychosozialen Wunden. Viele Menschen sind traumatisiert. Gewalt ist weithin akzeptiert, auch zur Konfliktaustragung. Das Ausmaß häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder ist extrem hoch. Für viele Menschen hat sich mit der Unabhängigkeit wenig verändert. Über 40 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Es mangelt an Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, insbesondere für junge Erwachsene. Auch ihre Möglichkeiten, sich in gesellschaftliche und politische Belange einzubringen, sind gering. Die Perspektivlosigkeit der unter 25-Jährigen, die über 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen, birgt ein hohes Konfliktpotential. Immer häufiger kommt es zu Spannungen und Gewalt.


Projektpartner

Ba Futuru
Casa de Produção Audiovisual (CPA)
Centro de Estudo para a Paz e o Desenvolvimento (CEPAD)
Departemento da Juventude Catolica in Dili (DEJUCDDIL)
Eskola Sacrojes Becora
Fundação Sao Paulo
Instituto Católico para a Formação de Professores (ICFP)
Instituto de São João de Brito (ISJB)
Radio Lian Matebian
Universidade Catolica Timorenese (UCT)

Projektstandorte

Baucau
Dili
Diözese Baucau
Diözese Dili
Diözese Maliana
Kasait
Palaka
Sao Tomas

Zielgruppen

Kinder und Jugendliche, Schüler*innen, Studierende, Lehrkräfte an Hoch- und Sekundarschulen und in der informellen Bildungsarbeit, Erzieher*innen, Eltern, Kirchengemeinden, Radio- und Fernsehjournalist*innen, Medienschaffende, allgemeine Bevölkerung

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

9

Stand

4. Quartal 2023