Projekt

Im Dialog für die Menschenrechte

Land

Indonesien

ZFD-Akteur

peace brigades international

Projektland: Indonesien (Südostasien). Hauptstadt: Jakarta; Bevölkerung: rund 276,4 Mio. Menschen (147 pro km²). Unabhängigkeit: 1945 (nach rund 450-jähriger Kolonialherrschaft durch Portugal ab 1500 und durch die Niederlande ab 1600; von 1942 bis 1945 durch Japan besetzt; der einseitigen Unabhängigkeitserklärung von 1945 folgte ein Krieg mit den Niederlanden); Regierungsform: präsidiale Republik (nachdem Indonesien über 30 Jahre von Präsident Suharto diktatorisch regiert wurde, erfolgte ab 1998 ein demokratischer Wandel). Subianto werden Human Development Index 2023: Rang 113 (von 193 Ländern); Global Peace Index 2023: Rang 53 (von 163 Ländern).


Projekt: Einsatz für Menschenrechtsverteidiger*innen (MRV) und deren Schutz sowie Förderung inklusiver Friedensprozesse. Ziel ist es, lokale Aktivist*innen in ihrer Menschenrechts- und Friedensarbeit zu stärken und ihr Wissen zu erweitern, ihre Sicherheit zu erhöhen und zu einem sichereren und friedlicheren Zusammenleben beizutragen. Die teilnehmenden MRV geben ihr Wissen in ihre Gemeinschaften weiter, stärken die lokale Zivilgesellschaft und verbessern ihre Advocacy-Fähigkeiten, um sich bei nationalen und internationalen Entscheidungsträger*innen Gehör zu verschaffen. Zu ihren Themen gehören: Rechte indigener Völker im Zusammenhang mit Landrechten und Gewalt bei groß angelegten Wirtschaftsprojekten; Stärkung und Unterstützung von Frauenrechtsaktivist*innen; Pressefreiheit in West-Papua im Kontext von ausweitender Militarisierung in der Region; Förderung von lokaler Friedensarbeit und Dialogprozessen.

Praxisbeispiel: Das laufende Projekt zur integrativen Friedensarbeit zielt auf die Ausbildung zukünftiger junger Friedensaktivist*innen ab. Dazu gehört die Entwicklung eines Curriculums für Friedenspädagogik durch lokale MRV sowie Kapazitätsentwicklung für gewaltfreie Friedensarbeit in lokalen Gemeinschaften. Ebenso wie das abgeschlossene Fotoprojekt „Papua Bercerita“ („Storytelling zur Friedensförderung“), das durch partizipative Fotografie Mitglieder verschiedener Gemeinschaften aus Westpapua, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, zusammenbrachte. Durch Fotografie als gemeinsames Interesse und das Erstellen eigener Geschichten, lernten sich die Teilnehmenden kennen und bauten ein Vertrauensverhältnis auf. Dies ermöglichte es, in einem sicheren Umfeld über die Situation in Westpapua zu sprechen und persönliche Erfahrungen sichtbar zu machen. 


Konfliktfelder: Der Schutz und die Förderung der Menschenrechte in Indonesien sind nach wie vor eine große Herausforderung. Zivilgesellschaft, Menschenrechtsverteidiger*innen, Umweltschützer*innen und Journalist*innen sehen sich mit Problemen konfrontiert, die von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit bis hin zu außergerichtlichen Tötungen reichen. Im Jahr 2025 kam es in Indonesien zu Massenprotesten, die durch exklusive Privilegien für Parlamentarier*innen, Korruption und Sparmaßnahmen ausgelöst wurden. Einige dieser Proteste eskalierten in Gewalt und führten zu Todesfällen unter der Zivilbevölkerung. In Regionen, die reich an natürlichen Ressourcen sind, gibt es darüber hinaus häufige Berichte über Landraub, Umweltzerstörung, Verletzungen von indigenen Rechten und Gewalt durch Sicherheitskräfte.

Insbesondere in Papua, aber auch in anderen Regionen wie Kalimantan oder Maluku stehen Menschenrechtsverteidiger*innen großen Bedrohungen gegenüber. Papua ist geprägt von horizontalen und vertikalen Konflikten in der gesamten Region. Nach der umstrittenen Angliederung an Indonesien 1963 fordern viele Indigene Papuas bis heute politische Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Oft werden diese Forderungen mit Gewalt beantwortet, zudem erfahren indigene Papuas in der indonesischen Gesellschaft Ausgrenzung und Rassismus. Mit der politischen Elite in der Hauptstadt gibt es kaum Verbindungen. Jahrzehnte nach der Einführung der Sonderautonomie für West Papua ist die Bevölkerung noch immer mit struktureller Gewalt konfrontiert.

Papua ist außerdem ein beliebtes Ziel für internationale Investitionen und wirtschaftliche Großprojekte. Gerade im Zusammenhang mit der Etablierung einer Vielzahl von Palmölplantagen kommt es immer wieder zu Verstößen gegen kollektive Landrechte und dem Konsultationsrecht (Free, Prior and Informed Consent - FPIC). Papua gilt als eines der wichtigsten neuen Anbaugebiete der Palmölindustrie, nachdem die Flächen auf anderen indonesischen Inseln wie Sumatra oder Kalimantan bereits an ihre Grenzen gestoßen sind. Nicht nur Palmöl spielt eine wichtige Rolle: In Papua operiert mit der Grasberg-Mine auch die größte Gold- und Kupfermine der Welt. Viele Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen beklagen immer wieder die massiven Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen, die diese Mine verursacht.

Darüber hinaus sind Journalist*innen sowie Menschenrechts- und Umweltaktivist*innen immer wieder Einschüchterungen, Angriffen und willkürlichen Inhaftierungen ausgesetzt, da Meinungs- und Pressefreiheit nicht allumfassend garantiert sind. In vielen gesellschaftlichen Bereichen sind weitere demokratische Reformen erforderlich.


Projektstandorte

Jakarta
Papua
und andere Landesteile

Zielgruppen

Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen, lokale Menschenrechts- und Frauenrechtsorganisationen, junge Friedensaktivist*innen und ihre Gemeinschaften.

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

2

Stand

3. Quartal 2025