Projekt

Der Weg zum Frieden: Zivilgesellschaft stärken, Benachteiligten beistehen, Konfliktparteien einen

ZFD-Akteur

KURVE Wustrow - Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion

Projektland

Nepal

Projektlaufzeit

2017 bis 2020

Konfliktkontext: Nepal ist bis heute von einem zehnjährigen Bürgerkrieg gezeichnet. Zwar wurde der bewaffnete Konflikt 2006 offiziell beigelegt, doch seine Ursachen wurden nur unzureichend behoben und die Geschehnisse kaum aufgearbeitet. Das Erdbeben in 2015 hat das Land zudem in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Die Gesellschaft ist ethnisch, religiös und politisch tief gespalten. Armut und soziale Ungerechtigkeit bestimmen den Alltag großer Teile der Bevölkerung. Die soziale Stellung wird weitgehend durch Kaste, Geschlecht und Ethnie bestimmt. Der Rechtsstaat funktioniert nur unzulänglich, Korruption und Misswirtschaft sind verbreitet. Es überwiegt ein Klima der Straflosigkeit. In der Bevölkerung sind Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit verbreitet. Dieser Unmut äußert sich regelmäßig in Protesten und Streiks. Sporadisch kommt es zu Sprengstoffanschlägen, so etwa Ende Mai 2019 in der Hauptstadt Kathmandu. Seit dem Friedensabkommen von 2006 wurden wichtige Schritte in Richtung Frieden und Demokratie unternommen: 2008 wurde die Monarchie abgeschafft und die Demokratische Bundesrepublik Nepal ausgerufen. Ende 2015 wurde nach jahrelangem Ringen eine neue Verfassung verabschiedet. 2017 fanden die ersten lokalen Wahlen seit über 20 Jahren statt, Ende 2017 folgten die Parlaments- und Provinzwahlen. Doch all dies hat nicht dazu beigetragen, das Land zu stabilisieren und die Bevölkerung zu einen. Die neue Verfassung hat dazu geführt, dass latente, und besonders ethnische Konflikte wieder aufbrechen. Minderheiten sowie vom Bürgerkrieg besonders betroffene Gruppen sind in der Verfassung nicht ausreichend berücksichtigt. Auch die Föderalisierung des Landes und die damit einhergehende Grenzziehung zu neuen Bundesstaaten erregen den Zorn vieler Menschen. Die Auseinandersetzung mit der gewaltvollen Vergangenheit wurde von staatlicher Seite erst 2015 aufgenommen. Bis dahin war der Umgang durch Verdrängung geprägt, was die erforderliche juristische und psychosoziale Aufarbeitung erschwert hat. Sowohl Opfer, als auch Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV) wurden eher bedroht, als dass sie Unterstützung erfahren hätten. Auch gegenwärtig ist die Sicherheitslage von MRV kritisch und ihr Handlungsspielraum eingeschränkt. Sie sind dem Risiko ausgesetzt, bedroht, verleumdet und kriminalisiert zu werden.

Projekt: Die Spaltung der nepalesischen Gesellschaft reicht tief. Diskriminierung aufgrund von Kaste, Geschlecht, Alter und Status ist weit verbreitet. Soziale Ausgrenzung und Gewalt sind im Alltag keine Seltenheit. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene stellen diese Sozialstrukturen zunehmend in Frage. Allerdings finden sie in der nepalesischen Gesellschaft bislang zu wenig Gehör. Über das Projekt werden sie darin gestärkt, einen konstruktiven Dialog zwischen Konfliktparteien auf Gemeindeebene in Gang zu bringen. Dies gelingt etwa über Foren und runde Tische, in denen Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Interessengruppen eingebunden sind, aber auch über gemeinsame Aktivitäten (z. B. Gemeindefeste). Um in diesem Sinne als „Change Agents“ aktiv werden zu können, werden sie durch die ZFD-Partner COCAP, Nagarik Aawaz und AAP unter anderem in gewaltfreier Konfliktbearbeitung geschult. Beim zweiten Projektschwerpunkt geht es darum, auf die Einhaltung der Menschen- und Minderheitenrechte hinzuarbeiten. Ziel ist es, die Benachteiligungen für ethnische, religiöse und linguistische Minderheiten, für Madeshi, Dalits (Angehörige der untersten Kaste, sogenannte Unberührbare) und für Frauen zu beseitigen. Gemeinsam mit der Partnerorganisation SUPPORT Nepal werden beispielsweise Workshops mit lokalen Nichtregierungsorganisationen durchgeführt, damit sie ihre „Anwaltschaftsarbeit“ (advocacy) für die Rechte von Minderheiten und gesellschaftlichen Randgruppen effektiver gestalten können. Die Gruppen werden außerdem untereinander vernetzt und ermutigt, gemeinsame Kampagnen auf die Beine zu stellen, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Begleitet werden die Kampagnen durch lokale Radiostationen, die die Themen in verschiedenen lokalen Sprachen aufbereiten. Die Partnerorganisation Women for Human Rights setzt sich gezielt für die Rechte von alleinstehenden Frauen und von Frauen, die Opfer von (sexualisierter) Gewalt wurden, ein. Die Frauen erfahren psychosoziale Betreuung, juristische Beratung und werden im Rahmen der Existenzgründung unterstützt.

Projektpartner

Advocacy Forum (AF)
Asian Academy for Peace, Research and Development (AAP)
Bikalpa Gyan Tatha Bikas Kendra (Bikalpa)
Collective Campaign for Peace (COCAP)
Nagarik Aawaz (NA)
Support Nepal (SN)
Women for Human Rights (WHR)

Projektstandorte

Kathmandu
Landesweit

Zielgruppen

Opfer des Konflikts, einschließlich Kriegswitwen und alleinstehende Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden; Gemeindemitglieder sowie Angehörige von Minderheiten und Betroffene von aktuellen Menschenrechtsverletzungen; sozial schwache Jugendliche aus ländlichen Regionen; Organisationen der Zivilgesellschaft; lokale Autoritäten (wie bspw. religiöse Führungspersönlichkeiten); politische Entscheiderinnen und Entscheider sowie staatliche Institutionen (z. B. Local Peace Committees); Minderheitengruppen und indigene Gemeinschaften

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

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Weitere Informationen

In der Broschüre „Working for Peace in Nepal“ (2018, 236 S., englisch) werden die Partnerorganisationen und die Projektschwerpunkte anschaulich vorgestellt. Die Broschüre liegt in unserer Publikationsdatenbank zum Download bereit.

Stand

4. Quartal 2020