Wo droht Konfrontation?

Klima-Hotspots mit hohem Konfliktpotenzial

Nicht alle Länder sind gleichermaßen von den negativen Folgen der Erderwärmung betroffen. Arme und fragile Staaten werden darunter am meisten leiden. Dort, wo das Leben schon jetzt von Instabilität und Krisen geprägt ist, besteht auch die Gefahr, dass Spannungen zunehmen. Umso wichtiger ist es, diese Länder zu unterstützen. Das kann nur gelingen, wenn neben Klimaschutz und -anpassung auch Frieden und Entwicklung gefördert werden.

Nach Einschätzung des Institute for Economics and Peace leben über zwei Milliarden Menschen in Gebieten, die in hohem bis sehr hohem Maße von Klimagefahren bedroht sind. Mehr als eine Milliarde Menschen aus dieser Gruppe lebt zudem in Ländern, die durch ein geringes Maß an Friedlichkeit gekennzeichnet sind. So kann der Klimawandel dort, wo es ohnehin schon brennt, leicht zum Brandbeschleuniger werden.

Viele ZFD-Partnerländer sind besonders betroffen

Die Länder und Regionen, in denen der Zivile Friedensdienst arbeitet, sind per se durch Krisen und Konflikte geprägt. Viele davon werden von den Folgen des Klimawandels stark getroffen. Der ZFD und seine Partner leisten dort einen Beitrag dazu, dass bestehende und aufkommende Konflikte konstruktiv verhandelt werden. Mit der Methodenvielfalt Ziviler Konfliktbearbeitung werden Dialog und Kooperationsbereitschaft zwischen den Konfliktparteien gefördert. In einigen Projekten des ZFD sind die Auswirkungen des Klimawandels explizit Thema.

In den Ländern der Sahelzone beispielsweise ist die Auseinandersetzung um schwindende Ressourcen bereits in vollem Gange. Immer häufiger kommt es zu handfesten Konflikten zwischen sesshaften Bäuerinnen und Bauern und nomadisch lebenden Viehzüchterinnen und -züchtern. Mithilfe Ziviler Konfliktbearbeitung gelingt es, beide Parteien an einen Tisch zu bringen. Durch regelmäßigen Dialog werden Vereinbarungen gefunden, die alle akzeptieren: dazu gehören verbindliche Pläne für eine gerechtere Landnutzung und Regeln für den Zugang zu natürlichen Ressourcen. Mehr zum Projekt...

Klimakrise rückt zunehmend in den Fokus der Friedensarbeit

In vielen ZFD-Projekten, besonders dort, wo es um die Bearbeitung von Umwelt-, Land- und Ressourcenkonflikten geht, rückt die Klimakrise in den Fokus. So soll eine aktuell laufende Studie in Kenia klären, wie sich die Folgen des Klimawandels auf die Lebenssituation besonders verwundbarer Gruppen wie Frauen, Jugendliche und Kinder auswirken, und wie dies in die Friedensarbeit des ZFD und seiner Partner einbezogen werden kann. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit in Kenia ist schon jetzt die Bearbeitung von Ressourcenkonflikten. Diese werden durch den Klimawandel voraussichtlich weiter zunehmen. Mehr zum Projekt...

WESENTLICHE QUELLEN UND WEITERE INFORMATIONEN

zur Bestimmung von Risikogebieten finden Sie in den unten aufgeführten Quellen:


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Die Weltkarte im Header Globale Hotspots der Sicherheitsrisiken des Klimawandelswurde dem Friedensgutachten 2020 (S. 31) entnommen. Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Frieden in der Welt wird der Fokus der aktuellen Ausgabe auf Friedenspolitik in Zeiten des Klimawandels gerichtet. Das Gutachten wird jährlich von den vier deutschen Forschungsinstituten Bonn International Center for Conversion (BICC), Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) veröffentlicht. Die 2020er-Ausgabe ist Ende 2019 im [transcript] Verlag erschienen und steht zum kostenlosen Download bereit. Die Vorlage der Grafik stammt ursprünglich aus: Jürgen Scheffran & Antonella Battaglini (2011): Climate and Conflicts: The Security Risks of Global Warming, in: Regional Environmental Change 11, Suppl. 1, 27–39.


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Die Einschätzung des Institute for Economics and Peace (IEP) zur Anzahl besonders von Klimawandel und Konflikt betroffener Menschen basiert auf der aktuellen Berechnung des Global Peace Index (GPI) 2020, insbesondere dem Ecological Threat Register (ETR) in Kapitel 5. Das Forschungsinstitut IEP bewertet mit dem GPI einmal jährlich die Friedlichkeit der Länder dieser Erde. Beim vergleichsweise neuen ETR-Konzept berücksichtigt das IEP ökologische Risiken, ökonomische Bewältigungskapazitäten und den Grad an Positivem Frieden im jeweiligen Land. Dazu gibt es inzwischen auch den eigenständigen Bericht ETR 2020 und eine Webseite mit interaktiver Weltkarte.

Exkurs: Woher wissen wir, welche Regionen und Länder der Klimawandel besonders stark trifft?


Die Auswirkungen des Klimawandels werden überall auf der Welt zu spüren sein. Bestimmte Regionen sind aber besonders bedroht, allen voran die Trockengebiete und Küstenregionen der Erde. Die Frage nach (möglichen) Hotspots lässt sich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit beantworten – auch wenn sich nicht im Detail vorhersagen lässt, welche Auswirkungen die Erderwärmung wann, wie, wo haben wird. Seriöse Vorhersagen sind wissenschaftlich fundiert. Es gibt eine Reihe von Forschungsinstituten, die jährlich eine Einschätzung vornehmen, also Länder und Regionen danach bewerten, wie stark sie vermutlich von den Klimawandelfolgen getroffen werden, wie gut sie darauf vorbereitet sind und wie hoch das vorhandene Konfliktpotenzial ist. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus – je nachdem welche Kriterien herangezogen werden. Dennoch lassen sich Tendenzen beobachten und wichtige Erkenntnisse zum Handlungsbedarf gewinnen. Im Folgenden werden die wichtigsten Forschungsansätze anhand ihrer Indizes kurz vorgestellt.

WeltRisikoIndex

Der WeltRisikoIndex (WRI) gibt das Katastrophenrisiko durch extreme Naturereignisse für 181 Länder an. Dabei berücksichtigt der WRI nicht nur, wie häufig die Länder von Naturkatastrophen heimgesucht werden (Exposition), sondern auch, wie gut sie darauf vorbereitet sind (Vulnerabilität mit den Kategorien Anfälligkeit, Bewältigung und Anpassung). Der WRI wird seit 2011 jährlich im WeltRisikoBericht vom Bündnis Entwicklung Hilft veröffentlicht. Derzeit fließen 27 Indikatoren in die Bestimmung des WRI ein. Seit 2018 wird der Index vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum berechnet.

Klima-Risiko-Index

Der Globale Klima-Risiko-Index (KRI) von Germanwatch zeigt, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen und Hitzewellen betroffen sind. Berücksichtigt werden die menschlichen und ökonomischen Verluste – unter Einbezug weiterer demografischer und wirtschaftlicher Daten. Somit erlaubt die Auswertung keine Aussage darüber, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Wetterextreme hatte, ermöglicht aber doch eine Einschätzung über die Verwundbarkeit der einzelnen Länder. Im KRI 2021 sind die Extremwetterereignisse des Jahres 2019 und für den Zeitraum 1999 bis 2019 in 180 Ländern erfasst.

ND-GAIN-Länderindex

Der ND-GAIN Countryindex nutzt Daten aus 20 Jahren und 45 Indikatoren, um jährlich 181 Länder nach ihrem Grad der Verwundbarkeit und ihren Möglichkeiten zur erfolgreichen Anpassung an den Klimawandel und andere globale Herausforderungen zu bewerten. In die Analyse werden Risiken mit einbezogen, die durch den Klimawandel verschärft werden, wie zum Beispiel Überbevölkerung, Ernährungsunsicherheit, unzureichende Infrastruktur und Konflikte. Der Index wird von der Notre Dame Global Adaptation Initiative (ND-GAIN) an der University of Notre Dame herausgegeben.

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Fotos & Abbildungen: Header: Foto: Jörg Boethling/visualindia.de; Karte: BICC, HSFK, IFSH & INEF (2020): „Globale Hotspots der Sicherheitsrisiken des Klimawandels“, S. 31 im „Friedensgutachten 2020“. Quellen-Teaser: Karte aus „Friedensgutachten 2020“, S. 31; Karte aus „Global Peace Index (GPI) 2020“, S. 8f, vom Institute for Economics and Peace (IEP). Fokus-Teaser: Karte „WeltRisikoIndex“ – Bündnis Entwicklung Hilft & Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum; Karte „Klima-Risiko-Index“ – Germanwatch e.V.; Karte „ND-GAIN Countryindex“ – Notre Dame Global Adaptation Initiative (ND-GAIN) an der University of Notre Dame (USA).