Geschichte

Zu Thema, Geschichte und Zukunft des ZFD ein Auszug aus einem längeren Text von Tilman Evers:

Worum geht es dem ZFD?

Auch wenn der ZFD den Frieden fördern will, geht es ihm deshalb nicht darum, Konflikte zu vermeiden: Sie gehören zum menschlichen Zusammenleben dazu, sie sind sogar Motor von Veränderungen. Nicht der Konflikt ist also das Problem, sondern der von Gewalt gezeichnete Umgang damit. Dabei ist Gewalt das denkbar untauglichste Mittel, um einen Interessengegensatz zu lösen; er wird dadurch nur weiter verhärtet. Anstelle kreativer Auswege, die für alle Streitparteien einen Gewinn bedeuten können, schädigt die destruktive Austragungsform beide Seiten. Es kann Generationen dauern, ehe die menschlichen und materiellen Verluste überwunden sind und ein nächster Anlauf für einen konstruktiven Umgang mit dem Konfl ikt möglich wird.  

Den unterbrochenen Dialog wieder aufzunehmen, gelingt manchmal besser, wenn eine außenstehende Person dabei hilft. Es genügt nicht, wenn dies nur auf staatlicher Ebene im Kreis der Machteliten geschieht. Um nachhaltig zu wirken, muss die Bereitschaft zum Miteinander auch im Kleinen, zwischen den verfeindeten Menschen und Bevölkerungsgruppen wachsen. Und umgekehrt: Die politischen Führungen bewegen sich nicht, wenn sie nicht von friedenswilligen gesellschaftlichen Kräften dazu gedrängt werden.

Hier sieht der ZFD seine Aufgabe. Dabei zeigt die Erfahrung aus vielen Projekten: Die äußeren Verhärtungen verbergen oft eine große innere Sehnsucht nach Lösungen. Indem der ZFD diese Bereitschaften anspricht und ihnen Raum unter neutralem Dach schafft, können auch kleine Anfänge rasch und weit ausstrahlen. 

Wie entstand der ZFD?

Den Nährboden für die Entstehung des ZFD bilden die vielfältigen Friedensbewegungen in Deutschland mit ihrem pazifi stischen, religiösen oder politischen Herkommen. Den unmittelbaren Anstoß aber gaben die Kriege im zerfallenden Jugoslawien: Wie sollte diesem Gemetzel mitten in Europa Einhalt geboten werden, wenn man nicht auf Militär setzen wollte? Welche friedenspolitischen Instrumente gab es, damit sich Ähnliches nicht anderswo wiederholte? Erste gedankliche Anstöße kamen ab 1993 aus der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg. Der Bund für Soziale Verteidigung (BSV) griff diese auf und etablierte 1994 ein Gesprächsforum, in dessen Rahmen sich in den folgenden Jahren das Konzept eines »zivilen Friedensdienstes« in pluraler Trägerschaft  entwickelte, der professionell geschulte Konfl iktberater entsenden sollte.  

Politische Relevanz gewann dies nach dem Abkommen von Dayton 1995, das den Krieg in Bosnien-Herzegowina und Kroatien beendete. Ein Gesprächskreis unter dem Namen »Forum Ziviler Friedensdienst« traf sich mit Spitzenvertretern der Bundestagsfraktionen und beider Großkonfessionen. Ab 1996 trug das Forum Ziviler Friedensdienst – nun in der Form eines partei- und konfessionsübergreifenden Vereins – die politische Werbung in die Öffentlichkeit. 1997 unterzeichneten namhafte Persönlichkeiten aus allen Bundestagsfraktionen und vielen gesellschaftlichen Bereichen eine »Berliner Erklärung für einen Zivilen Friedensdienst«. Indes: Die damalige Regierung Kohl verweigerte sich dem Begehren. Wie zum Trotz stieg daraufhin das Land Nordrhein-Westfalen unter seinem Ministerpräsidenten Johannes Rau in die öffentliche Förderung ein und finanzierte die ersten Viermonats-Kurse für angehende »Friedensfachkräfte«.

Das Blatt wendete sich mit dem Regierungswechsel von 1998 als die neue Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul der Gründung eines Zivilen Friedensdienstes höchste Priorität einräumte. Tatsächlich gelang die Umsetzung in weniger als einem Jahr, dank der politisch-konzeptionellen Vorarbeiten der Friedensgruppen, die mit den Erfahrungen und Ressourcen der Entwicklungsdienste zusammenflossen.  

Zehn Jahre Praxis

Gegenüber dieser Vorgeschichte mit ihren markanten Wachstumsschritten stellen sich die seither vergangenen Jahre eher als ein Kontinuum dar. Der entscheidende Einschnitt ist der Beginn der Projektarbeit selbst. Seither haben die acht Träger Konzepte weiterentwickelt und Strukturen geschaffen, die für eine erfolgreiche Arbeit nötig sind. Umfang und Anspruch, Professionalität und Erfahrung, Personal und Ressourcen – sie alle wuchsen über die Jahre. 

Mit welchem Erfolg dies geschah, soll eine im Jubiläumsjahr 2009 begonnene Wirkungsanalyse zeigen. Sie wurde vom Entwicklungsministerium in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse werden Mitte 2010 vorliegen und dienen dem Rückblick und dem Ausblick  gleichermaßen: Was sollte verändert, was beibehalten und was verstärkt werden? Die Ergebnisse sind somit auch Teil der Staffelübergabe an die neue Bundesregierung, die aus den Wahlen vom September 2009 hervorgegangen ist.  

Zu wünschen wäre, dass die gute Entwicklung des ZFD sich fortsetzt. Die Evaluierung wird es erweisen: Der Zivile Friedensdienst wirkt; sprechende Beispiele dafür fi nden sich im vorliegenden Band. Das zivilgesellschaftliche Engagement für den Frieden hat sich bewährt und sollte weiter ausgebaut werden.

 

Vollständiger Artikel:

Tilman Evers, Gesichter des Zivilen Friedensdienstes
Einleitung zum Buch "Gewaltfrei für den Frieden". Menschen und Projekte - Eine Reise um den Globus"
Hg.: Konsortium Ziviler Friedensdienst
Frankfurt am Main 2009