„Es berührt mich, wenn mir Menschen

nach dem Training erzählen, dass sich ihr Leben verändert hat.“

Wolfram Metzig-Eisner arbeitet als ZFD-Fachkraft in Kamerun. Der Berliner gibt Trainings, macht Radio und unterstützt das PCC-Friedensbüro. Wir haben ihn gefragt, was ihn motiviert und welche Herausforderungen er meistert.

Was motiviert Sie, sich als ZFD-Fachkraft zu engagieren?

Ich bin davon überzeugt, dass das Wissen um die zivile Konfliktbearbeitung und die Vermittlung dieses Wissens in der Gesellschaft zu einem gewaltfreieren Umgang mit Konflikten führen. Ich schöpfe viel Motivation daraus, Menschen zu sehen, die das auch glauben und mit allen Mitteln versuchen, ihr Fachwissen an andere zu vermitteln.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die Sie bei ihrer täglichen Arbeit brauchen?

Um es auf den Punkt zu bringen: Geduld, Ruhe, Beharrlichkeit, Respekt.

Was hat Ihre Arbeit bereits bewirkt?

Es gibt viele Menschen, die unsere Trainings in ziviler Konfliktbearbeitung positiv beeinflusst haben und die sich heute für Frieden und Gewaltfreiheit einsetzen. Es sind jetzt mehr Menschen damit vertraut, Konflikte, Gewalt, Gewaltfreiheit und Kommunikation auf professionelle Art anzugehen. Die individuellen Kompetenzen im Umgang mit Konflikten und Gewalt haben sich also verbessert. Insgesamt hat sich das Gewaltpotenzial im Land allerdings eher vergrößert.

Was sind die größten Herausforderungen und wie gehen Sie damit um?

Die Konfliktsituation in der Region ist zunehmend problematisch für die Arbeit. Wir können für geplante Aktivitäten nicht immer die Sicherheit gewährleisten. Die Unsicherheiten, die ein bewaffneter Konflikt mit sich bringt, machen die Planung teilweise unmöglich. Wir müssen auch immer sehr genau überlegen, welche Risiken Trainingsinhalte bzw. Reizworte wie beispielsweise „gewaltfreie Aktion“ oder „Friedensförderung“ beinhalten. Sie werden in der Rhetorik der Regierungsvertreter und von den gewaltbereiten Konfliktakteuren gebraucht und missbraucht.

Das Land leidet sehr unter einer Gewaltmentalität, die vom Staat vorgelebt wird, und die sich in Schulen und Familien und als Mittel des Widerstands immer mehr etabliert. Uns fehlen die Zeit (und die Mittel), um in der breiten Gesellschaft Verhaltensänderungen herbei zu führen. Einzelne Trainings haben nur sehr begrenzte Effekte. Oft ist der "Training of Trainers"-Ansatz am vielversprechendsten: von ehemaligen Teilnehmenden wurden bereits Dutzende eigene Trainings organisiert. Wir erleben zudem einen ständigen Kampf um das Budget. Auch wenn Mittel für die Projektarbeit genehmigt sind, kommen sie vielfach zu spät an. Manche Hierarchien im Kirchensystem machen Wege lang und aufwändig.

Welches Erlebnis hat Sie besonders berührt?

Es berührt mich, wenn mir Menschen nach dem Training erzählen, dass sich ihr Leben verändert hat. Es berührt mich, wenn hier Menschen aus Überzeugung teilweise monatelang ohne Gehalt arbeiten. Es berührt mich auch, wenn sie den Mut haben, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten offen anzusprechen und damit sogar Gefängnisstrafen riskieren.

Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens auf und alle Konflikte sind plötzlich beigelegt. Woran würden Sie das als Erstes erkennen?

Wenn die gewalttätigen Konflikte alle plötzlich beigelegt wären, wäre morgens der Wecker die schönste Melodie. Plötzlich würde ich die Vögel und die Insekten wieder hören, der Himmel wäre blauer, die Gesichter der Menschen weicher. Der Schatten der Gewalt, der am Tag zuvor noch deutlich zu spüren war, wäre verschwunden. Die Hoffnung hätte sich dort niedergelassen, wo vorher die Militärfahrzeuge und Soldaten waren.


*Wolfram Metzig-Eisner, 42, unterstützt die ZFD-Partnerorganisation Presbyterian Church in Cameroon (PCC) seit November 2015. Der Berliner führt Trainings in ziviler Konfliktbearbeitung durch, begleitet Radiosendungen, organisiert Veranstaltungen und unterstützt das PCC-Friedensbüro in Buea.

 

Foto: Cameroon Community Media Network (CCMN)