Agenten der Konfliktbearbeitung

Journalisten

Ed Karlon Navarro Rama ist Journalist, Trainer und Geschäftsführer der ZFD-Partnerorganisation PECOJON. Im Interview spricht er über seine Motivation, die Macht konfliktsensibler Berichterstattung und den Beitrag des ZFD zur Friedensförderung auf Mindanao.

Was motiviert Sie, sich auf den Philippinen für Frieden und Gewaltprävention stark zu machen?

Mich motiviert die einfache und ehrliche Überzeugung, dass nur informierte Bürgerinnen und Bürger eine aufgeklärte Gesellschaft bilden, die den Frieden dem Krieg vorzieht, die Verstehen über Konflikt stellt und Gerechtigkeit über Ungleichheit. Eine Gesellschaft, die eine Umgebung schafft, in der jeder sicher ist und in der sich alle entfalten können.

Wer wie ich auf den Philippinen aufgewachsen ist – insbesondere auf Mindanao, wo der mütterliche Zweig meiner Familie herkommt,– wird von Kindesbeinen an nicht nur Zeuge brutalster Gewalt. Ich bin mit den heimtückischen Auswirkungen der Konflikte hier groß geworden: mit generalisiertem Hass, mit der Spaltung von Familien und Gemeinden und in einer Kultur, die Gewalt für legitim hält. Die Spaltung der Gesellschaft habe ich am eigenen Leib in meiner Familie erfahren. Der Bruder meiner Mutter kämpfte in den 70ern für die philippinische Armee, während sein Schwager Kämpfer für die New People’s Army, den bewaffneten Zweig der Kommunistischen Partei, rekrutierte. Meine Mutter war unter der Marcos-Diktatur als Lehrerin im Staatsdienst, während mein Vater, der aus der Arbeiterklasse stammte, als Anwalt für die Gewerkschaft arbeitete.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit bei PECOJON?

Ich engagiere mich für Gewaltprävention und Friedensförderung, indem ich konfliktsensiblen Journalismus fördere. Dabei geht es darum, handfeste, praktikable Methoden zu vermitteln, die zugleich eine professionelle Qualität garantieren. Ich leite Trainings für Journalistinnen und Journalisten und auch für Studierende und Dozenten aus dem Bereich Journalismus. Ich arbeite auch mit lokalen Medienhäusern zusammen, die sonst kaum Zugang zu formaler journalistischer Ausbildung haben.

Was kann konfliktsensibler Journalismus in Friedensprozessen leisten?

Wir schöpfen Kraft aus unserer Überzeugung, dass Journalistinnen und Journalisten Agenten der Konfliktbearbeitung sind, ob sie sich nun bewusst für Frieden und Gewaltfreiheit einsetzen oder nicht. Vorausgesetzt ist natürlich, dass sie ihrer Aufgabe gerecht werden, die Bevölkerung mit Informationen zu versorgen – und dabei ein ausgereiftes Verständnis von Sorgfalt, Objektivität und Fairness an den Tag legen. Die Rolle des Journalismus ist, aufzuklären und Kommunikation zu erleichtern – und ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zu fördern.

Journalisten und Journalistinnen, die in konfliktsensiblem Journalismus ausgebildet sind, können diesen aufklärerischen und balancierenden Teil ihrer Arbeit sehr viel besser ausfüllen. Sie sind in der Lage, die Kommunikation zwischen Konfliktparteien anzukurbeln. Sie können dabei helfen, gegenseitiges Verständnis aufzubringen und verzerrte Einschätzungen zu relativieren. Sie können allen Beteiligten zu der Erkenntnis verhelfen, dass sie eigentlich die gleichen Ziele verfolgen, und dass es durchaus gemeinsame Wege gibt. Sie geben allen Seiten außerdem die Chance, ihr Gesicht zu wahren.

Wie sind Sie mit dem ZFD in Berührung gekommen?

PECOJON und der ZFD sind Partner bei der Förderung des konfliktsensiblen Journalismus auf Mindanao. Gemeinsam haben wir die Ausbildung von Lehrkräften vorangebracht und dazu ein Trainingsmanual entwickelt. PECOJON und den ZFD verbindet die Vision von einem gewaltfreien Mindanao. In unserer Arbeit unterstützen wir uns gegenseitig. PECOJON hat beispielsweise das Kommunikationstraining im Rahmen der ZFD-KuMuNet-Initiative von 2014 begleitet.

Hat sich die Situation durch die Kooperation mit dem ZFD verändert?

Ja, es gibt deutliche Verbesserungen. Vor dem Engagement des ZFD gab es in den gängigen Lokalmedien keinen Raum, um über die Friedensagenda ausführlich und umfassend zu diskutieren. Durch die KuMuNet-Initiative, die vom ZFD unterstützt wird, hat die Zuhörerschaft im Sendegebiet jetzt Zugang zu ausgewogenen, gut recherchierten Informationen, die in ihrer Sprache verfasst und durch lokale Kommunikationsexpertinnen und -experten erläutert werden.


Ed Karlon Navarro Rama ist Journalist, Trainer für konfliktsensiblen Journalismus und Geschäftsführer der ZFD-Partnerorganisation PECOJON – The Peace and Conflict Journalism Network. Der 41-Jährige wurde in Cebu City in der zentralphilippinischen Region Central Visayas geboren.

Foto: Ed Karlon Rama / PECOJON