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Uganda: Wie Wissen über Landrechte Frauen stärkt

In Uganda spielen Frauen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft, stehen jedoch vor großen Hürden, wenn es darum geht, Land zu besitzen und zu kontrollieren. Trotz eines rechtlichen Rahmens, der die Rechte von Frauen schützen soll, bevorzugt das Gewohnheitsrecht nach wie vor Männer als primäre Landbesitzer und Entscheidungsträger. 

Gloria Lanyero, eine Frau aus dem Dorf Laliya Oguru im Distrikt Gulu im Norden Ugandas, beschreibt, wie belastend diese Situation für sie war. „Ich war 14 Jahre lang mit meinem Mann verheiratet, ohne irgendeine Vorstellung von meinen Eigentumsrechten als Frau zu haben. Mein Mann bezeichnete alles als sein Land, sein Haus, sein Bett, seine Kinder. Ich dachte, es sei normal, dass Frauen nichts besitzen. Und aus kultureller Sicht war es genauso.“

Tief verankerte soziale und kulturelle Normen verwehren Frauen ihre in der ugandischen Verfassung von 1995 garantierten Rechte, Land zu kontrollieren, zu besitzen und für sich selbst zu nutzen. In ländlichen Gemeinden im ganzen Land herrscht weiterhin die Überzeugung vor, dass Frauen nur über männliche Familienmitglieder Zugang zu Land haben sollten. Erst nachdem Gloria an einer Schulung über Landrechte teilgenommen hatte, öffneten sich ihr die Augen. „In zwei Tagen haben wir unglaublich viel über Menschenrechte, Eigentumsrechte und Erbrecht gelernt. Diese Erfahrung war wirklich stärkend“, erinnert sich Gloria. Die Schulung wurde von LANDnet Uganda umgesetzt, einem Partner des ZFD-Trägers GIZ, der in Forschung, Interessenvertretung und Kapazitätsentwicklung tätig ist. Die Förderung von Landrechten für Frauen und marginalisierte Gruppen gehört zu den Prioritäten der Organisation.

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Ein Wendepunkt im Leben

Diese erste Schulungserfahrung – ergänzt durch weitere Kurse zu Landrechten von Frauen, Landnutzungssystemen und Streitbeilegung – wurde zu einem Wendepunkt in Glorias Leben. „Die Schulung machte mir bewusst, dass ich meine Situation mit meinem neuen Wissen über rechtliche Instrumente, die Frauen helfen, ihre Rechte zu erhalten, zum Besseren verändern kann. Mir wurde klar, dass ich nicht das Eigentum von jemand anderem bin, sondern dass ich selbst Eigentum besitzen und produktiv nutzen sollte, um wirtschaftlich unabhängig zu werden.“

Zuhause teilte Gloria ihr Wissen mit ihrem Mann und seiner Familie. Dank ihrer Beharrlichkeit und mit Unterstützung ihres Schwagers gelang es ihr, ihren Mann davon zu überzeugen, ihr ein Stück seines Landes zu überlassen. Zu ihrer Überraschung stimmte er später sogar zu, das Land auf beide Namen registrieren zu lassen. „Das war der Beginn eines neuen Kapitels in meinem Leben. Ich begann, mein Stück Land zu bewirtschaften, Obstbäume zu pflanzen und Tiere zu halten“, berichtet Gloria. „Schritt für Schritt verwandelte ich mein Grundstück in ein produktives Land mit Bananen, Avocados, Mangos, Kakao, Orangen, Guaven und Äpfeln.“

Gestärkt durch ihren Erfolg wurde Gloria Mitgründerin einer registrierten Vereinigung namens Land Rights Champions Association, die in ihrer Region tätig ist. Die Vereinigung engagiert sich für die Sensibilisierung zu Landrechten und vermittelt in Landstreitigkeiten.

Die positiven Veränderungen haben Glorias Ehrgeiz geweckt. Sie möchte die Lebensqualität für sich und ihre Kinder verbessern, indem sie die Tierhaltung erweitert und dadurch ein tägliches Einkommen erzielt. Sie plant, Kaffee und andere Feldfrüchte anzubauen und in nachhaltige Landwirtschaft zu investieren. Ihre Vision geht noch weiter: „Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen und andere Frauen auf meiner Farm beschäftigen.“

Gloria ist überzeugt, dass ihre Geschichte wichtig ist, weil vielerorts Frauen weiterhin in kulturellen Praktiken gefangen bleiben, die ihre soziale und wirtschaftliche Entwicklung behindern. „Wenn Frauen befähigt würden, ihre Rechte einzufordern, könnten auch sie ihr Leben, ihre Familien und ihre Gemeinschaften verändern – so wie ich es getan habe.“


Text: LANDnet und Karin Felzmann, ZFD Uganda
Diesen Text haben wir leicht angepasst aus dem  ZFDinfo Newsletter der GIZ, Ausgabe Nr. 23 (2026) übernommen. 
Das Foto oben zeigt ein typisches ländliches Haus in Uganda (Foto: Alvinategyeka/Wikimedia Commons).
Das Foto in der Textmitte zeigt Gloria Lanyero (Foto: GIZ).
Mehr über die Arbeit des ZFD in Uganda erfahren Sie auch in unserer Projektdatenbank.