Kein Frieden ohne Menschenrechte

Nur wenige Texte wurden so oft übersetzt wie die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Beim UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte kann das Dokument in mehr als 500 Sprachen heruntergeladen werden. Und doch kommt es täglich zu Menschenrechtsverletzungen. De Facto werden überall auf der Welt Menschen benachteiligt, ausgeschlossen oder gar verfolgt – aufgrund ihres Geschlechts, ihrer ethnischen oder sozialen Herkunft, ihrer Religionszugehörigkeit, ihrer sexuellen Identität oder anderer Merkmale.

Tag der Menschenrechte 2020: „Recover Better – Stand Up for Human Rights“

Der heutige Tag gilt international als „Tag der Menschenrechte“. Er erinnert an die Verabschiedung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Und er erinnert daran, dass die Menschenrechte jedem Menschen allein aufgrund seines Menschseins gleichermaßen zustehen; sie sind universell, unveräußerlich und unteilbar. Zahlreiche Aktionen rund um den Tag der Menschenrechte machen darauf aufmerksam, dass es auch gegenwärtig vielerorts zu schwerwiegenden, teils systematischen Menschenrechtsverstößen kommt.

Das diesjährige Motto „Recover Better – Stand Up for Human Rights“ steht wie so vieles in 2020 im Zeichen von Corona. Zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie wurden die Grund- und Menschenrechte überall auf der Welt eingeschränkt, zum Teil erheblich. Der Tag der Menschenrechte 2020 ist daher auch eine Erinnerung daran, dass jede Einschränkung wohlüberlegt, verhältnismäßig und vorübergehend sein muss.

ZFD + Partner: Gemeinsam für Frieden + Menschenrechte

In den letzten Wochen haben wir gezeigt, dass viele Partnerorganisationen des Zivilen Friedensdienstes auch in Zeiten der Corona-Krise eine wichtige Rolle als Wächterinnen und Verfechterinnen der Menschenrechte einnehmen.

  • In Simbabwe beispielsweise dokumentieren die beiden Partner ZimRights und ZHRF kontinuierlich Menschenrechtsverletzungen, machen sie öffentlich und fordern Staat und Gesellschaft zum Handeln auf. Erst kürzlich hat ZHRF eine umfassende Analyse der Menschenrechtslage in den ersten 180 Tage des nationalen Lockdowns vorgelegt („180 Days of What?“).
  • In Mexiko steht die Partnerorganisation ALUNA Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern (MRV) mit Beratung und Lobby-Arbeit bei. „Wenn sich die mediale Aufmerksamkeit und die Maßnahmen des Staates primär auf die Pandemie richten, dürfen wir erst recht nicht darauf verzichten, auf Menschenrechtsverletzungen sowie auf Aggressionen gegen MRV und Journalistinnen und Journalisten aufmerksam zu machen“, fordert ALUNA-Leiterin Clemencia Correa.
  • In Nepal macht die Partnerorganisation COCAP Menschenrechtsverstöße publik. Dabei informiert sie die Bevölkerung über ihre Rechte und erinnert die Sicherheitskräfte zugleich an ihre Verantwortung. Über den Nepalmonitor.org werden registrierte Nutzerinnen und Nutzer außerdem in Echtzeit per E-Mail und SMS über die aktuelle Sicherheitslage informiert.

Kein Frieden ohne Menschenrechte

Frieden und Menschenrechte sind eng miteinander verbunden. Menschenrechtsverletzungen können sowohl Folge, als auch Ursache von gewaltsamen Konflikten sein. Überall dort, wo gesellschaftliche oder staatliche Strukturen die Ausgrenzung bestimmter Gruppen von der Teilhabe am politischen, sozialen und ökonomischen Leben bedingen, bildet sich ein Nährboden für Konflikte.

Folglich ist die Gewährleistung der Menschenrechte zur Vorbeugung, Beilegung und Nachsorge gewaltsamer Konflikte ebenso relevant, wie die Wandlung der gewaltsamen Konfliktaustragung hin zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung. In Krisenzeiten ist es besonders wichtig, Menschen in verletzlichen Lebenslagen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Corona-Pandemie führt dazu, bestehende soziale Ungleichheiten zu verschärfen.

Gemeinsam mit seinen lokalen Partnern setzt sich der ZFD dafür ein, dass die Menschenrechte gewahrt werden – in Zeiten von COVID-19 und darüber hinaus.


Mehr über die Bedeutung der Menschenrechte im Zivilen Friedensdienst erfahren Sie zum Beispiel im Factsheet „Der ZFD an der Schnittstelle von Menschenrechten und Konflikttransformation“ des ZFD-Trägers GIZ, verfügbar in unserer Publikationsdatenbank.

Foto: Renate Hofmann/AGIAMONDO