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Guinea-Bissau: Demokratie leben trotz politischer Instabilität

Guinea-Bissau ist eines der ärmsten Länder der Welt und geprägt von Instabilität. Immer wieder kommt es zu Staatsstreichen, Militärputschen, bewaffneten Aufständen und politisch motivierten Morden. Die Partnerorganisation des ZFD-Trägers Weltfriedensdienst stärkt deshalb mit dem Bildungsformat „Fanadu“ das demokratische Bewusstsein junger Menschen. 

Der Fanadu richtet sich an Erstwähler*innen in Guinea-Bissau. Das Projekt schafft geschützte Räume, in denen Jugendliche lernen, was Demokratie bedeutet und wie sie selbst aktiv werden können. Sie lernen, wie sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und Konflikte gewaltfrei lösen können.

Beim Fanadu beschäftigen sich rund 250 Jugendliche zwölf Wochen lang an elf Orten mit politischer Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, gewaltfreier Konfliktbearbeitung und Bürger*innenrechten. Sie besuchen das Parlament, verschiedene Behörden oder auch Radiosender und diskutieren dort über gegenwärtige Machtverhältnisse und über die Frage „Wie kann ich mein Land mitgestalten?“ Über 50 Absolvent*innen wurden 2023 als Wahlbeobachter*innen zugelassen, viele sind heute in Friedenskomitees aktiv oder bilden selbst neue Teilnehmende aus.

„Als sie uns fragten, wer die Lage in Guinea-Bissau verbessern kann, habe ich gesagt: ich!“, erinnert sich die Teilnehmerin Josefa Sabina Fernandes da Silva. „Früher habe ich immer gewartet, dass jemand anderes etwas tut. Jetzt weiß ich: Ich kann selbst Teil der Lösung sein.“ Diese Erkenntnis prägt Josefas Alltag. Sie spricht heute ruhiger, vermittelt in Konflikten und achtet auf ihre Ausdrucksweise – denn als Vorbild kann sie nur wirken, wenn sie selbst das lebt, was sie anderen weitergibt. Der Fanadu hat bei ihr einen Wandel angestoßen: weg von Wut, Resignation und Passivität hin zu Versöhnung, Wissen und Engagement. „Es war, als hätte jemand einen schweren Stein von mir genommen“, sagt sie.

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Durch ihre Verbindung zum Friedensforum der ZFD-Partnerorganisation, die das Bildungsformat organisiert, wurde Josefa Teil eines Netzwerks, das weit über das lokale Jugendprojekt hinauswirkt. Sie sprach mit traditionellen Autoritäten, erfuhr mehr über die Geschichte ihrer Ethnie, der Pepel, und lernte demokratische Entscheidungsprozesse kennen. Auch ihr Zugang zu politischer Bildung veränderte sich: „Früher ging ich nur zu Wahlveranstaltungen, um Livemusik zu hören oder etwas zu essen zu bekommen – heute informiere ich mich über Programme, denke nach und wähle bewusst.“

Eine weitere neue Erfahrung: das Theater. Obwohl sich Josefa früher nie traute, vor Menschen aufzutreten, ist sie heute Teil einer Theatergruppe, die soziale Themen aufgreift und mit der Gemeinde diskutiert. „Wir stellen die Probleme auf die Bühne, damit die Menschen sich selbst darin erkennen und mit uns gemeinsam nach Lösungen suchen.“

Viele Jugendliche aus der Fanadu-Gruppe engagieren sich jetzt auch auf Gemeindetreffen, in Wahlkommissionen oder bei der Organisation weiterer Jugendprojekte. Ihre Erfahrung zeigt, wie nachhaltig ein gut gestaltetes Bildungsprogramm wirken kann – gerade in einem Umfeld, in dem Jugendlichen oft Perspektiven fehlen.

Die Nachfrage nach Plätzen im Fanadu wächst stetig. „Immer wieder werde ich gefragt, wann es weitergeht, ob man sich noch anmelden kann“, erzählt Josefa. Was wie ein einfaches Jugendprojekt begann, bringt eine ganze Generation in Bewegung. Der Fanadu zeigt, wie viel junge Menschen bewirken können, wenn man ihnen zuhört, sie stärkt und ernst nimmt.


Diesen Beitrag haben wir leicht gekürzt und angepasst aus dem Friedensmagazin des Weltfriedensdiensts zusammen:wirken 2025 entnommen (S. 4-5). 

Das Foto oben zeigt junge Menschen, die am partizipativen Jugendprojekt teilgenommen haben. Foto: Jasmina Barckhausen
Das Foto in der Textmitte zeigt die Jugendaktivistin Josefa Sabina Fernandes da Silva mit einer Schüssel in den Händen. Die Geste symbolisiert nicht nur das Weiterreichen von Nahrung, sondern sie schafft auch Gemeinschaft und eröffnet einen Dialog. Foto: José Luis Aguilar

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Seite des Weltfriedensdienstes und in unserer Projektdatenbank