Corona-Pandemie: Mit Streetwork & -Art COVID-19 stoppen

Der Jugendverband PJDD setzt sich im westafrikanischen Guinea für eine gewaltfreie Entwicklung zu mehr Demokratie ein. Angesichts der COVID-19-Bedrohung leisten die PJDD-Mitglieder nun auch gesundheitliche Aufklärung. Denn die Pandemie birgt die Gefahr, die ohnehin angespannte Konfliktlage zu verschärfen. Der ZFD arbeitet mit der PJDD zusammen und ergänzt die Aufklärungsarbeit durch Street Art.

Eigentlich hat die ZFD-Partnerorganisation PJDD alle Hände voll zu tun. Die Lage in Guinea ist angespannt. Ende März fanden Parlamentswahlen statt. Zugleich wurde über ein Verfassungsreferendum abgestimmt. Der Urnengang fand trotz Boykott weiter Teile der Opposition statt – und ging zugunsten des amtierenden Präsidenten Alpha Condé aus. Das hat Unmut geschürt, der insbesondere bei der jungen Bevölkerung schon länger gärt. Die PJDD setzt sich dafür ein, dass dieser Unmut gehört wird, aber gewaltfrei vonstattengeht. Die Corona-Pandemie macht ihr die Sache nicht leichter. Neben dem Ansinnen, zwischen den Fronten zu vermitteln, sind ihre Mitglieder nun auch in Sachen gesundheitlicher Aufklärung unterwegs.

Conakry ist nicht nur Hauptstadt, wirtschaftliches Zentrum und Regierungssitz Guineas. Conakry ist auch die Hauptstadt der außerparlamentarischen Opposition. Seit vielen Jahren kommt es entlang der „Route le Prince“, eine der Hauptschlagadern zwischen Zentrum und Peripherie, regelmäßig zu Demonstrationen, Kundgebungen und Straßenblockaden. Meist fehlt nicht viel, und die Situation zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden eskaliert gewaltsam. So auch in jüngster Zeit wieder, als trotz erster bestätigter COVID-19-Fälle gewählt wurde. Stein des Anstoßes war vor allem die Abstimmung über eine Änderung der Verfassung. Besonders strittig: Präsident Condé wird dadurch eine dritte Amtszeit ermöglicht.

Der Zivile Friedensdienst arbeitet seit einigen Jahren mitten im Zentrum der Konfrontation – sowohl mit aufbegehrenden Jugendlichen, als auch mit den zuständigen Sicherheitskräften. In Workshops mit den Jugendlichen geht es darum, wie sie ihren Unmut gewaltfrei äußern können. Fortbildungen mit Militär, Gendarmerie und Polizei bringen den Sicherheitskräften ihre Verantwortung für den Rechtsstaat näher. Sie lernen, Konflikte zu deeskalieren, anstatt sie anzuheizen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat sich 2016 die „Plateforme des Jeunes leaders de l'axe pour la Démocratie et le Développement“ (PJDD) gebildet. Sie vereint 35 Führungspersönlichkeiten aus 18 Jugendorganisationen, die entlang der „Route le Prince“ agieren. Gemeinsam setzen sie sich für einen gewaltfreien Wandel hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Entwicklung ein.

Mit Auftreten des Coronavirus haben die Mitglieder der PJDD ihr Tätigkeitsspektrum adhoc erweitert: Derzeit leisten sie nebenbei auch noch gesundheitliche Aufklärung, verteilen Schutzmasken und Hygienekits. Das geschieht insbesondere im persönlichen Kontakt auf der Straße – selbstverständlich mit dem gebührenden Sicherheitsabstand. Zu diesem Zwecke sind sie in den Stadtvierteln rund um die „Achse“, wie die „Route le Prince“ unmgangssprachlich genannt wird, unterwegs. Dabei wird auch gegen Gerüchte und Fehlinformationen eingewirkt, um zu verhindern, dass die Pandemie Nährboden für weitere Konflikte und Gewalt wird.

Die PJDD wird weiterhin vom ZFD unterstützt. Ein wichtiger Mittelsmann ist der Street-Art-Künstler Omar Chimère Diaw, der als lokale ZFD-Fachkraft unter anderem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit des ZFD-Projekts „Démocratie Sans Violence“ („Demokratie ohne Gewalt“) arbeitet. Derzeit ist er vor allem mit der Sensibilisierungskampagne zum Schutz vor Covid-19 beschäftigt. Hier bringt er wieder einmal seine kreativen Fähigkeiten ein, um auf die Übertragungswege des Coronavirus aufmerksam zu machen. An mehreren Orten Conakrys hat Chimère in den vergangenen Wochen mit Unterstützung befreundeter Künstler Wände mit Graffiti versehen, die die erforderlichen Schutzmaßnahmen aufzeigen.

„Meiner Meinung nach ist Graffiti ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Pandemie“, sagt Chimère über seinen Ansporn. „Die Sensibilisierung durch Graffiti ist einfacher, da sie auf die Straße gerichtet ist. Wer Graffiti sagt, sagt Sichtbarkeit. Aus diesem Grund realisieren wir sie an Orten, die sehr frequentiert sind. Die Menschen schätzen die übermittelten Botschaften und reagieren daher sensibler darauf.“ Sein Ziel ist, mindestens zweihundert Wandbilder zu schaffen, nicht nur in den Städten, sondern auch in entlegenen Dörfer auf dem Land.

Wir freuen uns, dass wir an dieser Stelle einige Arbeiten von Chimère zeigen können.
 

Fotos: Mamadou Saliou Diallo sowie Omar Chimère Diaw