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Burkina Faso: Goldförderung gerecht gestalten
26.08.2026Burkina Faso hat enorme Goldvorkommen. Die Organisation ORCADE, ein Partner des ZFD-Trägers EIRENE, unterstützt sowohl den Staat als auch die Gesellschaft dabei, den Goldabbau transparent und nachhaltig zu gestalten.
Das westafrikanische Land hat im Jahr 2025 den eigenen Rekord in der Goldförderung gebrochen: 94 Tonnen des Edelmetalls wurden aus dem Boden geholt. Das führt zu schätzungsweise 4 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen. Geld, das dringend benötigt wird, denn Burkina Faso gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Gleichzeitig ist das Land reich an Bodenschätzen: Neben Gold gibt es Vorkommen von Kupfer, Zink, Mangan und Lithium.
Der Abbau gestaltet sich schwierig, häufig regiert in abgelegenen Gegenden das Recht des Stärkeren. Immer wieder kommt es zu Umweltverschmutzung, Landraub, dem Verlust von Weideflächen, unzureichendem Schutz der Minenarbeiter*innen sowie zu Menschenhandel rund um die Minen. Schäden am Eigentum angrenzender Gemeinden werden häufig nicht oder nur unzureichend entschädigt.
Die industriellen Minen werden größtenteils von ausländischen Firmen betrieben. Die Vergabe von Lizenzen und Förderkontingenten hat in der Vergangenheit zu Konflikten geführt. Kritik kam von den handwerklichen Goldschürfer*innen, die ihren Lebensunterhalt im Kleinbergbau verdienen. Sie sehen sich durch internationale Unternehmen an den Rand gedrängt, müssen lukrative Förderstellen räumen und verfügen über deutlich schlechtere Vermarktungsmöglichkeiten für das geschürfte Golderz. Das Verhältnis zwischen Betreibern industrieller Minen und Goldschürfer*innen ist angespannt; immer wieder kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, teils mit Todesfolge.
Goldförderung soll allen zugutekommen
Die ZFD-Partnerorganisation ORCADE ist im Goldsektor auf verschiedenen Ebenen aktiv. Ihr Ziel: Die Goldförderung soll der burkinischen Gesellschaft insgesamt zugutekommen. Deshalb werden Menschen in den Bergbaugemeinden über ihre Rechte aufgeklärt: Welche steuerlichen Abgaben müssen Bergbaukonzerne zahlen? Welche Umweltbelastungen sind verboten? Wie kann ich für meine Rechte eintreten, wenn mir Schaden zugefügt wurde? ORCADE organisiert Seminare und Workshops in Bergbaugebieten, in denen die Teilnehmenden Antworten auf diese Fragen erhalten.
Im April 2025 zerstörte ein internationales Bergbauunternehmen beim Ausbau einer Zufahrtsstraße zur Bissa-Mine im Dorf Malou die Geschäftsräume von Balguissé Gansonré. Dank mehrerer ORCADE-Schulungen zu den Rechtsvorschriften des Goldabbaus wusste sie, wie sie vorgehen musste. Gemeinsam mit weiteren Betroffenen wurde sie ins Rathaus der 20 Kilometer entfernten Gemeinde Mané eingeladen, um eine Entschädigung zu erhalten. Als ihr lediglich 1.400 US-Dollar angeboten wurden, verweigerte sie die Unterschrift – obwohl sie die Einzige war. Nach der Beratung durch ORCADE wurde eine neue Einigung erzielt: Balguissé erhielt später rund 5.100 US-Dollar, die die Reparaturen an ihren Geschäftsräumen und den Einkommensausfall deckten.
Recht einfordern, Umwelt schützen
Um Gold aus Erz zu lösen, nutzt der industrielle Bergbau das hochgiftige Cyanid. Bereits geringe Konzentrationen sind für Menschen und Tiere tödlich. Undichte Becken oder unsachgemäße Lagerung können das Grundwasser verschmutzen. Deshalb investiert ORCADE viel Zeit in die Aufklärung der Dörfer nahe den Minen. Als es 2025 in der Gemeinde Mogtédo zu einem Tiersterben kam, handelte das örtliche Komitee für Umweltüberwachung unverzüglich. Umwelt- und Bergbauministerium sowie ORCADE untersuchten den Fall. Der Betreiber der Mine, die kanadische Orezone Gold Corporation, musste das Leck sofort schließen und wurde wegen eines Verstoßes gegen das Bergbaugesetz zu einer Strafe von rund 16.500 US-Dollar verurteilt.
Journalismus mit dem Smartphone
Solche Fälle zeigen, wie wichtig es ist, dass die Dörfer rund um die Bergwerke über Umweltrisiken informiert sind. ORCADE kooperiert mit WANEP, ebenfalls einer Partnerorganisation von EIRENE, um junge Menschen im Mobilen Journalismus (MOJO) zu schulen. Mit Smartphones produzieren sie Videos zum Umweltschutz, die in den betroffenen Dörfern und Gemeinden verbreitet werden.
Der ZFD-Träger EIRENE verfolgt gemeinsam mit WANEP und ORCADE einen mehrschichtigen Arbeitsansatz. Fachliche Expertise im nachhaltigen Goldbergbau trifft auf Medienarbeit für Frieden. Junge Menschen produzieren Videos zu bergbaurelevanten Umweltthemen, lernen Fake News zu erkennen und sensibilisieren in sozialen Netzwerken für Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen.
Die Expertise von ORCADE macht die Organisation auch für den burkinischen Staat zu einer wichtigen Partnerin. Das jüngste Gesetz zum Goldbergbau, das eine weitreichende Verstaatlichung des Sektors vorsieht, entstand unter Mitarbeit von ORCADE. Leiter Jonas Hien betonte, das Gesetz sei wichtig, um die Souveränität über die natürlichen Ressourcen des Landes zurückzugewinnen und die Bevölkerung stärker an den Gewinnen zu beteiligen. ORCADE verwaltet gemeinsam mit anderen Organisationen einen aus Bergbausteuern gespeisten Fonds für die ländliche Entwicklung und nimmt damit eine Schlüsselrolle zwischen Zivilgesellschaft und Staat ein.
Diesen Text haben wir leicht gekürzt und angepasst aus dem Jahresbericht 2025 von EIRENE übernommen. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auch in unserer Projektdatenbank.
Das Bild oben zeigte eine Frau bei Arbeiten im Goldabbau in Burkina Faso (Foto: Ollivier Girard/CIFOR, Flickr). In der Textmitte sind zwei Arbeiter beim Goldabbau zu sehen (Foto: EIRENE). Unten sehen Sie drei Teilnehmer*innen der Fortbildung zum Mobilen Journalismus des ZFD-Partners WANEP (Foto: Eirene).