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Bosnien und Herzegowina: Interreligiöser Austausch fördert den Frieden

Ein aktuelles Projekt der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Sarajevo fördert den Dialog und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Religionen und Ethnien, um die gewaltvolle Vergangenheit Bosnien und Herzegowinas gemeinsam und konstruktiv zu bearbeiten. Initiiert wurde das Projekt durch den Pfarrer und Professor Darko Tomašević. Fachkräfte des ZFD-Trägers AGIAMONDO unterstützen die Hochschule.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Bevölkerung Bosnien und Herzegowinas zahlreiche Besetzungen und Machtkämpfe, in denen Religionszugehörigkeiten zur Diskriminierung von Menschen und zur Machtausübung instrumentalisiert wurden. In der Folge entstanden nationalistische Tendenzen, die sich bis heute fortsetzen und teilweise verstärkt haben.

Daher ist es unerlässlich, dass die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Bosnien und Herzegowina Verantwortung übernehmen und sich gemeinsam für einen dauerhaften und stabilen Frieden einsetzen. Das Projekt der Universität Sarajevo fördert dieses Engagement und trägt damit zur Versöhnung sowie zur Heilung der Wunden der Vergangenheit in der bosnisch-herzegowinischen Gesellschaft bei.

Stigmatisierung durch Religionszugehörigkeit

Das ideologische Vakuum, das nach dem plötzlichen Zusammenbruch des Kommunismus und dem anschließenden Zerfall des Ostblocks im ehemaligen Jugoslawien entstand, führte zu einem Anstieg nationalistischer Strömungen und damit zu zunehmenden ethnischen Spannungen. Gleichzeitig verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme, während der geopolitische Kampf um Einfluss in der Region an Intensität gewann. Der Krieg in Bosnien und Herzegowina war kein Religionskrieg, sondern ein brutaler und komplexer Konflikt um ethnische Vorherrschaft und territoriale Kontrolle, in dem Religionszugehörigkeiten erneut genutzt wurden, um Menschen zu stigmatisieren und ethnische Identitäten zu verhärten.

Um diese Spirale der Gewalt zu durchbrechen, stärkt das Projekt der ZFD-Partner alle drei theologischen Fakultäten der Universität Sarajevo – die Fakultät für Islamwissenschaften, die Katholisch-Theologische Fakultät und die Orthodoxe Theologische Fakultät – als wichtige Akteure der Friedensarbeit. Studierende der verschiedenen Fakultäten kommen zusammen und setzen sich mit den gemeinsamen Grundlagen sowie dem Potenzial interreligiöser Zusammenarbeit für Konfliktbearbeitung und Friedensförderung auseinander. Später verbreiten sie ihre Überzeugungen als Multipliukator*innen in ihren Religionsgemeinschaften und der gesamten bosnischen Gesellschaft weiter.

Der bosnische Pfarrer und Professor der Katholisch-Theologischen Fakultät Darko Tomašević hat dieses Projekt mit seinen Kollegen der anderen Fakultäten ins Leben gerufen. Er ist der festen Überzeugung, dass Vergebung der wichtigste Schritt zum Frieden ist. Im Austausch mit seinen Kollegen der anderen beiden Fakultäten, fanden sie u.a. darin eine Gemeinsamkeit und beschlossen, einen gemeinsamen Master-Studiengang sowie eine Summer School zu gründen.

Auf diese Weise leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Aufbau von Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und einer friedlichen Zukunft für die Menschen in Bosnien und Herzegowina.


Weitere Informationen finden Sie auch in unserer Projektdatenbank