Aktuelles

Guinea-Bissau: Ein mobiles Radio für alle

Jeder Mensch hat etwas zu sagen. Nicht alle werden gehört. Das Friedensradio Bemba di Malafo in Guinea-Bissau möchte genau das ändern. 2024 von GTO Bissau, einer Partnerorganisation des ZFD-Trägers Weltfriedensdienst, initiiert, ist das Radio schon heute eine starke Stimme im Land und schafft Verbindungen und Verständnis zwischen den Menschen vor Ort. 

Das Besondere: Das Friedensradio ist mobil. Normalerweise fahren Reporter*innen mit wenig Technik zu den Schauplätzen der Berichterstattung. Das mobile Radio dagegen rollt mit der ganzen Station in abgelegene Gemeinden – und sendet von dort live in die ganze Region. 16 ehrenamtliche Reporter*innen sind dafür regelmäßig im Einsatz.

Seit 2024 begleitet die Fachkraft Barbara Djassi die Arbeit vor Ort. Zwei Mitarbeitende berichten von ihren Erfahrungen:

Armando Mussa Sani, Direktor von Radio Bemba di Malafo 

„Stellen Sie sich vor, das Radio kommt direkt zu Ihnen – mitten auf Ihr Reisfeld oder in Ihr Dorf. Nicht nur, um zu berichten, sondern um Ihnen zuzuhören. Genau das verändert die Kommunikation in Guinea-Bissau: Das mobile Studio entmystifiziert das Medium Radio. Es macht sichtbar und erlebbar, wie Radio funktioniert. Normalerweise ist eine Radiostation an einen festen Ort gebunden. Reporter*innen nehmen Interviews mit dem Smartphone auf, Hörer*innen rufen im Studio an. Unser mobiles Studio dagegen kommt zu den Menschen und sendet von dort live. Wenn wir ankommen, ist die Neugier riesig, besonders bei den Kindern. Die Menschen können ihre eigenen Geschichten erzählen, ihre Freuden und ihre Probleme schildern und gemeinsam darüber diskutieren. Das ist für mich am wichtigsten.

Ich denke gern an die Liveübertragungen unserer Sendung ,Djumbai na Veranda‘ (‚Von der Veranda geplaudert‘) sonntagabends auf der Straße – wo unser Publikum ist. Die Menschen freuen sich, dass wir die oft weiten Wege auf uns nehmen, um ihre Lebensrealität kennenzulernen.

Mich berührt immer wieder, mit welcher Offenheit und Freude uns die Menschen begegnen. Daraus entstehen Freundschaft und Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist unser größtes Kapital. Es wirkt sich direkt auf unsere Programme aus: Nachrichten und Sendungen werden ernst genommen, und es entwickeln sich langfristige Beziehungen zu unseren Hörer*innen. So hebt das mobile Radio die Verbindung zu Reporter*innen und Programmen auf ein völlig neues Level: Es macht Radiosendungen mitunter zu sehr persönlichen Gesprächen.“

Carlitos Luis, Techniker von Radio Bemba di Malafo

„Als Techniker von Radio Bemba di Malafo erlebe ich täglich, wie unser mobiles Studio Menschen direkt erreicht. Besonders in Gemeinden ohne eigene Radiostation wie Bissorã ist die Wirkung enorm. Ein Highlight war das viertägige Projekt Kandonga di Paz (Friedenswerkstatt) mit Schüler*innen in Bissorã. Mich hat beeindruckt, wie neugierig und selbstständig die Jugendlichen gearbeitet haben. Viele von ihnen hatten vorher noch nie ein Radiostudio von innen gesehen. Sie sammelten eigenständig Inhalte, führten Interviews und präsentierten ihre Beiträge live im Radio. Für die Hörer*innen klang es am Ende wie eine professionell produzierte Sendung.

Das mobile Radio schafft direkte Beteiligung. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit zu sprechen – bei partizipativen Theaterprojekten, Debatten oder Sportübertragungen. Manche Teilnehmende blühen förmlich auf, sobald das Mikro an ist.

Jede Sendung bedeutet auch Improvisation. In Bissorã mussten wir unter freiem Himmel mit zwei Mischpulten arbeiten und die Verbindung zum Studio in Malafo stabil halten. In solchen Momenten entstehen die besten Sendungen.

Regelmäßig rekrutieren wir spontan Kommentator*innen aus dem Publikum. Es ist erstaunlich, wie viele unentdeckte Talente es in unseren Kumpuduris (lokalen Friedensgruppen) gibt: Sie können zum Beispiel Sportevents sehr lebendig für die Hörer*innen beschreiben. So schafft das mobile Radio enge Verbindungen zwischen Hörer*innen und den gesendeten Inhalten. Das Vertrauen in unsere Arbeit wird immens gestärkt.“


Diesen Text haben wir leicht angepasst übernommen aus dem Friedensmagazin „zusammen:wirken“ des Weltfriedensdienstes. Weitere Informationen zur Arbeit in Guinea-Bissau finden Sie in unserer Projektdatenbank und auf den Seiten des Weltfriedensdienstes.
Foto: WFD