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Fachaustausch: Machtverhältnisse hinterfragen, neue Impulse setzen

Wie lässt sich gerechte internationale Zusammenarbeit gestalten, wenn historisch gewachsene Machtstrukturen weiterhin wirken? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Fachaustauschs, der kürzlich in Hamburg stattfand. Das Konsortium Ziviler Friedensdienst (ZFD) hatte 29 Personen aus seinen Programmen eingeladen, um die eigenen Praktiken kritisch zu reflektieren und gemeinsame Handlungsoptionen zu entwickeln. Das Ziel: nicht nur theoretisches Wissen teilen, sondern neue konkrete Strategien für einen dekolonialen Ansatz in der Friedensarbeit erarbeiten.

Der Austausch zum Thema Thema Machtungleichgewicht in Partnerbeziehungen: Der Umgang mit kolonialem Erbe und seinen Kontinuitäten fand vor dem Hintergrund zunehmender postkolonialer Kritik in der Entwicklungszusammenarbeit statt. Auch der ZFD steht dabei in dem Spannungfeld von local ownership auf der einen Seite und dem Instrument der Personalentsendung auf der anderen Seite. Der Fachaustausch bot als etablierter Raum, die Gelegenheit um die Erfahrungen in den Projekten des ZFD systematisch aufzubereiten und daraus Empfehlungen und Handlungsoptionen abzuleiten. 
Die 29 Teilnehmenden waren Vertreter*innen der Partnerorganisationen, Nord-Süd, Süd-Süd und Süd-Nord-Fachkräfte, Länderkoordinator*innen und Mitarbeitende der Trägerorganisationen in Deutschland. Sie kamen aus 15 Ländern fast aller Regionen, in denen der ZFD aktiv ist. Diese Vielfalt war essenziell, um die unterschiedlichen Perspektiven zu hören und direkt ins Gespräch zu bringen.

Schwerpunktthema: Koloniale Kontinuitäten entlarven

Im Zentrum der inhaltlichen Arbeit stand die Analyse von Machtungleichgewichten. Dabei ging es nicht um abstrakte Theorien, sondern um die konkrete Praxis: Welche individuelle und kollektive Prinzipien leiten die Arbeit der Teilnehmenden? Wie werden Projekte zwischen Partnern und ZFD-Trägern entwickelt und umgesetzt? Wessen und welcher Expertise wird Gewicht gegeben?

Die Teilnehmenden betrachteten deshalb zunächst wie koloniale Kontinuitäten in Partnerbeziehungen auf individueller, organisationaler und politischer Ebene wirken. Anschließend priorisierten sie Bereiche der Friedensarbeit wie Projektdesign, Kommunikation und Wissen und entwarfen anhand von Beispielen praktische Orientierungen.

Besonderen Wert legten sie darauf, lokales Wissen anzuerkennen und bereits in der Projektentwicklung einzubeziehen. Zudem stellten sie heraus, dass eine transparente Kommunikation im Dialog eine Grundvoraussetzung ist, um Machtungleichgewichten zu begegnen.

Ergebnisse und Ausblick

Der Austausch in Hamburg hat gezeigt: Der Umgang mit kolonialem Erbe ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess der Selbstreflexion und des Miteinanders. Der Fachaustausch leistet deshalb einen wertvollen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Machtungleichgewicht in Partnerbeziehungen innerhalb des Zivilen Friedensdienstes und treibt diesen unverzichtbaren Prozess sinnvoll voran.


Foto: Ziviler Friedensdienst