Klimawandel

Klimagerechtigkeit

Die Folgen des Klimawandels werden überall zu spüren sein. In manchen Regionen der Erde werden sie die Lebensräume der Menschen erheblich beeinträchtigen. Die unmittelbaren Auswirkungen, wie der Anstieg der Meeresspiegel und die Zunahme von Extremwetterereignissen, sind jedoch nur ein Teil des Problems. Die Klimakrise bedeutet Einschnitte in sämtliche Bereiche des Lebens.

Vom Klimawandel zur Klimakrise

Der Klimawandel ist weit mehr als eine Veränderung klimatischer Bedingungen. Er ist Teil einer umfassenden globalen Krise. Diese Krise bringt Herausforderungen ökologischer, wirtschaftlicher, politischer und sozialer Natur. Für viele Menschen bedeuten die Folgen des Klimawandels eine existenzielle Bedrohung. Vor allem dort, wo die Lage schon jetzt von Instabilität und Krisen geprägt ist, besteht das Risiko, dass Spannungen und Gewalt zunehmen. Der Klimawandel gefährdet somit das gesellschaftliche Klima innerhalb einzelner Länder und auf globaler Ebene. Von „Klimawandel“ zu sprechen, birgt die Gefahr, die Brisanz zu verharmlosen. Der Begriff „Klimakrise“ trifft es eher.

Die Klimakrise ist auch eine Gerechtigkeitskrise

Obwohl die Länder des globalen Nordens die Erderwärmung maßgeblich verursacht haben, werden sie unter den Folgen des Klimawandels am wenigsten leiden. Viele arme und fragile Staaten trifft der Klimawandel hingegen besonders schwer: Einerseits nehmen seine Folgen hier extreme Ausmaße an, andererseits fehlt es den Ländern an Mitteln und Möglichkeiten, diese gravierenden Auswirkungen zu bewältigen. Wenn nichts unternommen wird, vergrößert der Klimawandel die bestehende Ungleichheit zwischen nördlicher und südlicher Hemisphäre immer weiter.

Jedes Jahr geraten rund 26 Millionen Menschen aufgrund von Extremwetterereignissen in Armut. Ausgerechnet Menschen in den ärmsten Ländern müssen künftig an bis zu 100 zusätzlichen Tagen pro Jahr mit extremen Wetterereignissen rechnen. Diese Zahl könnte nach Angabe des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) halbiert werden, wenn das Pariser Abkommen der Weltklimakonferenz 2016 konsequent umgesetzt wird.

Auch innerhalb einzelner Länder wird die Klimakrise bestehende Ungleichheit verschärfen. Mancherorts werden Bevölkerungsgruppen im Namen des Klimaschutzes noch weiter an den Rand gedrängt. Schon heute sind Frauen und Mädchen stärker von Armut und Hunger betroffen als Männer. Eine klimabedingte Zuspitzung der Lage wird auch ihre Situation verschärfen. Kurz: Wer schon jetzt benachteiligt ist, läuft Gefahr, durch die Klimakrise weiter abzurutschen.

Klimawandel braucht Systemwandel

Klimagerechtigkeit bedeutet, dass niemand seines Lebens- und Menschenrechts beraubt wird. Klimagerechtigkeit bedeutet auch, dass die Hauptverursacher die Hauptverantwortung für die Bewältigung des Klimawandels übernehmen. Sie müssen diejenigen unterstützen, die unter den Folgen am stärksten leiden. Um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, reichen technische Lösungen wie Solaranlagen oder Frühwarnsysteme allein nicht aus. Ohne ein grundlegendes Umdenken werden wir die massiven Herausforderungen der Klimakrise nicht bewältigen können. An der Gestaltung der notwendigen Anpassungs- und Veränderungsprozesse müssen alle Menschen beteiligt werden. Global wie auch lokal besteht die Gefahr, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen außen vor bleiben. Auch hier kann Zivile Konfliktbearbeitung wichtige Beiträge leisten.

UMFASSENDE INFORMATIONEN zur Klimakrise, dem Klimawandel, seinen Ursachen und Folgen

finden Sie zum Beispiel auf folgenden Internetportalen:

bpb-Dossier: Klimawandel

Das Online-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung bietet reichhaltige Informationen und Materialien rund um das Thema Erderwärmung und ihren Folgen. Es beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen auf Konflikte und Frieden. Es gibt vertiefende Informationen zu unterschiedlichen Facetten des Klimawandels, Bildergalerien, Chroniken, Infografiken, Videos und Unterrichtsmaterial.

Fakten statt Fake News

In der öffentlichen Debatte und im privaten Austausch sind zum Klimawandel unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen zu hören. klimafakten.de erklärt, was dem aktuellen Stand der Forschung entspricht – und was nicht. Nach dem Motto: Fakten statt Behauptungen. Darüber hinaus gibt die Plattform Tipps und Empfehlungen zur ausgewogenen Berichterstattung über die Klimakrise.

UBA-Dossier: Klimawandel

Das Webportal des Umweltbundesamtes beinhaltet eine umfangreiche Text- und Materialsammlung zu allen Fragen rund ums Klima und den Klimawandel. Für den schnellen Überblick gibt es kompakte Antworten auf häufig gestellte Fragen. Ein eigener Bereich widmet sich der Herausforderung, wie Argumente von Klimawandel-Skeptikerinnen und -skeptikern entkräftet werden können.

QUELLEN


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Belege und Beispiele für die These Wer bedürftig oder benachteiligt ist, wird durch die Klimakrise weiter abrutschen finden sich im IPCC-Sonderbericht „Climate Change and Land“ von 2019, insbesondere in Kapitel 5: Food security. Der Sonderbericht zeigt auf insgesamt 900 Seiten den unter verschiedenen Bedingungen erwartbaren Einfluss des Klimawandels auf Boden und Land, u.a. auf Desertifikation, Landkonflikte und Ernährungssicherheit. „Climate Change and Land“ kann kapitelweise auf der Internetseite des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) heruntergeladen werden. Eine deutschsprachige Zusammenfassung für politische Entscheiderinnen und -entscheider gibt es bei der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle. Der nächste übergreifende „Sachstandsbericht“ des IPCC ist in Arbeit und soll spätestens 2022 erscheinen.


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Die prognostizierte Zunahme von Extremwetterereignissen in Entwicklungsländern, gemessen in Tagen, wie auch die Einschätzung zu ihrer potentiellen Begrenzung, stammt aus dem aktuellen HDR 2020: The next frontier. Human development and the Anthropocene“. Der Report zur menschlichen Entwicklung (HDR) wird vom UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, alljährlich herausgegeben. In 2020 wurde erstmals der stets enthaltene „Index der menschlichen Entwicklung“ (HDI) vergleichsweise auch um die Kohlendioxid-Emissionen pro Kopf und den Fußabdruck“ des Landes bereinigt. Mit dem rund 400-seitigen „Human Development Report 2020“ will UNDP Wege aufzeigen, wie der Druck auf die Erde reduziert und zugleich Entwicklung ermöglicht werden kann. Eine Zusammenfassung auf Deutsch mit 60 Seiten, davon rund 20 Seiten Ranglisten der HDI-Komponenten, ist ebenfalls verfügbar.


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Die Schätzung, dass pro Jahr rund 26 Millionen Menschen aufgrund von Extremwetterereignissen in extreme Armut geraten, wurde aus dem BMZ-Booklet: Dem Klimawandel begegnen von 2017 übernommen. Ursprünglich stammt sie aus dem Weltbank-Bericht Unbreakable: Building the Resilience of the Poor in the Face of Natural Disasters (2016).

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Fotos & Abbildungen: Header: IMPACT Kenya; Info-Teaser: Bundeszentrale für politische Bildung: Screenshot „Dossier Klimawandel“; 2050 Media Projekt gGmbH: Screenshot „klimafakten.de“; Umweltbundesamt: Themenschwerpunkt „Klimawandel“. Fokus-Teaser: Evangelische Akademie Loccum (2013): Cover zur Tagungsdokumentation „Klima, Gerechtigkeit, Frieden. Der Klimawandel und Gottes Oikoumene“ (Hrsg.: J. Goldenstein); Zentrum für Mission und Ökumene – nordkirche weltweit: Screenshot „Mediathek Klimagerechtigkeit“; Autonome Universität Barcelona: Screenshot „Atlas of Environmental Justice“; Heinrich-Böll-Stiftung: Screenshot „Blog Klima der Gerechtigkeit“ (Illustration: Ines Meier). Quellen-Teaser: Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Screenshot zum Special Report „Climate Change and Land“; United Nations Development Programme (UNDP, 2020): Cover & S. 3 des „Human Development Report: The next frontier. Human development and the Anthropocene“; Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ, 2017): Cover & S. 3 des Booklets „Dem Klimawandel begegnen“ [Abruf der Internetseiten: April/Mai 2021]