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Sudan: Partner berichten von verzweifelter Lage

Massenhafte Tötungen und absichtlicher Beschuss von Zivilist*innen, um sie zu vertreiben: Die Partnerorganisation Bana Group for Peace and Development des ZFD-Trägers KURVE Wustrow berichtet von schrecklichen Zuständen in der Stadt El Fasher in der Region Nord-Dafur. „El Fasher ist so gut wie leer und wir können von Glück sprechen, dass wir noch am Leben sind“, beschreibt die Organisation die dramatische Lage in einer Stellungnahme. 

Im Sudan kämpfen seit April 2023 Armeeeinheiten des sudanesischen Militärs (Sudanese Armed Forces, SAF) und die sogenannten schnellen Eingreiftruppen (Rapid Support Forces, RSF) in einem Bürgerkrieg gegeneinander. Der Großteil des Landes ist von den Kampfhandlungen betroffen. Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung sind katastrophal. Die Bana Group berichtet von weit verbreiteten Gräueltaten. Dazu gehören Mord, sexualisierte Gewalt, Zwangsvertreibungen, Plünderungen, die Zerstörung von Infrastruktur und der Zusammenbruch des Gesundheitssystems.

Massive Angriffe in El Fasher

El Fasher ist die einzige Stadt in Darfur, in der das sudanesische Militär noch präsent ist (Stand 23. Mai 2024). Die Gegenspieler Rapid Support Forces haben nun die Absicht, das strategisch wichtige El Fasher einzunehmen. „Die Stadt ist belagert. Seit nunmehr zwei Wochen gibt es massive Angriffe auf die Stadt und umliegende Gemeinden durch die Rapid Support Forces und entsprechende Gegenangriffe durch SAF und verbündete bewaffnete Einheiten“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Die Sicherheit der Bewohner*innen und der rund 800.000 Geflüchteten aus den anderen vier Bundesstaaten Darfurs ist demnach akut bedroht. Nach Berichten unserer Partnerorganisation werden Zufluchtsorte für Vertriebene und Krankenhäuser gezielt bombardiert. Alle Fluchtrouten aus der Stadt hinaus sind durch die Kriegsparteien verschlossen.

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Engagement für Frauen und politischen Wandel

Der Zivile Friedensdienst arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem Netzwerk Bana Group for Peace and Development zusammen. Die Mitglieder setzen sich insbesondere für die politische und gesellschaftliche Beteiligung von Frauen und marginalisierten Menschen ein und haben vor Beginn des Bürgerkriegs intensiv auf einen partizipativen Prozess des politischen Wandels hingearbeitet. Noch im April 2024 hatten die Aktivist*innen in mehreren Bundesstaaten dazu beitragen können, einige Auswirkungen des Krieges in den Gebieten zu lindern, in denen es zu Kämpfen und Vertreibungen gekommen ist. Dazu gehörte die psychologische Unterstützung von Frauen und Beratung und Hilfe für Menschen in Unterkunftszentren sowie medizinische Versorgung von Schwangeren und Mädchen.

Die verzweifelte Lage in El Fasher erschwert auch diese Arbeit derzeit erheblich. Das Bild oben auf der Seite zeigt die Zerstörung im Lager für Binnenvertriebene Abu Shouk in El Fasher am 22. Mai 2024. Das Camp beherbergte weit über 100.000 Menschen. Die Bana Group arbeitete dort mit Frauen und Kindern im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes. Bei den jüngsten Angriffen gab es viele Tote und Verletzte.

In ihrer Stellungnahme fordert die ZFD-Partnerorganisation: „Der Schutz der Zivilbevölkerung muss jetzt oberste Priorität haben. Die Eskalation der Gewalt und die humanitäre Notlage erfordern dringende Maßnahmen. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger wegsehen. Es ist ihre Pflicht, entschlossen zu handeln und die Sicherheit der Menschen in El Fasher zu gewährleisten. Die Konfliktparteien müssen unter Druck gesetzt werden, die Gewalt zu beenden und die Menschenrechte zu respektieren: Fluchtrouten für Zivilist*innen müssen sofort geöffnet und ein sofortiger Waffenstillstand gefordert werden! Internationale Ermittlungen zur Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen aufgenommen werden.“ 


Auf der Seite des ZFD-Trägers KURVE Wustrow finden Sie viele weitere Informationen zur aktuellen Lage in Sudan. 
Fotos: KURVE Wustrow/Bana.