Simbabwe: Gemeinsam statt gegeneinander

Massiver Einschüchterung zum Trotz entschärft die ZFD-Partnerorganisation COTRAD Konflikte im Südosten Simbabwes. Durch den Dialog mit verfeindeten Parteien und potenziell gewaltbereiten Jugendlichen drängt COTRAD politisch motivierte Gewalt zurück.


Die beiden Landräte Godwin Tshuma und Elijah Moyo* waren noch bis vor kurzem erbitterte Feinde. Beide stehen aneinandergrenzenden Verwaltungsbezirken vor. Tshuma von der Opposition MDC und Moyo von der Regierungspartei ZANU-PF brachten ihre jeweiligen Unterstützerinnen und Unterstützer permanent gegeneinander auf. Immer wieder kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Politisch motivierte Gewalt wie diese gehört in Simbabwe oft zum Alltag. Sie wird bewusst eingesetzt, um eine einmal erlangte Machtstellung zu verteidigen. Denn diese ermöglicht, sich selbst zu bereichern und Anhängerinnen und Anhänger zu begünstigen, zum Beispiel mit dem Zugang zu Ressourcen wie Land und Wasser oder zu Nahrungsmittelhilfe. Angesichts der wirtschaftlichen und der politischen Krise im Land ist es für die Menschen daher lebenswichtig, zur „richtigen“ Seite zu gehören. Die Folge ist eine extreme Polarisierung der Gesellschaft. Damit wird die Dauerkrise immer wieder aufs Neue befeuert.

Bäume als Friedensbotschafter

Vor diesem Hintergrund fördert die ZFD-Partnerorganisation COTRAD („Community Tolerance, Reconciliation and Development Trust“) seit zehn Jahren den Dialog in ländlichen Gebieten der Provinz Masvingo. In den verfeindeten Bezirken von Tshuma und Moyo gelang es COTRAD in vielen Gesprächen, eine Beziehung zu den verfeindeten Parteien aufzubauen. Auf dieser Basis konnten sie alle wichtigen Akteure und Akteurinnen zu einem moderierten Dialog in geschütztem Umfeld zusammenbringen. Dabei kam ein Konflikt ans Tageslicht, der oberflächlich betrachtet nichts mit Parteipolitik zu tun hatte: Bewohnerinnen und Bewohner aus Tshumas weitgehend entwaldetem Bezirk überschritten auf der Suche nach Feuerholz die Grenze zu Moyos Bezirk und dezimierten dort den Baumbestand. Das führte immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen.

Bei dem Dialog erreichte COTRAD, dass beide Seiten die Sicht der jeweils anderen wahrnehmen konnten. Die Konfliktparteien erkannten sowohl den Bedarf an Feuerholz an, als auch die Notwendigkeit den Wald zu erhalten. Sie entwickelten schließlich die Idee, Bäume zu pflanzen und dafür eine gemeinsame Baumschule aufzubauen. Hier arbeiten auf freiwilliger Basis Gemeindemitglieder aus beiden Bezirken mit. Inzwischen haben sie besonders im entwaldeten Bezirk zahlreiche Bäume gepflanzt. Gleichzeitig bauen sie gemeinsam Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und verbessern so die Ernährungssituation. Die Menschen berichten, dass sie durch COTRAD die Bedeutung natürlicher Ressourcen schätzen gelernt haben. Sie sind stolz, nun zu ihrer nachhaltigen Nutzung und Erhaltung beizutragen. Darüber hinaus hat die gemeinsame Arbeit in der Baumschule zu mehr Toleranz und sozialem Zusammenhalt geführt. Es gibt deutlich weniger Gewalt.

Mutig für den Frieden

Damit provozierte COTRAD jedoch die Kräfte im Land, die ihre Macht aus Polarisierung und Gewalt ziehen. Sämtliche COTRAD-Kolleginnen und Kollegen wurden in den letzten zwei Jahren mindestens einmal verhaftet, der Direktor mehrfach. Immer wieder gibt es drastische Versuche der Einschüchterung, auch Misshandlungen. Das ZFD-Büro in Harare organisierte ein Treffen zwischen dem COTRAD-Direktor und dem deutschen Botschafter in Simbabwe. Dieser schlug einen offiziellen Projektbesuch vor. Damit wollte er der ZFD-Partnerorganisation COTRAD den Rücken stärken und den Verfolgern zeigen, dass die internationale Öffentlichkeit hinsieht.

Im Oktober 2019 traf der Botschafter Tshuma und Moyo an der Baumschule am Fluss. Die beiden Landräte zeigten sich öffentlich Hand in Hand als Freunde. Sie bezeugten, dass die Menschen über ihre verschiedenen Parteizugehörigkeiten hinweg vereint und gemeinsam an der Entwicklung ihrer Gemeinden arbeiten. Kurz nach dem Besuch des Botschafters bestellten Vertreter des Geheimdienstes Gemeindemitglieder zu einer Versammlung ein. Mit Drohungen und Falschinformationen versuchten sie, den neuen Frieden und COTRAD schlecht zu reden und wieder einen Keil zwischen die Menschen zu treiben. Diese ließen sich jedoch nicht einschüchtern, erhoben sich eine nach dem anderen und verließen die Versammlung.

COVID-19 verschärft Konflikte

Die COVID-19-Situation hat die Krise in vielerlei Hinsicht verschärft. Simbabwe verzeichnet bislang einen eher milden Verlauf der Infektionszahlen. Mehrwöchige Ausgangssperren, die Abschaffung des öffentlichen Transportwesens sowie die Schließung des produzierenden Gewerbes trafen die Mehrheit der Bevölkerung hart. Der für sie überlebenswichtige informelle Sektor brach praktisch über Nacht zusammen. Viele Familien müssen zwischen Hunger und Repressalien der Sicherheitskräfte bei Verstoß gegen die Lockdown-Regeln wählen.


Quelle: Der Beitrag ist dem Querbrief 2/2020 (S. 6f), dem Mitgliedermagazin des ZFD-Trägers Weltfriedensdienst, entnommen. Mehr Infos über die ZFD-/WFD-Partnerorganisation COTRAD finden Sie auf der Website der Friedensorganisation.

*Namen von der WFD-Redaktion geändert