Philippinen: Auf der Suche nach Wahrheit

Mitte Februar fand auf Philippinens konfliktreicher Insel Mindanao die erste internationale Konferenz zu konfliktsensiblem Journalismus statt. Rund 300 Teilnehmende waren zu der zweitägigen Veranstaltung an der Ateneo de Davao University angereist, darunter auch der ehrwürdige Prof. em. Dr. Crispin Maslog. Der 89-Jährige attestierte den Anwesenden, einen wichtigen Beitrag zur Konfliktbearbeitung auf Mindanao zu leisten.

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Auf dieser Präambel der UNESCO-Verfassung von 1945 baute Prof. em. Dr. Crispin Maslog sein Impulsreferat auf – und leitete daraus die Bedeutung von konfliktsensiblem Journalismus ab. Friedensjournalismus habe bei der Bewältigung von Konflikten, Gewalt und Katastrophen schon oft einen wichtigen Beitrag geleistet, in besonderem Maße auch im Konfliktkontext von Mindanao.

Das war für die anwesenden Journalistinnen und Journalisten aus der Region, die sich seit Jahren unermüdlich für eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung auf Mindanao einsetzen, wie ein Ritterschlag. Schließlich ist der Kommunikationsprofessor a.D. eine Koriphäe auf dem Gebiet. Allein 37 Bücher über Medien und Kommunikation hat er geschrieben und herausgegeben. Dabei scheut er sich auch nicht, den Mächtigen auf den Mund zu schauen. So nimmt sein zuletzt herausgegebenes Buch von 2017 die umstrittene Rhetorik des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte kritisch unter die Lupe.

Doch die Konferenz diente nicht allein der Würdigung des Erreichten. Vielmehr waren es die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die in den Blick genommen wurden. In Zeiten, in denen selbst Regierungen immer häufiger unverhohlen Falschmeldungen verbreiteten, sagte Dr. Balázs Kovács (Landesdirektor vom forumZFD in Mindanao) in seiner Eröffnungsrede, sei es umso wichtiger, aber auch umso schwieriger, einen Journalismus zu protegieren, der der Ausgewogenheit und der Wahrheit verpflichtet sei. Neben dem forumZFD ist auch der ZFD-Träger GIZ auf Mindanao aktiv. Beide hatten die Konferenz gemeinsam mit den Partnerorganisation „PECOJON – The Peace and Conflict Journalism Network“ und den „Media Educators of Mindanao INC“ (MEM) organisiert.

Neben dem Vortrag von Crispin Maslog kamen weitere Impulsreferate von Antonia Koop, Mitgründerin und ehemalige Geschäftsführerin von PECOJON, sowie von Sigrun Rottmann, die unter anderem als Dozentin für konfliktsensiblen Journalismus an der Universität Dortmund tätig ist. Rottmann weitete den Blick der Konferenz auch auf Konflikte jenseits gewaltsamer Auseinandersetzungen: „Konfliktsensibler Journalismus ist nicht nur in Kriegssituationen relevant, auch in Europa gibt es viele Konflikte, die wir verschärfen oder entschärfen können – je nachdem, wie wir darüber berichten.“ Das fange beim Nachbarschaftsstreit im Lokalen an und gehe bis hin zu gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. „Dabei geht es sowohl um die Besinnung auf journalistische Grundprinzipien als auch um das Erlernen konflikttheoretischer Kenntnisse und die Selbstreflektion der eigenen Vorurteile und Feindbilder", sagte Rottmann.

In diesem Punkt waren sich die Anwesenden einig: Guter Journalismus ist auch konfliktsensibel. Doch diese Prämisse ist noch längst nicht überall angekommen, weder in der Lehre, noch in der Praxis. Stattdessen überwiegt nicht selten eine sensations-heischende Berichterstattung, die Feindbilder verstärkt, Ängste schürt und Konflikte anheizt. Der Zivile Friedensdienst setzt sich in vielen Ländern, so auch auf den Philippinen, dafür ein, dass die Prinzipien und Fertigkeiten, die für einen konfliktsensiblen Journalismus erforderlich sind, Verbreitung finden. Auf Mindanao hat sich die Zusammenarbeit mit den Netzwerken KuMuNet und PECOJON als besonders fruchtbar erwiesen. Das beste Beispiel dafür ist die wöchentliche Radiosendung „Bangsamoro Ngayon: Tinig Ng Kapayapaan“ (dt.: Bangsamoro Jetzt: Stimmen für den Frieden). Zudem können Studierende der Kommunikationswissenschaften inzwischen an fünf Hochschulen auf Mindanao Seminare in konfliktsensiblem Journalismus belegen. Beteiligte Dozentinnen und Dozenten haben sich zum Berufsverband MEM zusammengeschlossen und setzen sich dafür ein, weitere Hochschulen von der Notwendigkeit zu überzeugen. Auch mit dem MEM ist der ZFD in einer produktiven Zusammenarbeit verbunden.


Weitere Informationen zur Konferenz (Texte, Fotos und Videos) finden Sie auf dem eigens eingerichteten Facebook-Profil der Konferenz. Einen Mitschnitt der Eröffnungsreden von Rev. Father Joel Tabora, Präsident der Ateneo de Davao University, und Dr. Balázs Kovács hat Jun Enriquez, Geschäftsführer der ZFD-Partnerorganisation CSO-FP, via YouTube bereitgestellt (ein Klick auf den Namen leitet direkt zum Mitschnitt weiter).

Mehr über die Bedeutung der Medien für den Friedensprozess auf Mindanao erfahren Sie in unserem Dossier Gewaltprävention von 2017.

Foto: John Russell Macale (UM Tagum College)