Mexiko: Ein Hoch auf die Menschenrechte

4.7.2019

Die ZFD-Partnerorganisation „Tequio Jurídico“ wurde vor kurzem mit dem nationalen Menschenrechtspreis „Don Sergio Méndez Arceo“ ausgezeichnet. Der Preis würdigt ihren gefährlichen und doch unermüdlichen Einsatz für die Rechte der indigenen Bevölkerung im Bundesstaat Oaxaca im Süden Mexikos.

Menschenrechtsarbeit in Mexiko ist lebensgefährlich. Seitdem den Drogenkartellen 2006 der Krieg erklärt wurde, versinkt das Land in einem Strudel der Gewalt. Mehr als 250.000 Menschen haben in Folge dessen ihr Leben verloren. Auch Konflikte um Land, Ressourcen und Macht führen regelmäßig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, auch in der Strafjustiz. Ein Großteil der in Mexiko begangenen Straftaten wird juristisch nicht verfolgt. Dies hat verheerende Folgen für die Arbeit von Menschen, die sich für Gerechtigkeit und Recht stark machen. Sie werden bedroht, illegal verhaftet, gefoltert und ermordet. Viele verschwinden spurlos. Etwa 40.000 Menschen gelten als vermisst. Seit 2010 stuft das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) den Konflikt als innerstaatlichen Krieg ein.

Eine Auszeichnung wie der nationale Menschenrechtspreis „Don Sergio Méndez Arceo“ macht Mut, trotz der Bedrohungen am Ball zu bleiben. Die diesjährige Preisverleihung fand am 13. April 2019 in der Kapelle der Kathedrale von Cuernavaca statt. Cuernavaca ist die Hauptstadt des Bundesstaates Morelos und Sitz der Stiftung „Don Sergio Méndez Arceo“. Neben der ZFD-Partnerorganisation „Tequio Jurídico“ wurde die Menschenrechtsaktivistin Teresa Castellanos Ruiz ausgezeichnet.

Tequio Jurídico ist eine lokale Menschenrechtsorganisation im Bundesstaat Oaxaca. Sie wurde Ende 1997 auf Initiative von jungen Männern und Frauen der Ethnie Chontal de Oaxaca gegründet und 1998 als Nichtregierungsorganisation registriert. Tequio Jurídico setzt sich für die Rechte und Selbstbestimmung der indigenen Bevölkerung ein. Die Organisation unterstützt gegenwärtig indigene Gemeinden verschiedener Ethnien im südlichen Bergland und an der Küste des Bundesstaates Oaxaca beim Schutz ihres Territoriums und der Stärkung ihrer Autonomie. Zu den Zielen von Tequio Jurídico gehört die Förderung gleichberechtigter Beziehungen zwischen Frauen und Männern sowie die Förderung des Zugangs zu Information in den Gemeinden. Darüber hinaus trägt Tequio Jurídico zur Ausbildung indigener Führungskräfte der Chontal-Region bei. Alle Mitarbeitenden der Organisation haben ein Mitspracherecht bei operativen Entscheidungen. Der Name greift das traditionelle Konzept der gemeinschaftlichen Arbeit („Tequio“) auf. „Tequio“ steht für die freiwillige, unbezahlte Arbeit, die ein Gemeindemitglied zum Wohl der Gemeinschaft erbringt. Es ist ein indigener Brauch, der in unterschiedlichen Nuancen in mehreren Gebieten Mexikos verwurzelt ist.

Der Menschenrechtspreis „Don Sergio Méndez Arceo“ wurde 1992 ins Leben gerufen, um Organisationen und Personen auszuzeichnen, die für Frieden, Selbstbestimmung und Achtung der Menschenrechte eintreten. Der Preis wird jährlich in zwei Kategorien vergeben: an Gruppen und an Einzelpersonen. Er ist mit 10.000 Pesos (für Gruppen) beziehungsweise 5.000 Pesos (für Einzelpersonen) dotiert. 2019 wurde er zum 27. Mal vergeben. Er geht auf katholischen Geistlichen Sergio Méndez Arceo (1907-1992) zurück, der von 1952 bis 1982 Bischof von Cuernavaca war. Bischof Méndez setzte sich Zeit seines Lebens vehement für die Benachteiligten der mexikanischen Gesellschaft ein.

Weitere Informationen über den Preis und die beiden Preisträgerinnen finden Sie hier (auf Spanisch)


Der Zivile Friedensdienst unterstützt die Arbeit bedrohter Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV) in Mexiko mit derzeit neun Fachkräften über die beiden Träger PBI und Brot für die Welt. Die mexikanischen MRV machen sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung stark und treten für den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und mit natürlichen Ressourcen ein. Viele haben es sich zum Ziel gesetzt, der Straflosigkeit ein Ende zu bereiten. Sie recherchieren beispielsweise Fälle von Gewalttaten und bringen sie vor Gericht. Sie untersuchen die Schicksale von Verschwundenen. Sie kämpfen gegen Landenteignungen. Sie setzen sich unter extremen Bedingungen für die Rechte benachteiligter Gruppen ein und tragen ihre Anliegen in die mexikanische und die internationale Öffentlichkeit. Durch die Präsenz des ZFD können sie in relativer Sicherheit agieren. Gemeinsam wird daran gearbeitet, dass sich die MRV besser schützen können und einen Umgang mit der permanenten Bedrohung finden. Netzwerke helfen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

Foto: Tequio Jurídico