Kamerun: Reden ist Gold

13.2.2019

Vor kurzem kamen in Tibati, einer auf 870 Metern Höhe gelegenen Stadt in der Provinz Adamaua, 40 Geistliche und Mitglieder der ansässigen Glaubensgemeinschaften zusammen. Es gab nichts zu feiern und nichts zu betrauern. Sie kamen nur, um zu reden – reden, bevor es irgendwann vielleicht zu spät ist.

Die kulturelle und religiöse Vielfalt wird in Kamerun immer häufiger zum Streitpunkt. Es wird immer wichtiger, welcher Ethnie oder welcher Religionsgemeinschaft ein Mensch angehört, aus welcher Region er kommt, welche Sprache sie spricht. Doch nicht die Vielfalt ist das Problem, sie wird zum Problem gemacht, etwa um politische oder ökonomische Interessen durchzusetzen.

Das will der lokale „Verein für interreligiösen Dialog“, der das Treffen in Tibati organisierte, nicht einfach so stehen lassen. Mit dem zweitägigen Workshop wurde daher ein Dialogforum ins Leben gerufen, das künftig regelmäßig stattfinden soll. Probleme und Konflikte sollen dadurch konstruktiv bearbeitet, im besten Fall sogar verhindert werden. Es ist von zentraler Bedeutung, dass die bestehenden und aufkommenden Konflikte nicht auf dem Rücken der Religion ausgetragen werden, damit sie die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht weiter vertiefen.

Die Auftaktveranstaltung machte deutlich, dass die offene Begegnung der Religionsgemeinschaften nicht nur möglich ist, sondern auch sehr konstruktiv sein kann. Die beiden Tage wurden genutzt, einander besser kennenzulernen und gegenseitiges Misstrauen und Vorurteile zu hinterfragen. Neben Info- und Gesprächsrunden standen auch praktische Übungen auf dem Programm, in denen die Teilnehmenden Methoden der gewaltfreien Kommunikation erprobten.

Die Gründung des Vereins in Tibati hatten die beiden ZFD-Partner „Kommission Justitia et Pax“ der Diözese Ngaoundéré und die „Kamerunische Vereinigung für interreligiösen Dialog“ initiiert. Beide Organisationen setzen sich gegen den Missbrauch von Religion als Machtinstrument und die Zunahme von damit zusammenhängenden Konflikten ein. In der Region Adamaua wurden bereits mehrere Vereine gegründet, die auf lokaler Ebene den Dialog zwischen den Religionen voranbringen. Der ZFD unterstützt dieses Vorhaben mit zwei Fachkräften.

Mehr über den Workshop in Tibati erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des AGEH-Magazins Contacts.
Mehr über die Lage in Kamerun erfahren Sie in unserem Dossier Gewaltprävention.

 

Foto: AGEH/Bernar Baima