Jordanien: Hip-Hop heißt Hoffnung

Von Jordaniens Jugend hängt ab, ob das Königreich seine Stabilität wahren kann. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Vielen Jugendlichen fehlt es jedoch an Perspektiven, was sie anfällig für Gewalt und Radikalisierung macht. Der ZFD und seine Partner setzen daher bewusst auf Jugendarbeit. Seit kurzem wird das Angebot um Hip-Hop-Workshops bereichert. Eine erste Kostprobe gab es zur 60-Jahr-Feier der deutsch-jordanischen Zusammenarbeit.

„Hip-Hop, Hoffnung und sozialer Wandel“ war das Motto einer musikalischen Revue, die fünf Jugendliche, vier junge Männer und eine Frau, auf die Beine gestellt hatten. In einem zweimonatigen Hip-Hop-Workshop hatten sie zuvor ihre Skills trainiert, Ideen entwickelt und Songs geschrieben. Das Ergebnis präsentierten sie erstmals Anfang Oktober 2019 im „C-Hub“ in Jordaniens Hauptstadt Amman. Eine Woche später traten sie dann vor 600 Gästen auf der Gala zum 60-Jährigen Bestehen der deutsch-jordanischen Entwicklungszusammenarbeit auf.

Der ZFD ist zwar noch nicht ganz so lang im Land, hat aber bei der Gelegenheit lautstark von sich reden gemacht. Denn das Hip-Hop-Projekt ist Teil der ZFD-Arbeit. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufbau von Fertigkeiten“, sagt ZFD-Fachkraft Hamzah Barhamieh. „Wir glauben an Kunst und Kultur als Mittel zur Kommunikation mit Jugendlichen.“ In den Workshops geht es nicht nur darum, das Rappen zu erlernen, sondern auch „Soft Life Skills“ zu trainieren, wie respektvollen Umgang und gewaltfreie Kommunikation. „Mit Kunst schwierige Themen ansprechen und Mut machen, junge Menschen von der Straße holen und sie einbeziehen – das sind unsere Ziele“, ergänzt Kayed Sagalla, der als ZFD-Fachkraft in den Palästinensischen Gebieten Hip-Hop-Workshops durchgeführt hat.

Die Lieder, die im Rahmen des Workshops in Jordanien entstanden sind, handeln von inneren Konflikten, von Hoffnungen und Träumen und vom erforderlichen Wandel der Gesellschaft. Teil der Gesamtshow ist ein Theaterstück, dass die Geschichte von einer jungen Frau erzählt, die beruflich unabhängig werden möchte, aber von den Traditionen ihrer Familie daran gehindert wird. Prominente Unterstützung bekamen die fünf Jugendlichen von den beiden Hip-Hop-Größen Krist Al-Zu’bi aus Jordanien und Curse aus Deutschland. Beide hatten die Jugendlichen bereits im Rahmen des Workshops gecoacht und traten auch beim Konzert im C-Hub mit auf. Curse hatte für das Theaterstück eigens einen Song geschrieben.

Die Premiere fand im C-Hub im Ammaner Stadtviertel Jabal Weibdeh statt. Der C-Hub ist ein Jugendzentrum, das vom ZFD-Partner „I-Dare (for sustainable development)“ betrieben wird. An der Außenfassade macht ein Mural von Anfang an klar, worum es hier geht: „Frieden“ steht da auf Arabisch in Streetart-Manier. I-Dare ist davon überzeugt, dass die jordanische Jugend die treibende Kraft für eine nachhaltige Entwicklung des Landes ist. I-Dare unterstützt Projekte und Initiativen junger Leute, die darauf abzielen, die Gesellschaft positiv zu verändern, durch finanzielle Unterstützung und professionelle Begleitung. Der C-Hub ist ein Lernraum, der Jugendlichen die Möglichkeit bietet, ihre unternehmerischen Kompetenzen in der Kreativwirtschaft zu verbessern.

Als musikalischer Act des Abends war auch das Sawa Sawa Soundsystem aus Ostjerusalem angereist. Die Gruppe hatte sich im Rahmen eines von Kayed Sagalla initiierten ZFD-Workshops im palästinensischen Geflüchtetenlager Shu’fat formiert. Sagalla war von 2013 bis 2018 als ZFD-Fachkraft der GIZ in Ostjerusalem im Einsatz, zuletzt als Programmkoordinator. 2019 wechselte er in das GIZ-Programm LEAD (Stärkung weiblicher Führungskräfte im Nahen Osten) und brachte den Hip-Hop mit nach Jordanien. „Wurde Zeit die Vibes nach Amman zu holen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Denn keine Jugendkultur passt besser zur Friedensarbeit als Hip-Hop, ist sein Credo.

Gemeinsam mit den vier angereisten Mitgliedern vom Sawa Sawa Soundsystem studierten die jordanischen Jugendlichen in den drei Tagen vor dem Konzert auch eine gemeinsame Performance ein, die ebenfalls zum Besten gegeben wurde. Zum Ende des Abends im C-Hub kam auch der deutsche Rapper Curse noch mal auf die Bühne. Der 41-Jährige, der seit mehreren Jahren auch als Coach arbeitet, schreibt schon immer politische Texte, doch sind seine Songs im Laufe der Jahre nachdenklicher geworden. An diesem Abend rappte er über Frieden, Toleranz und Freundschaft – und auch wenn der Groβteil des Publikums kein Deutsch verstand, so kam die Message doch bei allen an.

Die Feier zu 60 Jahren deutsch-jordanische Entwicklungszusammenarbeit fand schließlich am 12. Oktober 2019 im „Children’s Museum Jordan“ in Amman statt. Hier konnten die fünf Youngsters auch vor großem Publikum zeigen, was sie drauf haben. Für die Jugendlichen waren beide Auftritte eine große Nummer, von der sie noch lange zehren werden. Zum ersten Mal standen sie auf einer Bühne, und völlig zu Recht wurden sie vom Publikum gefeiert.


Der Zivile Friedensdienst ist derzeit mit 13 Fachkräften von drei Trägern in Jordanien aktiv. Mehr Infos über die verschiedenen ZFD-Projekte finden Sie in unserer Projektdatenbank. Mehr über Hip-Hop als Friedensarbeit mit palästinensischen Jugendlichen in Ost-Jerusalem erfahren Sie in unserem Beitrag Hip-Hop als Friedensarbeit? „Keine Jugendkultur passt besser.“ im Dossier Gewaltprävention.

Das Sawa Sawa Soundsystem und Michael „Curse“ Kurth performten auch bei der Jubiläumsveranstaltung 20 Jahre Ziviler Friedensdienst am 4./5.12.19 in Berlin. Mehr dazu finden Sie im Beitrag 20 Jahre ZFD: Frieden ist der Anfang von allem. Zur Webpräsenz von Curse geht es hier und Aktuelles vom Sawa Sawa Soundsystem gibt es hier. Eine Pressemitteilung zur Jubiläumsfeier der deutsch-jordanischen Zusammenarbeit (inkl. Fotos der Hip-Hop-Performance) hat die Deutsche Botschaft in Amman herausgegeben.

Quelle: Lena Hollender/GIZ, The Jordan Times; Fotos: GIZ (oben), Jorean Torsten Daenhardt/GIZ (unten)