Corona-Pandemie: Jede Stimme von Belang

30.7.2020

Die Corona-Pandemie hat bereits bestehende Probleme in Simbabwe verschärft. Zu dieser Einschätzung kommt die ZFD-Partnerorganisation ZimRights. ZimRights dokumentiert auch fortlaufend, wie sich COVID-19 und der Umgang damit auf die Situation im Land und das Leben der Menschen auswirken. Nun hat die Menschenrechtsorganisation eine umfassende Analyse der (Menschenrechts-) Lage vorgelegt: „Rights in Crisis“ ist der Titel – und zugleich das Resümee.

„Wir haben oft angemerkt, dass COVID-19 vielleicht nicht das dringlichste Problem für unser Land ist,“ schreibt das Redaktionsteam von ZimRights in einer ihrer jüngsten Publikationen. „Die Herausforderungen, mit denen die Gemeinden konfrontiert sind, haben schon lange vor dem Ausbruch von COVID-19 begonnen. Aber der Lockdown hat uns ermöglicht, die Lage zu sehen, wie sie wirklich ist. Wir sind uns unserer Verwundbarkeit bewusster geworden. (...) Vor allem aber sind wir uns unserer Fähigkeit bewusst geworden, füreinander zu sorgen.“

Seit dem Aufkommen von COVID-19 haben die Mitarbeitenden von ZimRights zahlreiche Menschen befragt, welche Auswirkungen Virus und Lockdown auf ihr Leben haben. Unter dem Motto „Their Voices Matter“ („Ihre Stimmen sind von Belang“) wurden zwischen März und Juli 2020 über 600 Stimmen auf den digitalen Kanälen der Organisation veröffentlicht. Eine Auswahl wurde zudem in sieben Berichten der „Their Voices Matter“-Reihe publiziert. Dabei ist ein breites Spektrum der Gesellschaft zu Wort gekommen: Geschäftsleute und Gemeindevorsteher, Expertinnen und Aktivisten, Opfer von Menschenrechtsverletzungen wie auch Sicherheitskräfte. Dementsprechend finden sich unter den Beiträgen Geschichten, die Mut machen, Einschätzungen, die informieren, aber auch Berichte, die schockieren.

Sinn und Zweck der Aktion war es, einerseits der allgemeinen Bevölkerung Gehör zu verschaffen, andererseits ein umfassendes Bild über die Auswirkungen der Pandemie auf sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu erlangen. Der nun veröffentlichte, 50-seitige Bericht Rights in Crisis. A Human Rights Analysis of the COVID-19 Pandemic in Zimbabwe („Rechte in der Krise. Eine Analyse der Menschenrechte während der COVID-19-Pandemie in Simbabwe“) fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen. Dabei werden insbesondere das Gesundheitssystem, die Menschenrechtslage, die Folgen für Armut und Ernährungssicherung sowie die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Pandemie unter die Lupe genommen. Der Bericht „Rights in Crisis“ schließt mit Empfehlungen für Politik, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, die dazu beitragen sollen, dass Simbabwe gestärkt aus der Krise hervorgeht. Denn trotz aller Negativentwicklungen sehen die Mitarbeitenden von ZimRights durchaus die Chance, die Erfahrungen während der Corona-Krise für einen positiven Wandel zu nutzen.

Mit „Rights in Crisis“ hat ZimRights die wohl umfassendste Analyse der (Menschenrechts-) Lage in Simbabwe während der COVID-19-Pandemie vorgelegt. Doch damit ist die Arbeit nicht getan. ZimRights wird weiterhin die Lage im Blick behalten und für die Menschenrechte eintreten. Mit der kürzlich gestarteten Kampagne #BeTheChampion4Rights werden beispielsweise Menschen vorgestellt, die sich in ihren Gemeinden für die Menschenrechte einsetzen. Aktuelle Aktivitäten der Organisation finden Sie auf Twitter und Facebook.


ZimRights steht für „Zimbabwe Human Rights Association“, die größte landesweit agierende Menschenrechtsorganisation in Simbabwe. ZimRights setzt sich durch Bildung, Rechtsbeistand, psychosoziale Unterstützung sowie Lobby- und Advocacyarbeit dafür ein, dass Gemeinden dazu befähigt werden, die Grund- und Menschenrechte zu gewährleisten. Seit Gründung der Organisation 1992 haben über 225.000 Menschen von der Arbeit von ZimRights profitiert. ZimRights unterhält vier Regionalbüros in Harare, Bulawayo, Mutare und Masvingo. Auf den Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Januar 2020 und die Abriegelung Simbabwes im März hat ZimRights umgehend reagiert. Dabei wurden und werden drei Wege beschritten: Zum einen die Beobachtung und Dokumentation der Menschenrechtslage während des Lockdowns und zum zweiten die Interessenvertretung besonders verwundbarer Bevölkerungsgruppen. Darüber hinaus leisteten zahlreiche Mitglieder von ZimRights humanitäre Hilfe, um die wirtschaftlichen Folgen für die am ärgsten Betroffenen abzufedern.

Der Zivile Friedensdienst unterstützt die Arbeit von ZimRights seit 1999. Anfangs standen die Aufarbeitung der gewaltvollen Konflikte und die Versöhnung zwischen den Bevölkerungsgruppen Ndebele und Shona in Matabeleland im Süden Simbabwes im Zentrum der Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt der Kooperation auf die Dialogarbeit zwischen Gemeindemitgliedern, lokalen Autoritäten und Provinzräten auf Gemeindeebene. Bürgerinnen und Bürger können dadurch ihre Probleme und Anliegen bei den zuständigen Provinzräten auf konstruktive Weise einbringen, die Provinzräte wiederum lernen, die Bedürfnisse der Bevölkerung bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.

Die gezeigten Fotos und Abbildungen sind folgenden ZimRights-Publikationen entnommen: „Their Voices Matter. Week 7 Report“ (Cover + S. 23), „Their Voices Matter. Week 6 Report“ (S. 12) sowie „Rights in Crisis. A Human Rights Analysis of the COVID-19 Pandemic in Zimbabwe“ (S. 29).