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Nepal: Interreligiöses Vertrauen durch Dialog aufbauen
04.08.2026Im Südosten Nepals etabliert die Partnerorganisation des ZFD-Trägers GIZ, das „All People’s Development Centre“ (APEC), eine gemeindebasierte, außergerichtliche Streitbeilegungzur Förderung der Versöhnung und des sozialen Friedens. Ram Kumari Das wurde im Rahmen dieses Projekts zur Dialogmoderatorin ausgebildet. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.
Nach gewaltsamen Spannungen zwischen Hindus und Muslimen in Lahan gründete APEC mit Unterstützung des ZFD ein interreligiöses Dialogkomitee, das Vertrauen und friedliches Zusammenleben fördert. Ram Kumari Das berichtet wie sie als Dalit-Frau aus einer historisch diskriminierten Bevölkerungsgruppe durch Konfliktvermittlung zu einer wichtigen Stütze ihrer Gemeinschaft wurde. Sie beschreibt hier, wie Dialog ihr half, traditionelle Männerrollen kritisch zu hinterfragen und sich für die stärkere Beteiligung von Frauen und marginalisierten Gruppen einzusetzen – ein zentrales Ziel der Arbeit von ZFD und APEC.
Konflikt zwischen Hindus und Muslimen
"2016 wurde meine Heimatstadt Lahan von Gewalt erschüttert. Die Spannungen zwischen Hindus und Muslimen eskalierten, nachdem Gerüchte aufkamen, Muslime hätten während des hinduistischen Tihar-Festes eine Kuh getötet. Die anschließenden gewaltsamen Auseinandersetzungen machten ein friedliches Zusammenleben unvorstellbar.
Um den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften wiederherzustellen, wurde nach einem Jahr intensiver Gespräche das „Hatemalo Interreligious Dialogue Committee“ gegründet. Ich bin seit Beginn Mitglied dieses Ausschusses, den das „All Peoples’ Development Centre“ (APEC) ins Leben gerufen hatte, um weitere Gewalt zu verhindern.
Anfangs glaubte ich nicht, dass ein erfolgreicher Dialog zwischen Hindus und Muslimen möglich wäre. Misstrauen und gegenseitige Vorwürfe prägten das Zusammenleben. Doch in zahlreichen Dialogrunden mit religiösen Führungspersönlichkeiten, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, Lehrkräften und Behörden entstand nach und nach Vertrauen. Die Beteiligten hörten einander zu, ohne Schuldzuweisungen, und verabschiedeten schließlich eine 11-Punkte-Vereinbarung für ein friedliches Zusammenleben.
Als Dalit-Frau dem Dialogprozess gestalten
Als Madeshi- und Dalit-Frau erfüllte es mich mit Stolz, diesen Prozess mitzugestalten. Mein Leben lang hatte ich Ausgrenzung erlebt – nun konnte ich selbst dazu beitragen, Vorurteile zu überwinden und Brücken zwischen Gemeinschaften zu bauen. Inzwischen gehören dem Dialogkomitee auch buddhistische und christliche Führungspersönlichkeiten an.
Diese Erfahrung weckte in mir den Wunsch, mich intensiv mit Dialog und friedlichem Wandel zu beschäftigen. Durch Schulungen, Workshops und Dialoggipfel von APEC mit Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes lernte ich, wie wichtig aktives Zuhören, Geduld, Unparteilichkeit und das Vertrauen in die Fähigkeiten der Konfliktparteien sind. Statt Ratschläge zu geben, unterstütze ich Menschen heute dabei, eigene Lösungen zu entwickeln.
Mit der Zeit wurde ich immer häufiger gebeten, Dialoge zu moderieren und Konflikte in meiner Gemeinde zu begleiten. Dieses Engagement verschaffte mir Anerkennung: Ich wurde zweimal zur Bezirksrätin gewählt und in den Justizausschuss der Gemeinde Lahan berufen. Als Dalit-Frau bin ich stolz, meine Gemeinschaft vertreten und den Anliegen benachteiligter Menschen Gehör verschaffen zu können.
Heute moderiere ich mehr als 30 Konfliktfälle pro Jahr. Wenn Menschen wütend oder verängstigt sind, höre ich ihnen zunächst zu und begegne ihnen mit Mitgefühl. Erst danach unterstütze ich sie dabei, ihre Gedanken auszusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dialog ist für mich zu einer Lebensaufgabe geworden.
Die Arbeit ist herausfordernd und verlangt auch Selbstfürsorge. Dennoch erfüllt sie mich mit großer Freude. Ich bin überzeugt, dass Dialog Konflikte entschärfen kann, bevor sie in Gewalt münden, und dass nachhaltiger Frieden – in meiner Gemeinschaft und in ganz Nepal – möglich ist.“
Text: Ram Kumari Das
Dieser gekürzte und leicht angepasste Text stammt aus der Publikation „Voice over Silence STORIES OF CHANGE“, die vom ZFD-Träger GIZ in Nepal veröffentlicht wurde. Die Publikation stellt sechs nepalesische Friedensstifter*innen und ihre Geschichten vor. Alle Autor*innen waren in unterschiedlichen Funktionen für den ZFD in Nepal tätig.