Projekte

Lokal und grenzübergreifend: Versöhnungsinitiativen für Frieden und Demokratie

ZFD-Akteur: AGIAMONDO
Projektland: BurundiDemokratische Republik KongoRuanda
Projektlaufzeit: 
2019 bis 2021

Konfliktkontext: Die Region der Afrikanischen Großen Seen wird seit Jahrzehnten von politischer Instabilität, bewaffneten Auseinandersetzungen und Ressourcenkonflikten erschüttert. Die Folgen sind schwerste Menschenrechtsverletzungen und humanitäre Krisen. In den vergangenen 20 Jahren wurden mehrere Millionen Menschen Opfer von Gewalt und Vertreibung. Obwohl die Bürgerkriege in der DR Kongo und in Burundi 2003 bzw. 2005 offiziell beendet wurden, bleibt die Lage angespannt. Die Konfliktursachen sind nicht behoben, die Gräueltaten nicht aufgearbeitet. Viele Menschen sind traumatisiert, die meisten verarmt. Ethnische Rivalitäten verstärken sich oder brechen erneut auf. Bewaffnete Gruppen unterwandern die Friedensbemühungen, genauso wie manch politischer Machthaber selbst. In den letzten Jahren ist die Gewalt wieder eskaliert. Burundi befindet sich seit 2015 in einer innenpolitischen Krise, angestachelt durch das umstrittene dritte Mandat von Präsident Pierre Nkurunziza. Die burundische Regierung hat internationale Nichtregierungsorganisationen angewiesen, die ethnischen Hintergründe der eigenen Mitarbeitendenr zu dokumentieren und an die burundischen Behörden weiterzuleiten. Diese Einmischung bereitet nationalen wie internationalen Organisationen große Sorge. In der DR Kongo spitzte sich die Lage seit Ende 2016 zu, da Ex-Präsident Joseph Kabila ebenfalls eine verfassungswidrige dritte Amtszeit anstrebte. Ende Dezember 2018 fanden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ohne den Amtsinhaber statt. Die nationale Wahlkommission erklärte – trotz Vorwürfen der Wahlfälschung – Felix Tshisekedi zum Sieger. Er wurde Ende Januar 2019 als neuer Präsident vereidigt. Nun wird sich zeigen müssen, inwiefern Präsident Tshisekedi sich vom Einfluss von Ex-Präsident Kabilas lösen und eine eigene politische Agenda durchsetzen kann und will. In beiden Ländern bleibt die Lage angespannt. Ruanda hat in den 25 Jahre nach dem Völkermord von 1994 Fortschritte in Richtung Frieden und Entwicklung gemacht. Gleichwohl bleibt nationale Versöhnung eine wesentliche Aufgabe, die sowohl für die Stabilisierung Ruandas als auch der Region wichtig ist. Die Beziehungen zwischen Burundi, der DR Kongo und Ruanda sind belastet. In den letzten Jahren kam es vereinzelt zu grenzübergreifenden Gefechten. Die Gefahr eines Flächenbrandes, der die ganze Region erfasst, ist real.

Projekt: Momentan befindet sich das Projekt in einem Übergangs- und Neuausrichtungsprozess: Die Zusammenarbeit konzentriert sich im Folgenden auf den Osten der DR Kongo, Burundi und Ruanda. Jedes der drei Projektländer hat seine spezifischen Gegebenheiten, die Konflikte und Gewalt schüren. Dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten. Einige Konflikte bedingen sich gegenseitig. Durch das Regionalprogramm Große Seen wird diesem Umstand Rechnung getragen. Fachkräfte des ZFD unterstützen lokale Partnerorganisationen in allen drei Ländern, bei diesem Projekt vor allem die bischöflichen Gerechtigkeits- und Friedenskommissionen. Sie engagieren sich auf Gemeindeebene sowohl in der Aufarbeitung der Vergangenheit, als auch in der Gestaltung eines friedlichen Miteinanders im Hier und Jetzt. Traumatisierte Menschen, insbesondere von Gewalt betroffene Frauen, erhalten professionelle psychosoziale Unterstützung. Versöhnungsinitiativen bringen verfeindete Menschen einander wieder näher. Qualifizierte Mediations-Teams stehen zur Schlichtung akuter Konflikte etwa um Landnutzung bereit. Sie gelten als unbestechlich und „allparteilich“, und erfahren zunehmend Respekt. Außerdem machen die Partner für einen transparenten Abbau der vorhandenen Rohstoffe mobil, von dem auch die lokale Bevölkerung profitiert. Neben Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit klären sie die Menschen über ihre Rechte und Pflichten auf. So können sich die Menschen besser in Entscheidungsprozesse einbringen. Auf diese Weise wird der Friedensprozess auf lokaler Ebene angeregt. Darüber hinaus zeigt die Arbeit auf regionaler und nationaler Ebene Wirkung. Dies gelingt über die weit verzweigten kirchlichen Strukturen, die Vernetzung der Zivilgesellschaft und durch eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Partner. In der DR Kongo begleiteten die Partner des ZFD beispielsweise den Wahlprozess mit Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie Radiosendungen, um möglichst flächendeckenden gewaltfreien Verlauf zu erreichen.

Projektpartner: 
CDJP-Bukavu
CDJP-Cyangugu
CEJP-Bujumbura
Centre Diocésaine de Communication (CEDICOM)
Centre National d'Appui au Développement et à la Participation (CENADEP)
Projektstandorte: 
Bujumbura
Bukavu
Cyangugu
Zielgruppen: 
allgemeine Bevölkerung sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger auf lokaler Ebene, Menschen, insbesondere Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind
ZFD-Fachkräfte (im Einsatz): 
4
Stand: 
2. Quartal 2020
Weitere Informationen: 

CEJP = Commission Episcopale Justice et Paix; CDJP = Commission Diocésaine Justice et Paix

Anliegerstaaten der Großen Seen sind Burundi, DR Kongo, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda. Das Projekt ist in Burundi, DR Kongo und Ruanda angesiedelt und setzt auch auf eine länderübergreifende Zusammenarbeit. Weitere Informationen zur Situation in den einzelnen Ländern finden Sie ebenfalls in unserer Projektdatenbank (mit Ausnahme von Tansania, wo derzeit kein ZFD-Projekt verortet ist).