Projekt

Zusammenhalt fördern: Friedenspädagogik in der Ostukraine

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Ukraine

Projektlaufzeit

2017 bis 2020

Konfliktkontext: Nachdem sich die damalige Regierung im November 2013 überraschend gegen eine Annäherung an die Europäische Union positioniert hatte, kam es zu großen Protesten, die auf dem Majdan in der Hauptstadt Kiew ihren Höhepunkt fanden. Hunderttausende demonstrierten gegen den Kurs der Regierung, gegen Korruption und gegen die Einschränkung der Menschen- und Bürgerrechte. Im Februar 2014 eskalierte die Situation. Die Annexion der Krim durch Russland im März 2014 sorgte für weiteren Zündstoff. Zudem riefen prorussische Separatistengruppen kurz darauf die Unabhängigkeit der beiden Regionen Luhansk und Donezk im Osten des Landes aus. Seitdem ist die Region Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Separatisten, verschiedenen Milizen und ukrainischen Truppen. Dabei haben bislang über 13.000 Menschen ihr Leben verloren, darunter etwa 3.300 Zivilistinnen und Zivilisten. Über drei Millionen Menschen sind aus den umkämpften Gebieten geflohen. Davon haben rund zwei Millionen in anderen Landesteilen der Ukraine Schutz gesucht. Trotz der 2015 im „Minsker Abkommen“ vereinbarten Waffenruhe ist ein Ende der Gewalt nicht absehbar. Teile beider Bezirke stehen unter der Kontrolle separatistischer Kräfte. Die Krim gehört völkerrechtlich zwar weiterhin zur Ukraine, wird aber faktisch von Russland kontrolliert. Das gesellschaftliche Klima in der Ukraine ist extrem angespannt: Differenzen zwischen lokaler Bevölkerung und Binnenvertriebenen, zwischen proeuropäischen und prorussischen Gruppen sowie zwischen Bevölkerung und staatlichen Institutionen gehen mit einem hohen Konfliktpotenzial einher. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Perspektiven schlecht und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Mitbestimmung gering. Viele Menschen haben das Vertrauen in die Verwaltung und die staatliche Ordnung verloren und setzen zunehmend auf das Recht des Stärkeren. Seit 2014 ist die Schwelle zum Einsatz von Gewalt stark gesunken. Aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Ostukraine, der Vielzahl vorhandener Waffen im Land, der prekären Wirtschaftslage und der innergesellschaftlichen Spannungen besteht die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation auch in anderen Landesteilen. Die Präsidentschaftswahl 2019 gewann deutlich der Politneuling Wolodymyr Selenskyj gegen den bisherigen Amtsinhaber Petro Poroschenko. Auch bei den Parlamentswahlen im Juli 2019 hat Selenskyjs noch junge Partei die absolute Mehrheit errungen. In seiner Antrittsrede nannte Selenskyj die Beendigung des Krieges im Osten des Landes als vorrangige Aufgabe. Russland forderte er zur Rückgabe der Krim auf.

Projekt: Der Fokus des Projekts liegt auf der jungen Generation. Sie wächst in einem extrem angespannten Klima auf, das mit massiven Vorurteilen gegenüber anderen einhergeht. Sie ist aber auch vergleichsweise offen, diese stereotypen Zuschreibungen zu hinterfragen. Zusammen mit Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Bildungsbehörden werden friedenspädagogische Ansätze entwickelt, die das Gemeinsame betonen und den Wert von Vielfalt verdeutlichen. Aktuell werden diese Ansätze in regionalen und landesweiten Schulversuchen getestet. Neben Maßnahmen, die Kunst, Theater und Musik zur Konfliktbearbeitung einsetzen, finden sich darunter auch das „SEE Learning“ („Social, Emotional and Ethical Learning“), ein Produkt aus westlichen und östlichen Bildungskonzepten, sowie die „Peaceful School“, die auf Peer-Mediation und den sogenannten „Restorative Practices“ aufbaut (ein im englischsprachigen Raum verbreiteter Ansatz, der ein stärkendes und inklusives Schulklima anstrebt). Bei der Umsetzung der Maßnahmen werden die Lehrkräfte, Psychologinnen und Psychologen sowie die Schulverwaltung von den Fachkräften des ZFD und seiner Partnerorganisationen beraten und begleitet. Langfristig sollen friedenspädagogische Inhalte über die Projektschulen hinaus an den Bildungseinrichtungen der Region Einzug erhalten. Durch Einbezug der lokalen und nationalen Hochschulverwaltungen wird bereits ein Bewusstsein für die Notwendigkeit friedenspädagogischer Arbeit geschaffen, welches zu deren dauerhafter Verankerung in der Lehrkräfteausbildung führen soll. Darüber hinaus fördert das Projekt den Dialog zwischen polarisierten gesellschaftlichen Gruppen, etwa zwischen Binnengeflüchteten und der Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden oder ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern und der lokalen Verwaltung. Durch partizipative Dialogforen, bei denen alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt vertreten sind, sollen Konflikte auf lokaler Ebene gewaltfrei bearbeitet werden. Die Fachkräfte des ZFD unterstützen diese Dialogprozesse methodisch, fachlich, logistisch und in der Vernetzung mit relevanten Akteurinnen und Akteuren. Der regionale Schwerpunkt des Projekts liegt in den drei östlichen Verwaltungsbezirken (= Oblaste) Kharkiv, Dnipropetrovsk und Zaporizhzhya, die direkt an die umkämpften Oblaste Donezk und Luhansk im Donbass angrenzen. Perspektivisch sollen die Projektaktivitäten auch in den Grenzregionen des Donbass ausgebaut werden.

Projektpartner

Bildungsabteilungen in den Oblasten
Dignity Space
EdCamp Ukraine
Institute for Peace and Common Ground
Ministerium für Bildung und Wissenschaft, Institut für Modernisierung der Bildungsinhalte
Power of the Future
Regionale Akademie für Lebenslanges Lernen Dnipropetrowsk

Projektstandorte

Charkiw
Dnipropetrowsk
Saporishja

Zielgruppen

Schlüsselakteure und Partner sind das ukrainische Bildungsministerium, die lokalen Schulverwaltungen, pädagogische Universitäten und zivilgesellschaftliche Organisationen. Endbegünstigte sind die lokalen Bevölkerungsgruppen, insbesondere Jugendliche

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

5

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

2. Quartal 2021