Projekt

Vergangenheit aufarbeiten, Benachteiligte stärken, Konflikte friedlich regeln

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland

Liberia

Projektlaufzeit

2017 bis 2021

Konfliktkontext: Liberia ist bis heute von einem blutigen Bürgerkrieg gezeichnet, der von 1989 bis 2003 andauerte. Mehr als 800.000 Menschen mussten damals aus den Kriegsgebieten fliehen, etwa 270.000 verloren ihr Leben. Städte und Dörfer wurden geplündert, die Infrastruktur samt Schulen, Krankenhäusern, Wasser- und Elektrizitätswerken, wurde vielerorts weitgehend zerstört. Die meisten Menschen in Liberia, Opfer wie Täter, haben traumatisierende Erfahrungen gemacht. Diese Traumata jedoch wurden weder juristisch, noch therapeutisch ausreichend aufgearbeitet. Auch gesamtgesellschaftlich und auf politischer Ebene hat kaum eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Kriegsjahre stattgefunden. Nach wie vor kämpft Liberia daher, wie viele Post-Konflikt-Länder, mit bestehenden und drohenden Konflikten. Das Konflikt- wie auch das Gewaltpotential ist in der Bevölkerung hoch. Es gibt zahlreiche Konflikte in den Gemeinden, die oft mithilfe von Gewalt gelöst werden. Auch ethnische Konflikte, die erst während des Krieges entstanden sind, dauern an. Diskriminierung und Gewalt gegen Kinder und Frauen sind weit verbreitet. Die Ebola-Epidemie hat das Land erneut massiv in seiner Entwicklung zurückgeworfen. Das Virus brach 2014 aus und konnte erst Anfang 2016 gestoppt werden. Neben dem wirtschaftlichen Schaden verursachte die Epidemie eine (Re-) Traumatisierung vieler Menschen und erschütterte das seit Kriegsende mühsam aufgebaute Vertrauen. Für die Jugend gibt es wenig Perspektiven, vor allem aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit. Verarmung und Verelendung zeigen sich in den stetig wachsenden Armutsvierteln der Hauptstadt Monrovia, aber auch in den ländlichen Gebieten des Landes. Die Menschenrechtslage hat sich unter der Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf seit 2006 verbessert. Dennoch gibt es weiterhin Schwachstellen: Defizite im Justizwesen, fehlende Transparenz politischer Entscheidungen und Korruption, führen dazu, dass die Bevölkerung wenig Vertrauen in die eigene Regierung, wie auch in Polizei und Justiz hat. Viele Menschen in Liberia erleben ihre Lage als aussichtslos. Vielen bleibt der Zugang zu Ausbildung, Beschäftigung, Gerechtigkeit und Gesundheit verwehrt. So ist die Situation in Liberia auch 15 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich fragil. Seit Januar 2018 ist George Manneh Weah Präsident und Regierungschef der Republik Liberia. Seine Vorgängerin Sirleaf konnte nach zwei Amtsperioden nicht wieder kandidieren. Präsident Weah hat vor allem der Armut und der Korruption den Kampf angesagt. Da Weah selbst in einer informellen Siedlung in Monrovia aufgewachsen ist, setzt insbesondere die arme Bevölkerung in Liberia große Hoffnungen in seine Präsidentschaft.

Projekt: Der ZFD unterstützt in Liberia in diesem Projekt zehn lokale Partnerorganisationen in ihrem Engagement, die Vergangenheit aufzuarbeiten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen besseren Zugang zu Recht und Gerechtigkeit zu verschaffen. Die Partner arbeiten vor allem auf Basisebene und sind dadurch nah dran am Geschehen und den betroffenen Menschen. Durch ihre regionale Verwurzelung genießen sie großes Vertrauen in der lokalen Bevölkerung und werden auch von politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, darunter auch Polizei, Gefängnisverwaltungen und Justiz, sowie von traditionellen und religiösen Autoritäten gehört. Zielgruppen des Projekts sind sowohl die Mitarbeitenden der Partnerorganisationen selbst, als auch Lehrpersonal an Schulen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Studierende, Schülerinnen und Schüler, Laienrechtsberaterinnen und -berater, Frauen und Basisorganisationen. Zu den Partnern gehören beispielsweise die „Friedens- und Gerechtigkeitskommissionen“ (Justice and Peace Commission, JPC) der beiden Diözesen Gbarnga und Cape Palmas. Die JPC organisieren Aus- und Weiterbildungen in ziviler Konfliktbearbeitung in den Gemeinden beider Diözesen. Die so geschulten Gemeindemitglieder engagieren sich anschließend in der Bearbeitung konkreter Konflikte, solche die neu entstehen, wie auch solche, die in die gewaltvolle Vergangenheit zurückreichen. Die Partnerorganisationen arbeiten mit verschiedenen Gruppen von Gewalt und Trauma betroffener Menschen. Durch das Projekt werden die Menschen dabei unterstützt, sich mit ihren traumatischen Erlebnissen auseinanderzusetzen und einen besseren Umgang mit ihrer Situation zu finden. Auf nationaler Ebene werden Mitarbeitende der Erzdiözese Monrovia und des „Kofi Annan Institute for Conflict Transformation“ der University of Liberia in Trauma- und Konfliktbearbeitung geschult und beraten. In der Zusammenarbeit mit einer Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen steht insbesondere die Stärkung benachteiligter Gruppen der liberianischen Gesellschaft im Vordergrund: Die Partnerorganisation „Foundation for International Dignity“ bietet juristische Dienstleistungen insbesondere für Frauen. Ziel ist es, ihnen den Zugang zum Rechtssystem zu ermöglichen und die Ahndung von sexualisierter Gewalt voranzubringen. Die Partnerorganisation „Youth Crime Watch“ setzt sich – unter anderem durch Trainings und Fortbildungsmaßnahmen – für benachteiligte junge Menschen ein. Bei der Zusammenarbeit mit „Save My Future“ steht die Beratung indigener Gemeinden in Ressourcenkonflikten im Vordergrund.

Projektpartner

Archdiocese Youth Secretariat (Erzdiözese Monrovia)
Catholic Education Secretariat (Erzdiözese Monrovia)
Don Bosco Youth Center
Faundation for International Dignity (FIND)
Kofi Annan lnstitute for Conflict Transformation (KAICT)
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Diözese Cape Palmas
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Diözese Gbarnga
Mother Patern Health College
Save My Future Foundation (SAMFU)
Youth Crime Watch (YCW)

Projektstandorte

Cape Palmas
Erzdiözese Monrovia
Gbarnga

Zielgruppen

Lehrkräfte, Studierende, Schülerinnen und Schüler, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Laienrechtsberaterinnen und -berater, Mitarbeitenden der Partnerorganisationen, Frauen- und Basisorganisationen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Stand

2. Quartal 2021