Projekt

Studieren für eine friedliche Zukunft: Friedensbildung an Universitäten in Südostasien

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Kambodscha
Philippinen
Timor-Leste

Projektlaufzeit

2019 bis 2021

Konfliktkontext: Alle drei Projektländer sind bis heute von einer extrem gewaltvollen Vergangenheit geprägt. Auch wenn das gegenwärtige Ausmaß bewaffneter Konflikte in den drei Ländern sehr unterschiedlich ist, stehen alle drei gleichermaßen vor der Herausforderung, mit den Gewalterfahrungen der Vergangenheit umzugehen, also individuelle und kollektive Traumatisierung wie auch die Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas aufzuarbeiten. Bislang gibt es in Südostasien nur wenige Studiengänge in den Bereichen Frieden und Konfliktbearbeitung. Häufig fehlt es an Fachwissen und Ressourcen für Friedensforschung und die Verbreitung der dabei gewonnenen Erkenntnisse. Der Grund für diese Defizite ist die jahrelange Gewalt, in der ganze Bereiche der Gesellschaft, wie zum Beispiel Schulen und Hochschulen einschließlich der baulichen Infrastruktur, zerstört wurden. Wie in den meisten (Post-) Konfliktländern gilt Gewalt als normales und sozial akzeptiertes Mittel zur Bewältigung von Konflikten.

Kambodscha: Die Gräuel der Roten Khmer und jahrzehntelange Bürgerkriege lasten nach wie vor auf der kambodschanischen Gesellschaft. Unter den Roten Khmer starb zwischen 1975 und 1979 etwa ein Viertel der Bevölkerung durch Zwangsarbeit, Hungersnöte, Folter und Mord. Erst 1991 wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet; der Guerillakrieg der Roten Khmer endete aber faktisch erst 1999. 70 Prozent der Bevölkerung sind zwar unter 30 Jahre alt und kennen die Geschichte nur aus vagen Erzählungen. Da die Gräuel aber eher verdrängt als aufgearbeitet wurden, ist auch die junge Generation mit (?) den Folgen der Traumatisierung aufgewachsen. Die Aufarbeitung nach dem Vorbild internationaler Gerichtshöfe begann 2007. Doch im öffentlichen und privaten Diskurs wie auch im Bildungssystem wurde die gewaltvolle Vergangenheit lange Zeit ausgeblendet. Die Menschen in Kambodscha kämpfen nach wie vor mit ihrem schmerzhaften Erbe und müssen gleichzeitig mit den aktuellen Problemen Armut, Arbeitslosigkeit, politischen Spannungen und einem unzureichenden Gesundheits- und Bildungssystem klarkommen. In der Folge nimmt auch der in Teilen historisch verwurzelte Rassismus gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten zu.

Philippinen: Die Inselgruppe Mindanao im Süden der Philippinen wird seit Jahrzehnten von gewaltsamen Auseinandersetzungen erschüttert. Neben Konflikten zwischen Militär und verschiedenen Rebellen- und Separatistengruppen, bestimmen Ressourcenkonflikte und Konflikte zwischen ethnischen Gruppen und Clans das Bild. Offiziell beendete 2014 ein Friedensvertrag den bewaffneten Konflikt. Dennoch kommt es weiterhin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nicht alle Bevölkerungsgruppen fühlen sich im Friedensprozess ausreichend berücksichtigt. Hinzu kommt, dass wesentliche Konfliktursachen fortbestehen: die ungleiche Verteilung von Land und Ressourcen, die Ausgrenzung großer, insbesondere muslimischer und indigener Bevölkerungsgruppen, sowie die weitverbreitete Armut. In den letzten Jahren haben sich neue bewaffnete Gruppen formiert, die zum Teil der Terrororganisation „IS“ nahestehen. Auch die Konflikte mit der „Neuen Volksarmee“, dem bewaffneten Arm der kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), dauern an. Nachdem IS-nahe Gruppen im Mai 2017 die Stadt Marawi eingenommen hatten, verhängte Präsident Rodrigo Duterte bis Ende 2019 das Kriegsrecht. Der Friedensprozess gerät durch das Aufflammen der Gewalt immer wieder ins Wanken.

Timor-Leste: Seit dem Ende der indonesischen Besatzung 1999 und der Unabhängigkeit 2002 stehen Regierung und Gesellschaft immer noch vor der immensen Aufgabe, ein zerstörtes Land aufzubauen. Das betrifft die materiellen Schäden an Infrastruktur, Wirtschaft und Verwaltung, aber auch die psychosozialen Wunden. Viele Menschen sind traumatisiert. Konflikte werden weiterhin häufig gewaltsam ausgetragen, und auch häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder ist verbreitet. Die Hoffnung, die Unabhängigkeit werde eine Verbesserung des Lebensstandards bringen, hat sich für die meisten Menschen bislang nicht erfüllt. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Ein Drittel der Menschen kämpft täglich darum, satt zu werden. Seit Jahren nehmen Streitigkeiten wegen ungeklärter Land- und Wasserrechte an Häufigkeit und Schärfe zu. Es mangelt zudem an Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die prekäre Lage der unter 25-Jährigen, die über 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen, birgt ein hohes Konfliktpotential in sich. Als Folge der bislang nicht gelösten Probleme kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Projekt: Der ZFD unterstützt mit dem vorliegenden Projekt „Southeast Asian University Partnership for Peacebuilding and Conflict Transformation“ (SAUP) die Friedensbildung an Partneruniversitäten in Kambodscha, Philippinen und Timor-Leste. Die entsprechenden Fakultäten der ausgewählten Unis werden beim Aufbau von Studiengängen der Friedens- und Konfliktforschung sowie bei der Entwicklung und Umsetzung von Lehrplänen beraten. Dabei spielt die Vernetzung von Wissenschaft, Friedensforschung und -praxis eine zentrale Rolle. Ein besonderer Fokus liegt auf die Aufarbeitung der gewaltvollen Vergangenheit. Das ZFD-Projekt berücksichtigt einerseits die spezifischen Bedarfe im jeweiligen Land. Andererseits wird der länderübergreifende Austausch zwischen den Partnerunis ausgebaut, um von den Erfahrungen und Synergien zwischen den drei Ländern zu profitieren. Über eine Kooperation mit dem „Zentrum für Konfliktforschung“ der Philipps-Universität Marburg werden die Unis darüber hinaus in internationale Austauschprogramme und Forschungsvorhaben eingebunden. Mit einigen Universitäten besteht bereits eine enge Zusammenarbeit, mit anderen wird im Rahmen des Projekts eine neue Kooperation aufgebaut. Mit dem „Institute for Peace and Development in Mindanao“ (IPDM) an der „Mindanao State University – Iligan Institute of Technology (MSU-IIT) beispielsweise arbeitet der ZFD auf den Philippinen bereits seit 2007 zusammen. Gemeinsam haben MSU-IIT und ZFD einen Friedens- und Konfliktmasterstudiengang entwickelt, der 2020 erstmals angeboten wird. In Kambodscha besteht eine neue Kooperation mit der staatlichen „Universität Battambang“ in der gleichnamigen Provinz im Westen Kambodschas. Der ZFD unterstützt die Universität beim Aufbau eines interdisziplinären Masterstudiengangs „Friedens- und Konfliktforschung“. In Timor-Leste ist der ZFD bislang in den Bereichen Friedensbildung an Schulen und Friedensjournalismus aktiv. Das SAUP-Projekt weitet das Engagement auf die universitäre Bildung aus. Die sozial- und geisteswissenschaftliche Fakultät der timoresischen Partneruni „Universidade da Paz“ bietet bereits seit 2010 einen BA-Studiengang in „Peace Studies“ an. Sie ist damit derzeit die einzige Universität mit einem friedensbildenden Studiengang im ganzen Land. 2020 wurde das Angebot um einen Master-Studiengang ergänzt.

Projektpartner

Centro Nacional Chega (Timor-Leste)
Faculty of International Relations an der Universidade da Paz (UNPAZ, Timor-Leste)
Faculty of Sociology and Community Development an der University of Battambang (UBB, Kambodscha)
Institute for Peace and Development in Mindanao (IPDM) an der Mindanao State University – Iligan Institute of Technology (MSU-IIT, Philippinen)
Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg (Deutschland)

Projektstandorte

Battambang
Dili
Iligan City
Phnom Penh

Zielgruppen

Dozierende und Studierende an den Partneruniversitäten

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Weitere Informationen

Mehr zum jeweiligen Konfliktkontext in den drei Ländern erfahren Sie in den landesspezifischen Projektbeschreibungen: Kambodscha, Philippinen, Timor-Leste. Ein englischsprachiges Factsheet zum Projekt SAUP liegt in unserer Publikationsdatenbank zum Download bereit.

Stand

4. Quartal 2020