Projekt

Stärkung einer Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit

ZFD-Akteur

EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst

Projektland

Nicaragua

Projektlaufzeit

2021 bis 2024

Konfliktkontext: Nicaragua ist das größte Land Zentralamerikas. Wie viele Länder der Region leidet Nicaragua unter den Folgen interner Konflikte. 1979 wurde Diktator Somoza durch die „Sandinistische Revolution“ unter Daniel Ortega gewaltsam gestürzt. Der Neubeginn brachte zwar Fortschritte in Richtung Demokratie, konnte aber nicht verhindern, dass Nicaragua zum zweitärmsten Land Lateinamerikas wurde. Auch die gewaltsamen Auseinandersetzungen hielten an: Von 1981 bis 1990 kam es zum sogenannten „Contra-Krieg“, ein mit Unterstützung der USA geführter Guerilla-Krieg gegen die sandinistische Regierung. Bei den Wahlen 1990 siegte schließlich das antisandinistische Wahlbündnis UNO („Unión Nacional Opositora“), das mit Unterstützung der USA Frieden und Wohlstand versprach. 2007 wurde erneut Daniel Ortega zum Präsidenten gewählt. Seitdem wurde er zweimal im Amt bestätigt (2011 und 2016) und strebt eine vierte Amtszeit an. Nachdem eine Koalition aller oppositionellen Parteien zerbrochen ist, stehen Ortegas Chancen für die Wahl Ende 2021 nicht schlecht, obwohl eine breite Protestbewegung seinen Rücktritt fordert. Bereits 2018 war es im ganzen Land zu Protestaktionen gegen seine Regierung gekommen. Bei Auseinandersetzungen wurden hunderte Menschen getötet, zahlreiche verletzt und inhaftiert. Etwa 100.000 Menschen flüchteten, eine unbestimmte Zahl ist verschwunden. Seitdem werden Demonstrationen von Sicherheitskräften frühzeitig unterbunden. Zivilgesellschaftliche Organisationen sind kaum noch handlungsfähig. Sie werden mit repressiven Maßnahmen belegt, teilweise auch bedroht und verfolgt. Die Regierung Ortega sieht sich ihrerseits mit internationalen Sanktionen und einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert. Neben der repressiven Situation seit den Protesten von 2018 gibt es zahlreiche weitere gewaltvolle Konflikte, die eher lokal oder regional ausgetragen werden. Ein zentraler Grund ist die extreme Armut in ländlichen Gebieten, besonders in den abgelegenen Regionen der Karibikküste. Da es in ihren Heimatregionen wenig Perspektiven gibt, ziehen insbesondere junge Menschen in andere Regionen oder Nachbarländer. Dadurch nehmen die Konflikte zwischen ansässiger und neu ankommender Bevölkerung zu. Konflikte um knappe Ressourcen, vor allem Land und Produktionsmittel, werden nicht selten gewaltsam ausgetragen. Dabei kommt es auch zu Streitigkeiten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Auch das Ausmaß häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern ist hoch. An der Karibikküste mehren sich die Landkonflikte zwischen ansässiger indigener Bevölkerung und landnehmenden Siedlerinnen und Siedlern sowie Forstunternehmen. Hinzu kommen mitunter Machtmissbrauch lokaler Autoritäten, Polizeiwillkür und Korruption. Auch die Folgen des Klimawandels müssen zunehmend als konfliktverschärfender Faktor berücksichtigt werden. ln Nicaragua sind bereits negative Folgen auf landwirtschaftliche Erträge, vor allem in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu verzeichnen, die sich auf die Ernährungssicherheit der Bevölkerung auswirken.

Projekt: Das Projekt widmet sich vor allem der verarmten ländlichen Bevölkerung an der Pazifik- und Karibikküste sowie im Norden Nicaraguas. Dazu wird mit drei Partnerorganisationen zusammengearbeitet, die allesamt Mitglied der „Plataforma SCP“, einem Zusammenschluss von rund 20 Nichtregierungsorganisationen, sind. Im Fokus steht die Gewaltprävention in Familien und Gemeinden einschließlich der Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten, die Gefahr laufen, zu eskalieren. Darüber hinaus werden Konflikte angegangen, die daher rühren, dass die kollektiven Rechte der indigenen Bevölkerung oder die allgemeinen Menschenrechte missachtet werden. Die Partnerorganisation (PO) APADEIM arbeitet schwerpunktmäßig mit Frauen in der Region El Viejo an der Pazifikküste, die PO Tuktan Sirpi mit Jugendlichen in der Region Jinotega im Norden Nicaraguas und die PO CEJUDHCAN mit indigenen Gemeinden an der Karibikküste. Die Leiterin von CEJUDHCAN, Lottie Cunningham Wren, hat 2020 den renommierten „Alternativen Nobelpreis“ der Right Livelihood Award Foundation erhalten. 2003 gründetet die Juristin das „Zentrum für Gerechtigkeit und Menschenrechte an der Atlantikküste Nicaraguas“ (CEJUDHCAN), um die Lebensgrundlagen der mehr als 400.000 Menschen indigener und afrikanischer Abstammung in der Region zu erhalten und zu verbessern. Seitdem konnten einige Erfolge erzielt werden. Doch das Land ist reich an Ressourcen, was immer wieder Begehrlichkeiten weckt und Konflikte schürt. Die drei Partnerorganisationen sollen durch die Unterstützung des ZFD in ihrer Arbeit ge- und bestärkt werden. Dazu stehen sowohl Weiterbildungen, als auch Advocacy- und Lobbyarbeit auf dem Programm. Die Arbeit aller Mitgliedsorganisationen der „Plataforma SCP“ wird dadurch erschwert, dass sie in einem Umfeld der Gewalt agieren. Die Unterstützung durch einen internationalen Partner wie dem ZFD wirkt wie ein Schutzschild, der ihre Sicherheit erhöht, sodass sie sich besser auf ihr eigentliches Engagement konzentrieren können. Weiterbildungen in Friedenspädagogik, konfliktsensiblem Journalismus, und in konkreten Techniken ziviler Konfliktbearbeitung, wie Partizipations- und Mediationsprozesse und die Etablierung von Dialogräumen vergrößern sowohl ihr Handlungsspektrum, als auch die Effektivität ihrer Arbeit. Neben der konkreten Zusammenarbeit auf Partnerebene soll auch die „Plataforma SCP“ als Ganzes gestärkt werden. Auf allen Ebenen des Projekts werden zudem Verbindungen zu kommunalen und traditionellen Autoritäten, zu religiösen Führungspersönlichkeiten, zu anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie zu Jugendbewegungen hergestellt, um Reichweite und Wirkmöglichkeiten zu erhöhen.

Projektpartner

Asociación Infantil Tuktan Sirpi
Asociación para el Desarrollo Integral de la Mujer (APADEIM),
Centro por la Justicia y Derechos Humanos de la Costa Atlántica de Nicaragua (CEJUDHCAN)
Plataforma SCP

Projektstandorte

Autonome Region nördliche Karibikküste
Bilwi
Departamento Chinandega
Departamento Jinotega
El Viejo

Zielgruppen

indigene Gemeinden, Mitarbeitende der Partnerorganisationen, Schlüsselakteure aus der Zivilgesellschaft, kommunale, traditionelle und religiöse Autoritäten, Jugendbewegungen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

0

Stand

2. Quartal 2021