Projekt

Seite an Seite: Stärkung zivilgesellschaftlicher Kräfte

ZFD-Akteur

Weltfriedensdienst

Projektland

Israel
Naher Osten
Palästinensische Gebiete

Projektlaufzeit

2017 bis 2021

Konfliktkontext: Religiös aufgeladen, hochgradig militarisiert, komplex und festgefahren, das sind die Merkmale des Nahostkonflikts, der seit über 70 Jahren währt. Auf die Staatsgründung Israels 1948 folgte unmittelbar der erste „Israelisch-Arabische Krieg“, der mit umfangreichen Vertreibungen der in der Region ansässigen palästinensischen Bevölkerung einherging. 1967 besetzte Israel unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen, Gebiete, die nach dem „UN-Teilungsplan für Palästina“ von 1947 der palästinensischen Bevölkerung zustehen. Gaza blieb bis 2005 besetzt und wird seither durch Israel und Ägypten blockiert. Der andauernde israelische Siedlungsbau macht aus dem nach wie vor besetzten Westjordanland einen Flickenteppich. Die palästinensische Bevölkerung ist hier Repressionen wie Landenteignung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, willkürlichen Verhaftungen sowie Hausdurchsuchungen und -zerstörungen ausgesetzt. Im Gazastreifen ist die Lage mittlerweile noch katastrophaler. Durch die andauernde Blockade und regelmäßige Bombardierungen durch das israelische Militär, sind mittlerweile sieben von zehn Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Unter anderem wegen der Verseuchung des Grundwassers ist das Gebiet nahezu unbewohnbar. Einseitige Entscheidungen der USA haben den Konflikt in jüngster Zeit weiter befeuert: 2017 durch die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt, 2019 durch die Anerkennung der seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet. Auch der Druck auf die Zivilgesellschaft steigt. Der Raum für gewaltfreie Initiativen schrumpft stetig. Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich im Bereich Frieden und Menschenrechte engagieren, sind zunehmendem politischen Druck ausgesetzt. In Berichten des UN-Sonderberichterstatters zur Lage der Menschenrechte in den Palästinensischen Gebieten wird vor „einer Atmosphäre der Einschüchterung, Drohungen und Verhaftungen von Menschenrechtsaktivistinnen und –aktivisten sowie zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren durch Israel“ gewarnt. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde bedroht durch Praktiken und Gesetze die Meinungsfreiheit im Westjordanland. So engt das Gesetz über Cyberkriminalität von 2017 den zivilen, politischen und sozialen Raum in sozialen Medien und im Internet immer stärker ein. Immer wieder kommt es zu Verhaftungen von Journalistinnen und Journalisten oder von Oppositionsmitgliedern.

Projekt: Das Projekt zielt in den Palästinensischen Gebieten und in Israel darauf ab, zivilgesellschaftliche Organisationen darin zu stärken, einen positiven Wandel anzustoßen und aktiv zu gestalten. Momentan unterstützt der ZFD mit diesem Projekt vier Organisationen im Westjordanland sowie eine Organisation in Israel. Ein besonderes Anliegen ist es, die Arbeit stärker auf die Ursachen und Strukturen des Konflikts auszurichten und sich für die Einhaltung internationalen Rechts einzusetzen. Das Vorhaben geht zum einen davon aus, dass im gegebenen Konfliktkontext vor allem durch Advocacy-Arbeit auf eine nachhaltige Transformation der Konfliktursachen hingearbeitet werden kann. Zum anderen wird angenommen, dass die Einhaltung internationalen Rechts und entsprechende rechtsbasierte Institutionen für die Lösung des Konflikts entscheidend sind. Das ZFD-Projekt berücksichtigt dabei die unterschiedlichen Auswirkungen des Konflikts auf verschiedene Bevölkerungsgruppen (Kinder und Jugendliche, Geflüchtete, Palästinenserinnen und Palästinenser in Israel). Strategisch soll hier der Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenansatz wirken: In Seminaren und Informationsveranstaltungen werden Menschen als „Actors of Change“ ausgebildet. Sie lernen, wie sie ihre Anliegen wirksam aufbereiten und öffentlich machen. Sie werden auch darin trainiert, ihre Rechte friedlich in die Öffentlichkeit zu tragen und dort zu vertreten. Die Partnerorganisationen werden bei der Organisationsentwicklung und in ihrer Medienexpertise gestärkt. Das verbessert ihre Recherche- und Informationsarbeit. Mitgedacht wird dabei auch die künftige Arbeit mit digitalen Plattformen. Die Menschenrechtsorganisationen „Al-Haq“ und „DCI“, „BADIL“ und „Adalah“ werden darin unterstützt, ihre Öffentlichkeits-, und Medienarbeit zu optimieren sowie Informationsveranstaltungen für internationale Teilnehmende umzusetzen. Ziel ist es, in Politik, Religion, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft besser gehört zu werden. Außerdem soll eine sachliche, rechtsbasierte Debatte und Berichterstattung gefördert werden. Im „Guidance and Training Centre for the Child and Family“ (GTC) in Bethlehem steht die Behandlung und Prävention psychischer Erkrankungen im Mittelpunkt. Dabei werden die Auswirkungen des Lebens unter Besatzung auf Kinder und Jugendliche untersucht. Schulberaterinnen und –berater erhalten eine Ausbildung darin, wie sie traumatische Störungen bei Schulkindern frühzeitig erkennen.

Projektpartner

ADALAH- The Legal Center for Arab Minority Rights in Israel
AI-Haq – Law in the Service of Man
BADIL- Resource Center for Palestinian Residency and Refugee Rights
Defense for Children International Palestine (DCI)
Guidance and Training Centre for the Child and Family (GTC)

Projektstandorte

Bethlehem
Haifa
Ramallah

Zielgruppen

Mitarbeitende in Nichtregierungsorganisationen, psychosoziale Praktikerinnen und Praktiker, Angehörige sozialer Berufe, Schulberaterinnen –und berater, Studierende, interessierte internationale Öffentlichkeit, Juristinnen und Juristen, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Medienschaffende, „Actors of Change“

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Stand

2. Quartal 2021