Projekt

Regional und lokal: Bevölkerung und Verwaltung zusammenbringen, Zivilgesellschaft stärken, Gewaltpotential mindern

ZFD-Akteur

Forum Ziviler Friedensdienst

Projektland

Ukraine

Projektlaufzeit

2020 bis 2023

Konfliktkontext: Nachdem sich die damalige Regierung im November 2013 überraschend gegen eine Annäherung an die Europäische Union positioniert hatte, kam es zu großen Protesten, die auf dem Maidan in der Hauptstadt Kiew ihren Höhepunkt fanden. Hunderttausende demonstrierten gegen den Kurs der Regierung, gegen Korruption und gegen die Einschränkung der Menschen- und Bürgerrechte. Im Februar 2014 eskalierte die Situation. Die Annexion der Krim durch Russland im März 2014 sorgte für weiteren Zündstoff. Seitdem ist auch die Region um Luhansk und Donezk im Osten des Landes Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Separatisten, verschiedenen Milizen und ukrainischen Truppen. Dabei haben bislang über 13.000 Menschen ihr Leben verloren, darunter etwa 3.300 Zivilistinnen und Zivilisten. Über drei Millionen Menschen sind aus den umkämpften Gebieten geflohen. Davon haben rund zwei Millionen in anderen Landesteilen der Ukraine Schutz gesucht. Trotz der 2015 im „Minsker Abkommen“ vereinbarten Waffenruhe ist ein Ende der Gewalt nicht absehbar. Teile beider Bezirke stehen unter der Kontrolle separatistischer Kräfte. Die Krim gehört völkerrechtlich zwar weiterhin zur Ukraine, wird aber faktisch von Russland kontrolliert. Das gesellschaftliche Klima in der Ukraine ist extrem angespannt: Differenzen zwischen lokaler Bevölkerung und Binnenvertriebenen, zwischen proeuropäischen und prorussischen Gruppen sowie zwischen Bevölkerung und staatlichen Institutionen gehen mit einem hohen Konfliktpotenzial einher. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Perspektiven schlecht und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Mitbestimmung gering. Viele Menschen haben das Vertrauen in die Verwaltung und die staatliche Ordnung verloren und setzen zunehmend auf das Recht des Stärkeren. Seit 2014 ist die Schwelle zum Einsatz von Gewalt stark gesunken. Aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Ostukraine, der Vielzahl vorhandener Waffen im Land, der prekären Wirtschaftslage und der innergesellschaftlichen Spannungen besteht die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation auch in anderen Landesteilen. Die Präsidentschaftswahl 2019 gewann der Politneuling Wolodymyr Selenskyj gegen den bisherigen Amtsinhaber Petro Poroschenko. Auch bei den Parlamentswahlen im Juli 2019 hat Selenskyjs noch junge Partei die absolute Mehrheit errungen. In seiner Antrittsrede nannte Selenskyj die Beendigung des Krieges im Osten des Landes als vorrangige Aufgabe. Russland forderte er zur Rückgabe der Krim auf.

Projekt: Fachkräfte des ZFD unterstützen zivilgesellschaftliche Gruppen und Organisationen in Kiew und Odessa dabei, den Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräften, insbesondere zwischen der Bevölkerung und der kommunalen Verwaltung, anzuregen. Mittels öffentlicher Aktivitäten, Informations- und Bildungsveranstaltungen, Publikationen und anderer geeigneter Instrumente, wie zum Beispiel Unterstützung von Kultur- und Kunstinitiativen, werden alternative Wege der konstruktiven Auseinandersetzung verfolgt und aufgezeigt. So steht bei der Partnerorganisation „Inclusive Theater Association ART-Playback” beispielsweise das Theaterspiel, vor allem die Methode des Playback- und Forum-Theaters, im Mittelpunkt. Bei dieser interaktiven Form des Improvisationstheaters werden die Zuschauenden eingeladen, Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen, um sie anschließend gemeinsam mit den Theaterleuten in Szene zu setzen. Auf diese Weise können Konflikte zur Sprache gebracht und neue Lösungsansätze entwickelt werden. Das „Institute for Peace and Common Ground“ (IPCG), ebenfalls Partner des forumZFD, engagiert sich vor allem im Bereich der Friedenspädagogik. Schulen werden dabei unterstützt, „Peer-Mediation“ als festen Bestandteil im Schulalltag zu etablieren. Workshops mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern tragen dazu bei, das soziale Klima in der Schule und im unmittelbaren Umfeld zu verbessern. „ART-Playback” und IPCG sind nur zwei von einer Reihe lokaler Partner, die sich um eine konstruktive Konfliktbearbeitung in der ukrainischen Gesellschaft bemühen. Gemeinsam mit dem ZFD arbeiten sie daran, den gesellschaftlichen Dialog anzukurbeln, Vertrauen und Verständnis zwischen polarisierten Bevölkerungsgruppen, auch zwischen Staat und Gesellschaft, aufzubauen, um letztlich in bestehenden und aufkommenden Konflikten gewaltfrei vermitteln zu können. Dies ist umso schwerer, da in den letzten Jahren das Ausmaß an Gewalt und Gegengewalt auch im Alltag zugenommen hat. Um die Reichweite dieses Diskurses zu erhöhen, sowie der zunehmenden Polarisierung in der Gesellschaft entgegen zu wirken, wird zusätzlich mit Medienpartnern zusammengearbeitet.

Projektpartner

Alternative to Violence
Bavarian House Odesa
Caritas Charitable Foundation
Committee of Voters of Ukraine
Impact Hub Odesa
Inclusive Theater Association „ART Playback“
Institute for Peace and Common Ground (IPCG)
LGBT League Odesa; Association of Support of Local Self-Governance in Communities
NGO Blahodarinnia
NGO Zatsikavleni (ehem. „Yard-Stage“)
NGO „IT Babushki“
NGO „Kultprosvit“
NGO „Society and Historical Heritage“
NGO „Young Bluebird"
Nova Doba - Association of Teachers of History and Social Disciplines
Odesa Fine Arts Museum (OFAM) / Museum for Change
Promotion of International Cooperation (PIC)
Regional Analytical Center (RAC)
Ukrainian Cultural Foundation
War Childhood Museum Ukraine
Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation und Aussöhnung – „Dignity Space“

Projektstandorte

Kiew
Odessa

Zielgruppen

Mitarbeitende zivilgesellschaftlicher Initiativen und Organisationen, lokale Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Stand

2. Quartal 2021