Projekt

Mit Vertrauen und Dialog Land- und Ressourcenkonflikte entschärfen

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Äthiopien

Projektlaufzeit

2018 bis 2021

Konfliktkontext: Der Vielvölkerstaat Äthiopien beherbergt über 80 Ethnien. Eine übergreifende nationale Identität besteht allerdings nur in Ansätzen. Das Land wird seit 1995 nach den Prinzipien eines dezentralen, ethnischen Föderalismus regiert. Dennoch übte die von der ethnischen Gruppe der Tigre dominierte Zentralregierung über Jahre großen Einfluss auf allen politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsebenen aus. Mit der Wahl des neuen Premierministers Abiy Ahmed Ali 2018 hat eine Zeit der Reform und Liberalisierung begonnen. Die Oromo, mit 35 Prozent die größte ethnische Gruppe im Land, aber auch andere ethnische Gruppen fühlten sich über Jahrzehnte politisch und wirtschaftlich benachteiligt. Ihr Unmut entlud sich immer wieder in massiven Protesten, die von Sicherheitskräften teils gewaltsam niedergeschlagen werden. Die Ernennung Abiy Ahmeds zum Premierminister stärkte zunächst die Hoffnung auf Versöhnung der Bevölkerungsgruppen, zumal seine Regierung umfassende Reformen einleitete, um das Land zu demokratisieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Denn trotz eines hohen Wirtschaftswachstums leben etwa 30 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Klimatische Veränderungen, langanhaltende Dürren auf der einen und extreme Regenfälle und Überflutungen auf der anderen Seite, erschweren die Situation. Der innenpolitische Umbruchprozess bringt zwar mehr bürgerliche Freiheiten und eröffnet Möglichkeiten regionaler Selbstbestimmung, er lässt aber auch alte Konflikte wieder aufbrechen. Die Konkurrenz um knappe Land- und Wasserressourcen, Streit um Siedlungsgebiete und die Autonomiebestrebungen einzelner Ethnien entladen sich immer wieder in gewalttägigen Auseinandersetzungen und führen in Teilen des Landes zu Flucht und Vertreibung. Ende 2020 waren rund 1,8 Millionen Menschen als Geflüchtete im eigenen Land registriert. Tiefe Spaltungen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verschärfen die Konflikte. Seit November 2020 ist vor allem die Lage in der Region Tigray im Norden des Landes zwischen der zentralen und regionalen Regierung eskaliert. Auch in den ZFD-Projektregionen SNNPR, Sidama und Oromia werden Auseinandersetzungen häufig mit Gewalt ausgetragen. Ein Konflikt zwischen den Ethnien der Gedeo und Guji gipfelte 2018 in der Vertreibung von 600.000 Menschen. Die meisten von ihnen sind inzwischen in ihre Gebiete zurückgekehrt. Dennoch kommt es punktuell weiterhin zu Gewalt, sodass Angst und Misstrauen vorherrschen, und die Sicherheitslage angespannt bleibt. Insgesamt steht Äthiopien derzeit vor erheblichen Umbrüchen und Zerreißproben.

Projekt: Der ZFD setzt sich in Äthiopien dafür ein, dass zunehmende Land- und Ressourcenkonflikte gewaltfrei bearbeitet werden. Dazu arbeitet er mit zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen, staatlichen Institutionen und traditionellen Autoritäten zusammen. Seit Januar 2018 konzentriert das Projekt sein Engagement auf die konfliktträchtige Region Oromia, nachdem es zuvor über zehn Jahre auch in weiteren Regionen des Landes aktiv war. Anhand von drei verschiedenen, repräsentativen Land- und Ressourcenkonflikten wurden Ansätze entwickelt, die mittels Dialog und vertrauensbildender Maßnahmen die Grundlage für eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung legen. Partner und Fachkräfte beziehen bewährte und traditionelle Strukturen und Prozeduren ein. Im Rahmen von Dialogprozessen erhalten relevante Akteurinnen und Akteure die Möglichkeit, von allen Betroffenen akzeptierte und handhabbare Lösungen zu entwickeln. Maßnahmen zur Vertrauensförderung können auch Kleinstprojekte sein, wie beispielsweise gemeinsame Kinder-, Sport- und Kulturveranstaltungen oder auch gemeinsam genutzte Märkte. Entscheidend ist, dass positive Erfahrungen im vertrauensvollen Umgang miteinander gemacht werden. Auf Basis dieses gestärkten Vertrauens können parallel entwickelte Verfahren zur Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten (zum Beispiel Grenzmarkierungen mit Baumpflanzung, partizipatives Mapping von Parzellen) und konfliktsensible Mechanismen zum Ressourcenmanagement (etwa Wassernutzungskonzepte, gemeinschaftliche Weidelandnutzung) umgesetzt werden. Besondere Bedeutung kommt Frauen und Jugendlichen und ihren Bedürfnissen zu, um sicherzustellen, dass die Dialogstrukturen und -prozesse alle Perspektiven berücksichtigen. Die positiven Erfahrungen aus den drei Konfliktgebieten werden kontinuierlich dokumentiert und aufbereitet, sodass die Bevölkerung innerhalb und außerhalb der Projektregion den Mehrwert von der gemeinschaftlichen Bearbeitung von Land- und Ressourcenkonflikten erkennt.

Projektpartner

Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY)
Ministry of Peace (MoP)
Oromia Bureau of Administration and Security (OBAS)
Oromia Pastoralist Association (OPA)

Projektstandorte

Addis Abeba
Borena (Grenzregion Oromia-Somali-Kenia)
Gelana-Amaro (Grenzregion Oromia-SNNPR)
Minjar-Boset-Fentale (Grenzregion Oromia-Amhara)

Zielgruppen

Mitarbeitende zivilgesellschaftlicher und kirchlicher Organisationen sowie staatlicher Institutionen, traditionelle Autoritäten, lokale Bevölkerungsgruppen in der Region Oromia

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Stand

4. Quartal 2020