Projekt

Mit Ventil zum Ziel: Jugendliche in Geflüchtetenlagern lernen Alternativen zu Hass und Gewalt

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Israel
Palästinensische Gebiete

Projektlaufzeit

2014 bis 2022

Konfliktkontext: In den Palästinensischen Gebieten sind rund 40 Prozent der Bevölkerung offiziell als Geflüchtete anerkannt. Flucht und Vertreibung begannen unmittelbar nach dem UN-Teilungsplan für Palästina 1947 und setzten sich mit den Israelisch-Arabischen Kriegen sowie mit der israelischen Besetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens fort. Heute sind in der gesamten Region rund 5,4 Millionen palästinensische Geflüchtete registriert. Die meisten von ihnen leben in den 58 Camps des UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) in Syrien, Libanon, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten. Als Staatenlose besitzen sie außer in Jordanien keine staatsbürgerlichen Rechte. Die Palästinensischen Gebiete bilden keine zusammenhängende Fläche; sie umfassen das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gazastreifen. Das Westjordanland ist seit 1995 in drei Zonen unterteilt: Zone A (autonomes Gebiet), Zone B (teilautonomes Gebiet) und Zone C (unter israelischer Kontrolle). Neben den C-Gebieten, etwa 62 Prozent des Westjordanlands, wird auch Ostjerusalem von Israel kontrolliert. Die Bevölkerung ist hier Repressionen wie Landenteignung, Kontrollen, Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Hausdurchsuchungen ausgesetzt. Im Gazastreifen ist die Lage mittlerweile katastrophal. Die UN schätzen, dass das Gebiet bis 2020 unbewohnbar sein wird. Seit 2007 hat sich die Blockade durch Israel und Ägypten und damit die Versorgungslage weiter verschärft. Sieben von zehn Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wie das Land, so ist auch die palästinensische Bevölkerung stark zerrissen. Die Geflüchteten in den UNRWA-Camps stehen auf der untersten Stufe der palästinensischen Gesellschaft. Die Lage in den Camps ist prekär. Neben der Besatzungspolitik und ihren weitreichenden Folgen prägen innere Machtkämpfe, Armut und Arbeitslosigkeit, eine mangelhafte Gesundheitsversorgung und überfüllte Schulen sowie das Fehlen von öffentlichem und privatem Raum das Leben. Etwa 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind unter 15 Jahre alt. Die desolaten Lebensbedingungen lassen ihnen kaum Perspektiven. Innerhalb der palästinensischen Gesellschaft gelten sie als „Ghetto Kids“. Leute von außerhalb begegnen ihnen mit Vorbehalten, oft genug auch mit Verachtung. Resignation und Frust haben sich breitgemacht. In dieser Situation sind besonders junge Männer anfällig für Gewalt und Radikalisierung.

Projekt: Gemeinsam mit seinen zivilgesellschaftlichen Partnern versucht der Zivile Friedensdienst, gefährdete palästinensische Jugendliche zu erreichen und aufzufangen. Vor dem Hintergrund der hohen Belastung, der sie ausgesetzt sind, geht es darum, sie zu stärken und ihnen Perspektiven zu eröffnen. Dazu werden Maßnahmen in Ostjerusalem, Bethlehem und in den Geflüchtetencamps Balata und Shuafat umgesetzt. Die Angebote reichen von psychosozialer Beratung bis hin zu gemeinschaftlichen Aktivitäten. Sie zielen darauf ab, jeden einzelnen, aber auch den Zusammenhalt untereinander zu stärken. Psychosoziale Angebote umfassen Beratung, Traumatherapie und Stressbewältigung. Unter den gegebenen Bedingungen kommt es vermehrt zu Beeinträchtigungen und Auffälligkeiten. Es fehlt bislang aber an einer professionellen Versorgung. In gemeinschaftlichen Aktivitäten wird auf Musik, Kunst und Sport gesetzt. Dabei geht es nicht einfach nur um eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Die Jugendlichen lernen, ihre Situation zu reflektieren, und erproben alternative Wege, sich auszudrücken und ihren Frust auf gesunde und produktive Weise auszuagieren. Hip-Hop, Aikido und kreatives Schreiben eignen sich als Ventil. In der Gemeinschaft lernen sie außerdem Fairplay und gewaltfreie Wege der Konfliktbearbeitung. Dabei werden auch Jugendliche miteinander in Kontakt gebracht, die sich sonst aus dem Weg gehen (Jugendliche in und außerhalb der Camps) oder die sich sonst gar nicht kennenlernen könnten (weil sie in unterschiedlichen Regionen leben). So entwickeln sie Verständnis für die Situationen der anderen, überwinden Vorurteile und knüpfen Kontakte. Auf diese Weise entwickeln die Jugendlichen ein Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl. Aus den Kontakten sind mittlerweile Freundschaften entstanden, die bis heute gepflegt werden. So wächst langsam eine gemeinsame Identität. Die Spaltung der palästinensischen Gesellschaft wird dadurch ein wenig überwunden.

Projektpartner

Abnaa Al Quds
GHIRASS Cultural Center
Madaa SiIwan Creative Center
Palestine Aikido Federation
Palestinian Child Center
PMO Palestine Music Office
PMX Palestine Musik Expo
Reform
Sawa Sawa Committee
Yafa Cultural Center

Projektstandorte

Bethlehem
Geflüchtetenlager Balata
Geflüchtetenlager Shuafat
Ost-Jerusalem
Westbank

Zielgruppen

Geflüchtete (vor allem junge Männer), Frauen, Kinder, Jugendliche

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

7

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Der ZFD der GIZ engagiert sich in Israel und den Palästinensischen Gebieten zusätzlich über ein Projekt des Stammprogramms: „Alternativen aufzeigen: kreative Methoden für konstruktive Wege“

Stand

3. Quartal 2020