Projekt

Mit Dialog und Transparenz Menschenrechte und Gewaltfreiheit fördern

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Honduras

Projektlaufzeit

2017 bis 2021

Konfliktkontext: lm Gegensatz zu seinen Nachbarländern Guatemala, El Salvador und Nicaragua hat Honduras zwar keinen internen bewaffneten Konflikt erfahren, ist aber dennoch stark von Gewalt und Polarisierung geprägt. Das Kernproblem liegt in der sozialen Ungleichheit. Einkommen, Eigentum und Landbesitz sind extrem ungleich verteilt. Fast zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Vor allem der ländliche Raum ist von extremer Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Hinzu kommen ein hohes Maß an Korruption, (organisierter) Kriminalität, Gewalt und Straflosigkeit sowie schwache staatliche Institutionen. Die Zivilgesellschaft ist tief gespalten, ihr Handlungsspielraum stark eingeschränkt. 2009 hat ein Staatsstreich das Land international isoliert. Nach dem Putsch hat sich die Situation von Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern erheblich verschlechtert. Einschüchterung und Bedrohung, tätliche Angriffe bis hin zu Morden sind an der Tagesordnung. Unter dem seit 2014 amtierenden Präsidenten Juan Orlando Hernández hat sich die Lage etwas entspannt, die Menschenrechts- und Sicherheitslage bleibt aber besorgniserregend. Die Regierung geht zwar aktiv gegen Drogenhandel und organisierte Kriminalität vor. Doch noch ist sie kaum in der Lage, den Schutz der grundlegenden Menschenrechte durchzusetzen. Von der Gewalt besonders betroffen sind Angehörige ethnischer und sexueller Minderheiten. Auch das Maß an häuslicher Gewalt ist hoch. Die Mehrheit der Gewalttaten wird derzeit nicht geahndet. Weite Teile der Polizei und Justiz gelten als korrupt, ineffizient und durch das organisierte Verbrechen unterwandert. Wirtschaft und Medien sind eng verflochten und haben großen Einfluss auch auf die politische Ausrichtung des Landes. Die Wiederwahl von Präsident Hernández im November 2017 war umstritten – denn eigentlich erlaubt die honduranische Verfassung keine zweite Amtszeit. Zudem wurden Manipulationsvorwürfe laut. Über mehrere Wochen kam es zu Protesten, bei denen Schätzungen zufolge über vierzig Menschen getötet wurden. Ein parteiübergreifender Dialog, der im Dezember 2018 mit einer unverbindlichen Übereinkunft endete, konnte die Lage nicht beruhigen. Das Konfliktpotential bleibt hoch. Von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes kommt bei den meisten Menschen zu wenig an, Reformen zur gerechteren Umverteilung bleiben aus. Die dadurch anhaltende Ungleichheit schafft Unmut, der sich immer wieder in Demonstrationen und Protestaktionen äußert. Diese können jederzeit gewaltsam zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften eskalieren.

Projekt: Der ZFD leistet mit diesem Projekt einen Beitrag zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung insbesondere bei Land- und Ressourcenkonflikten. Ressourcenkonflikte sind in fast allen Regionen von Honduras präsent. Weite Teile des Landes sind konzessioniert, vor allem für Bergbau und Wasserkraft. Die Landnahme macht auch vor Schutzgebieten und Gebieten der indigenen Bevölkerung keinen Halt. So kommt es vielerorts zu Konflikten, die nicht selten gewaltsam eskalieren. Im Departamento Santa Bárbara stehen derzeit besonders viele Energie- und Bergbauprojekte auf dem Plan. Die ZFD-Partnerorganisation Centro Cultural Hibueras (CCH) setzt sich dafür ein, dass die dadurch bedingten Konflikte konstruktiv angegangen werden. Dazu werden die verschiedenen Akteurinnen und Akteure, zivilgesellschaftliche, staatliche und privatwirtschaftliche, an einen Tisch gebracht, und ein lokales Netzwerk aus speziell im Dialogbereich ausgebildeten Personen aufgebaut. Im gemeinsamen Dialog sollen Konflikte analysiert und bearbeitet werden, bevor sie eskalieren. Die Fachkräfte des ZFD unterstützen die Mitarbeitenden vom CCH bei der Einrichtung und Durchführung solcher Dialogformate auf lokaler Ebene. Dabei profitieren sie von ihrer Expertise in Mediation und Kommunikation. Auch auf nationaler Ebene öffnet der ZFD mit einer Dialogschule sichere Begegnungsräume, in denen Schlüsselakteurinnen und -akteure der honduranischen Gesellschaft gemeinsam Dialogansätze und -methoden erlernen. Auf diese Weise wird die Dialogkultur gestärkt und die Polarisierung der Zivilgesellschaft abgebaut. Durch die Kooperation mit lokalen Community Radiosendern soll auch die breite Bevölkerung erreicht werden. Die ZFD-Fachkräfte schulen in konfliktsensibler Berichterstattung und geben Tipps für die Programmgestaltung. Wenn ausgewogen und transparent über die Konflikte berichtet wird, tragen Community Radios ebenfalls dazu bei, dass der Prozess friedlich vonstattengeht. Durch die Zusammenarbeit mit dem Dachverband honduranischer Journalistinnen und Journalisten APH wird friedensjournalistisches Arbeiten auch landesweit vorangebracht. Gemeinsam mit der Partnerorganisation CPTRT unterstützen Fachkräfte des ZFD zudem sowohl ihre honduranischen Kolleginnen und Kollegen als auch andere Menschenrechtsorganisationen dabei, einen Umgang mit der Belastung zu finden, die ihre Arbeit mit sich bringt. Honduranische Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger arbeiten und leben unter erschwerten Bedingungen. Ihr Handlungsspielraum ist gering, ihre Sicherheit bedroht. Das gemeinsame Angebot von ZFD und CPTRT stärkt ihnen den Rücken – und soll perspektivisch auch als formalisiertes Weiterbildungsangebot landesweit zum Tragen kommen.

Projektpartner

Centro Cultural Hibueras (CCH)
Centro de Prevención, Tratamiento y Rehabilitación de las Victimas de la Tortura y sus Familiares (CPTRT)

Projektstandorte

Landesweit
Santa Bárbara
Tegucigalpa

Zielgruppen

Mitarbeitende zivilgesellschaftlicher und privatwirtschaftlicher Organisationen sowie staatlicher Stellen und Community Radios, Bevölkerung auf Gemeindeebene

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

5

Stand

2. Quartal 2021