Projekt

Mehr als ein Zeichen: im Friedensprozess an der Seite von Menschenrechtsgruppen

ZFD-Akteur

peace brigades international

Projektland

Kolumbien

Projektlaufzeit

2017 bis 2020

Konfliktkontext: Kolumbien wird seit über fünfzig Jahren von Konflikten zwischen Militär, Paramilitär und Guerilla erschüttert. Darunter leidet insbesondere die Bevölkerung. Seit 1964 sind über 220.000 Tote zu beklagen, davon schätzungsweise 80 Prozent Zivilistinnen und Zivilisten. Über sieben Millionen Menschen waren gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen. Die extreme Konzentration von Landbesitz in den Händen weniger Menschen war ein zentraler Auslöser der bewaffneten Konflikte. Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil: Land wurde beschlagnahmt, verwüstet, vermint oder für Bergbau und Großplantagen vereinnahmt, etwa zum Anbau von Palmöl und Biokraftstoffen. Dort, wo Landwirtschaft eine wesentliche Existenzgrundlage ist, ist diese Situation fatal. Vor allem in ländlichen Gebieten stehen viele Menschen mit zu wenig Land da. Die Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der größten Guerillagruppe FARC im September 2016 war ein historischer Schritt in Richtung Frieden. Landrechte waren ein zentrales Thema der Vereinbarung. Doch die Umsetzung des Friedensvertrags läuft schleppend. Die Institutionen zur Aufarbeitung des Konflikts haben ihre Arbeit zwar aufgenommen, doch die Kapitel politische Partizipation und Landreform sind bislang kaum umgesetzt. Die Konfliktursachen, darunter auch die massive soziale Ungleichheit, sind längst nicht behoben. So wütet wie gehabt die Gewalt. Diverse Guerillagruppen und Paramilitärs kämpfen weiterhin um die Macht über Ressourcen, Bodenschätze und Drogen. Das nach dem Abzug der FARC entstandene Machtvakuum kann bislang nur unzureichend durch staatliche und gesellschaftliche Strukturen gefüllt werden. Die Friedensgespräche mit der zweitgrößten Guerillagruppe ELN sind vorerst gescheitert. Nach einem Anschlag der ELN in Bogotá im Januar 2019 hatte die Regierung den Dialog aufgekündigt. Die Gefahr der Eskalation schwebt über Kolumbien. Die Hoffnung, die 2016 aufkeimte, ist inzwischen bei vielen wieder verflogen. Bedrohung und Gewalt gehören weiterhin zum Alltag der Menschen in Kolumbien. Auch Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit dauern an. Wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, ist heute sogar gefährdeter als 2016. Umso wichtiger ist es, Bevölkerung und Zivilgesellschaft weiterhin zu stärken.

Projekt: Politisch motivierte Gewalt ist in großen Teilen Kolumbiens weiterhin gegenwärtig. Oft genug wird die Zivilbevölkerung zur Zielscheibe. Betroffen sind vor allem die ländliche Bevölkerung und benachteiligte Gruppen, wie etwa indigene und afrokolumbianische Gemeinden. Wer sich wehrt, läuft Gefahr, bedroht, vertrieben, verhaftet oder ermordet zu werden. Das gilt besonders für Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV). Sie werden gezielt bedroht und angegriffen. Daher begleitet der ZFD-Partner PBI Kolumbien zivilgesellschaftliche Organisationen und MRV, die sich für Gerechtigkeit und Menschenrechte in Kolumbien einsetzen. Dies gelingt unter anderem dadurch, dass die Fachkräfte gefährdete MRV während ihrer Aktivitäten begleiten, durch Advocacyarbeit mit staatlichen Stellen, Sicherheitskräften und Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Gemeinschaft aber auch durch Workshops zu Sicherheit und Schutz, Advocacy und Netzwerkbildung sowie zum Umgang mit der Bedrohung. Im aktuellen ZFD-Projekt werden besonders die geschlechtsbezogenen Risiken der MRV berücksichtigt, damit der Handlungsspielraum von Frauen in gleichem Maß gestärkt wird wie der von Männern. Insbesondere Menschenrechtsverteidigerinnen sind nicht nur den allgemeinen Risiken ausgesetzt, die mit ihrer Arbeit einhergehen. Sie sind zusätzlich auch von geschlechtsspezifischer Gewalt, Belästigung, Stigmatisierung und Kriminalisierung bedroht. Derzeit werden Organisationen von drei Standorten aus in einigen der konfliktreichsten Regionen Kolumbiens in den Departamentos Antioquia, Bogotá, Bolívar, Boyacá, Casanare, Cauca, Cesar, Chocó, Meta, Norte de Santander, Putumayo, Santander, Valle del Cauca begleitet.

Projektpartner

PBI Kolumbien

Projektstandorte

Apartadó
Barrancabermeja
Bogotá
Magdalena Medio
Urabá

Zielgruppen

Menschenrechts- und Friedensaktivistinnen und -aktivisten; Anwältinnen und Anwälte sowie Sprecherinnen und Sprecher von Vertriebenen-Gemeinden, indigenen oder afrokolumbianischen Gemeinden, Friedensgemeinden oder humanitären Schutzzonen. Darüber hinaus zivile, politische und militärische Autoritäten sowie Akteure der internationalen Gemeinschaft (Botschaften, UN, EU)

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

3

Stand

4. Quartal 2020