Projekt

Lokal und regional: Zivilgesellschaft stärken und Resilienz fördern

ZFD-Akteur

Forum Ziviler Friedensdienst

Projektland

Ukraine

Projektlaufzeit

2020 bis 2023

Konfliktkontext: Seit dem 24. Februar 2022 wird die Ukraine von russischen Streitkräften angegriffen. Der Überfall konzentriert sich derzeit auf den Osten und den Süden des Landes. Aber auch in anderen Landesteilen gibt es Kämpfe. Zudem kommt es im ganzen Land zu Raketen- und Luftangriffen, bei denen auch zivile Ziele betroffen sein können. Vielerorts ist die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Strom, Gas und Wasser teilweise oder ganz zusammengebrochen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks wurde seit Beginn des Angriffskriegs etwa ein Drittel der Bevölkerung vertrieben. Zwischenzeitlich hatten sich mehr als zehn Millionen Menschen außer Landes geflüchtet. Bis zu sieben Millionen Menschen sind innerhalb der Ukraine auf der Flucht. Genaue Zahlen über die Anzahl der Vertriebenen und Geflüchteten gibt es aber aufgrund der unübersichtlichen Lage genauso wenig wie verlässliche Angaben zu zivilen und militärischen Opfern. Der aktuelle Konflikt hat sich seit 2014 zugespitzt. Nachdem Russland bereits im März 2014 die ukrainische Halbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert hatte, riefen prorussische Separatisten kurz darauf die Unabhängigkeit von Teilen der beiden Regionen Luhansk und Donezk im Osten des Landes aus. Seitdem war die Region Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen prorussischen Kräften, verschiedenen Milizen und ukrainischen Truppen. Eine 2015 im „Minsker Abkommen“ vereinbarte Waffenruhe, wurde zu keiner Zeit dauerhaft eingehalten. Ab Sommer 2021 stationierte Russland vermehrt Truppen an der ukrainischen Grenze. Ab dem 24. Februar 2022 folgte der bis heute anhaltende, groß angelegte Angriff durch die russische Armee. Darunter leidet auch die Zivilbevölkerung in der Ukraine extrem. Viele bangen und kämpfen täglich um ihre Existenz. Das gesellschaftliche Klima war bereits vor dem russischen Angriffskrieg angespannt: Differenzen zwischen proeuropäischen und prorussischen Gruppen, zwischen Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinden, aber auch zwischen Bevölkerung und staatlichen Institutionen gingen mit einem hohen Konfliktpotenzial einher. Vor allem seit 2014 war die Schwelle zum Einsatz von Gewalt stark gesunken. Viele hatten das Vertrauen in die staatliche Ordnung verloren, verstärkt dadurch, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht und die Möglichkeiten der Mitbestimmung gering waren. Nun gilt es umso mehr, auch mitten im Krieg, der ukrainischen Gesellschaft beizustehen und sie über akute Nothilfe hinaus in ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrem sozialen Zusammenhalt zu stärken. Hierfür braucht es eine starke Zivilgesellschaft und Partner. Die Partnerorganisationen des ZFD haben ihre Aktivitäten an die neuen Herausforderungen angepasst, um den Menschen vor Ort bestmöglich behilflich zu sein. Die Fachkräfte des ZFD sind im permanenten Austausch mit ihnen und unterstützen sie tatkräftig, wenn auch gegenwärtig von außerhalb der Ukraine. Dabei geht es sowohl darum, den Menschen zu helfen, die akuten Krisen zu bestehen, als auch darum, die bisherigen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Projekt: Dieses Projekt unterstützt zivilgesellschaftliche Gruppen und Organisationen in Kiew und Odessa. In der derzeitigen Situation konzentriert sich die Arbeit auf drei Schwerpunkte. Zum einen liegt der Fokus auf aktiver Nachbarschaftshilfe in Odessa. Dabei geht es um psychosoziale Begleitung, Vernetzung und Bereitstellung von Informationen sowie um soziale und künstlerische Projekte vor allem für Familien und Kinder. Entsprechend steht bei der Partnerorganisation Zatsikavleni die Unterstützung lokaler Nachbarschaftsinitiativen im Mittelpunkt, etwa durch die Beratung sogenannter Nachbarschaftskoordinatoren und -koordinatorinnen, die sich vor Ort um die Belange der Menschen kümmern. Außerdem realisiert Zatsikavleni Angebote im Bereich psychosozialer und emotionaler Unterstützung. Der zweite Schwerpunkt ist im Bereich Erinnerungskultur und „Oral History“ (mündlich überlieferte Geschichte) angesiedelt. Verschiedene Initiativen dokumentieren die Erlebnisse und Erfahrungen der Menschen im Krieg, unter anderem um ihre Resilienzen, Krisen und Verluste zu meistern, zu stärken, und eine inklusive Erinnerungskultur zu fördern. Das Projekt Past / Future / Art sammelt zum Beispiel Zeitzeugenberichte zu den Kriegserfahrungen. Es werden außerdem Bildungsmaterialien zu aktuellen Fragestellungen wie beispielsweise dem Schutz von Kulturerbe oder internationaler Strafverfolgung von Kriegsverbrechen erstellt. Das War Childhood Museum (WCM) Ukraine („Kindheit-im-Krieg-Museum Ukraine“), ebenfalls Partner des ZFD, zeigt seit 2018 Ausstellungen und Kunstaktionen zum Krieg in der Ostukraine. In der derzeitigen Situation sammelt und sichert es Erinnerungsstücke von Kindern in der Ukraine. Das dritte zentrale Handlungsfeld in der derzeitigen Situation ist die psychologische und mentale Unterstützung der Partnerorganisationen und ihrer Zielgruppen. Dies umfasst eine Reihe von Angeboten, die sowohl in virtuellen, als auch in Präsenzformaten umgesetzt werden und in unterschiedlichen Konstellationen stattfinden (u.a. Gruppensupervision, Mentoring, Einzelcoaching und Beratung, Empathy-Support-Gruppen, offene Gesprächskreise, kunst- und theatertherapeutische Ansätze). Zu nennen sind hier exemplarisch die Partnerorganisation ART-Playback, die mit interaktiven Theatermethoden arbeitet, sowie die Partnerorganisation IT Babusi, die vor allem ältere Menschen in der Region Odessa unterstützt. Diese Zielgruppe ist bedingt durch die aktuelle Situation häufig von Einsamkeit betroffen und lebt isoliert. IT Babusi bietet deshalb neben sozialer Unterstützung und der Bereitstellung von Informationen auch psychologische Begleitung an.

Projektpartner

Alternative to Violence
Association of Support of Local Self-Governance in Communities
Bavarian House Odessa
Caritas Charitable Foundation
Committee of Voters of Ukraine
Impact Hub Odessa
Inclusive Theater Association „ART Playback“
Institute for Peace and Common Ground (IPCG)
LGBT League Odessa
Mediation and Dialogue Research Center an der Kyiv-Mohyla Academy
NGO Blahodarinnia
NGO Cultural Practices
NGO Foundation for Support of Fundamental Research
NGO Zatsikavleni (ehem. „Yard-Stage“)
NGO „IT Babusi“
NGO „Kultprosvit“
NGO „Society and Historical Heritage“
NGO „Young Bluebird"
Nova Doba - Association of Teachers of History and Social Disciplines
Odessa Fine Arts Museum (OFAM) / Museum for Change
Promotion of International Cooperation (PIC)
Regional Analytical Center (RAC)
Ukrainian Cultural Foundation
War Childhood Museum Ukraine
Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation und Aussöhnung – „Dignity Space“

Projektstandorte

Kiew
Odessa

Zielgruppen

Mitarbeitende zivilgesellschaftlicher Initiativen und Organisationen, lokale Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

3

Stand

3. Quartal 2022