Projekt

Konflikte im Kontext sozialer Ungleichheit konstruktiv bearbeiten

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Kenia

Projektlaufzeit

2019 bis 2022

Konfliktkontext: Kontext und Konfliktsituation in Kenia sind komplex. Das liegt nicht nur daran, dass das Land mehr als 40 ethnische Gruppen beheimatet und unterschiedliche klimatische beziehungsweise geographische Lebensbedingungen vorzufinden sind, sondern auch an historischen, wirtschaftlichen und sozio-politischen Faktoren. Während der kolonialen Vergangenheit entstandene Rivalitäten zwischen ethnischen Gruppen haben sich in sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen verfestigt. In der Folge sind gesellschaftspolitische Dynamiken von ethnischen Loyalitäten, Klientelismus und Korruption bestimmt. Dies führte vor allem zu wirtschaftlicher Ungleichheit und zu einem fragilen Staat. Vielerorts brechen immer wieder gewaltsame Konflikte zwischen Staat und Bevölkerung, verschiedenen Ethnien und innerhalb von ethnischen Gruppen und Clans aus. Wesentlicher Auslöser ist die Ungleichheit beim Zugang zu Ressourcen wie beispielsweise Land. Zudem hat sich bei vielen Menschen ein Gefühl der Ausgrenzung und Benachteiligung eingestellt. Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen, hoher Jugendarbeitslosigkeit und ungünstigen Umweltbedingungen verschärft auch das hohe Bevölkerungswachstum sowie eine große Anzahl von (Binnen-) Geflüchteten das Konfliktpotenzial im Land. Anschläge der Terrormiliz al-Shabaab wie zuletzt im Januar 2019 in Nairobi destabilisieren Kenia seit 2011 zusätzlich. Die Wahlen 2017 gingen mit wochenlangen Unruhen einher, die aber bei weitem weniger blutig verliefen als die Präsidentschaftswahlen 2007. Die Lage beruhigte sich erst, als die beiden Gegenspieler Präsident Kenyatta und Oppositionskandidat Raila Odinga sich im März 2018 auf einen „Unity Deal“ einigten. In diesem Schritt liegt jedoch auch Eskalationspotenzial – vor allem im Hinblick auf eine Reihe angekündigter Maßnahmen namentlich der Volkszählung, einem Verfassungsreferendum und einer Revision der Grenzverläufe. Seit 2013 agiert die Regierung zunehmend repressiv und schränkt im Namen der nationalen Sicherheit zunehmend Grundrechte ein. Der Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschenrechtsverteidigerinnen und auch (reformorientierte) staatliche Akteure ist eingeschränkt.

Projekt: Gerade in Zeiten von „shrinking spaces“, also in Zeiten, in denen die Handlungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft zunehmend beschnitten werden, benötigt Friedensarbeit starke zivilgesellschaftliche und staatliche Akteurinnen und Akteure. Daher setzt der ZFD auf Organisationsentwicklung, Kompetenzaufbau (z. B. in den Bereichen Konfliktanalyse und -bearbeitung) und die Stärkung von Netzwerken. Damit soll dazu beigetragen werden, dass friedensfördernde Projekte konfliktsensibler und zielgruppengerechter geplant und umgesetzt werden. Außerdem werden die Partnerorganisationen in die Lage versetzt, ihre internen Abläufe effektiver zu gestalten, um mit den vorhandenen Mitteln mehr zu erreichen. Über seine Partner unterstützt der ZFD Menschen dabei, Konflikte im Kontext sozialer Ungleichheit gewaltfrei auszutragen. Das gelingt durch Dialog, Beratung, gewaltfreie Streitschlichtung (Mediation) und andere Formen ziviler Konfliktbearbeitung. Mehrere Partner begleiten lokale Gruppen bei Dialogprozessen mit dem Ziel, Konflikte konstruktiv anzugehen, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und einzelne oder Bevölkerungsgruppen in die Gemeinschaft zu integrieren. Hierbei werden auch die lokalen Regierungen und die Polizei einbezogen. So unterstützen die beiden Partnerorganisationen Kituo cha Sheria und FIDA-Kenya beispielsweise benachteiligte Bevölkerungsgruppen dabei, sich Gehör zu verschaffen und Konflikte per Mediation beizulegen. Das „Radio for Peace“-Programm mit KCOMNET unterstützt Radiosender auf Gemeindeebene dabei, das Radio als offene Dialogplattform zu nutzen und Programme zu konzipieren, die versöhnen statt zu spalten. Außerdem werden sie darin geschult, ausgewogen und konfliktsensibel zu berichten. Die Haki Yetu Organization unternimmt Maßnahmen, die Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen und sie in ihrem Selbstbewusstsein stärken. Beispielsweise werden Jugendliche als Mediatorinnen und Mediatoren ausgebildet und unterstützen dann ihre Gemeinden dabei, Konflikte gewaltfrei auszutragen. In Nyeri werden verschiedene Trainings zu Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung angeboten und lokale Akteurinnen und Akteure bei der friedlichen Konfliktbearbeitung unterstützt. Zudem bietet der ZFD seinen Partnern psychosoziale Unterstützung zur Prävention von Burnout und sekundären Traumata ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Sie werden außerdem darin geschult, traumatisierte Personen der Zielgruppe zu erkennen und adäquat zu versorgen. Diese sollen mit Hilfe psychosozialer Unterstützung in der Lage sein, in der Vergangenheit erlebtes Leid und Unrecht zu verarbeiten und an öffentlichen Meinungsbildungsprozessen teilzunehmen.

Projektpartner

Community Education and Empowerment Centre (CEEC)
Federation of Women Lawyers (FIDA) Kenya
Haki Yetu Organization
Kenya Community Media Network (KCOMNET)
Kenya National Commission on Human Rights (KNCHR)
Kituo Cha Sheria (Kituo)
Media Council of Kenya (MCK)
Pamoja for Transformation

Projektstandorte

Kisumu
Küstenregion (Kenia)
Landesweit
Mombasa
Nairobi
Rift Valley
West-Kenia
Zentral-Kenia

Zielgruppen

allgemeine Bevölkerung in den Zielregionen einschließlich offizielle wie inoffizielle Führungspersönlichkeiten (z. B. Chiefs und Ältestenräte), lokale Regierungsstrukturen, besonderes Augenmerk gilt Frauen und Jugendlichen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Weitere Informationen

Das ebenfalls von der GIZ durchgeführte ZFD-Projekt „Schutz vor erneuter Vertreibung: Binnengeflüchtete integrieren“ im Rahmen der Sonderinitiative Flucht (SIF) nimmt Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Geflüchteten und Aufnahmegemeinden in den Fokus.

Weitere trägerübergreifende Informationen über die Arbeit des ZFD in Kenia finden Sie hier.

Stand

3. Quartal 2020