Projekt

Inklusiv ist das Ziel: Konfliktbearbeitung und Friedensförderung auf Mindanao

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Philippinen

Projektlaufzeit

2018 bis 2020

Konfliktkontext: Die Inselgruppe Mindanao im Süden der Philippinen gilt als strukturschwächste Region des Landes. Seit Jahrzehnten wird sie von gewaltsamen Auseinandersetzungen erschüttert. Neben Konflikten zwischen Militär und verschiedenen Rebellen- und Separatistengruppen, bestimmen Ressourcenkonflikte und Konflikte zwischen ethnischen Gruppen und Clans das Bild. Offiziell beendete 2014 ein Friedensvertrag zwischen philippinischer Regierung und der größten lokalen Rebellengruppe MILF (Moro Islamic Liberation Front) den bewaffneten Konflikt. Vereinbart wurde die Gründung einer autonomen Region Bangsamoro („Nation der Moro“). Dennoch kommt es nach wie vor zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nicht alle Bevölkerungsgruppen fühlen sich im Friedensprozess ausreichend berücksichtigt. Hinzu kommt, dass wesentliche Konfliktursachen fortbestehen: die ungleiche Verteilung von Land und Ressourcen, die Ausgrenzung großer, insbesondere muslimischer und indigener Bevölkerungsgruppen, sowie die weitverbreitete Armut. Der Friedensprozess gerät durch das Aufflammen der Gewalt immer wieder ins Wanken. In den letzten Jahren haben sich neue bewaffnete Gruppen formiert, die zum Teil der Terrororganisation „IS“ nahestehen. Auch die Konflikte mit der „Neuen Volksarmee“ (NPA), dem bewaffneten Arm der kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), dauern an. Friedensgespräche mit der CPP wurden im März 2019 von Seiten der Regierung für beendet erklärt. Im Mai 2017 nahmen IS-nahe Gruppen die Stadt Marawi ein. Präsident Rodrigo Duterte verhängte das Kriegsrecht; es kam zu Gefechten, die bis Oktober 2017 andauerten. Mehrere hunderttausend Menschen mussten fliehen, weite Teile Marawis wurden zerstört. Das Kriegsrecht wurde mehrfach verlängert, zuletzt bis Ende 2019. Trotz dieser Rückschläge konnte der Friedensprozess mit der MILF vorangebracht werden. Ende Februar 2019 übernahm deren Vorsitzender Murad Ebrahim die Leitung der Übergangsbehörde zur Bildung der Autonomen Region Bangsamoro. Er und sein 80-köpfiges Team stehen vor immensen Herausforderungen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit es ihnen gelingt, Skeptikerinnen und Gegner einzubinden und radikale Kräfte zu mäßigen.

Projekt: Der ZFD setzt sich mit seinen Partnerorganisationen dafür ein, den Friedensprozess voranzubringen und die Chancen für einen dauerhaften Frieden zu erhöhen. Dazu wird zum einen das Konfliktpotential auf lokaler Ebene entschärft, etwa wenn es um Ressourcenkonflikte geht. Zum anderen werden jene Bevölkerungsgruppen gestärkt, die im Friedensprozess zu wenig gehört wurden. Das betrifft vor allem die indigenen Gemeinschaften, aber auch Frauen, Jugendliche und christliche Gemeinden. Nur, wenn sich alle Gruppen ausreichend berücksichtigt fühlen, werden die Ergebnisse der Friedensverhandlungen von allen getragen. Ein wichtiger Erfolg: Mit Unterstützung des ZFD hat sich die indigene Bevölkerung auf Mindanao als eigenständiges Gremium organisiert, um in den Friedensprozessen als gleichwertige Partei aufzutreten. Auch die von staatlicher Seite implementierte „National Commission on lndigenous Peoples“ (NCIP) wird unterstützt. Die NCIP ist offiziell für den Schutz der über 100 indigenen Gruppen zuständig. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, fehlt es ihr aber an Kapazität und Kompetenz. Mit Beratung und Fortbildung leistet der ZFD hier einen weiteren Beitrag, die Situation der indigenen Gemeinschaften zu verbessern. Um das Konfliktpotential auf Gemeindeebene zu reduzieren, werden Dialog- und Informationsstrukturen gefördert, die in Konflikten deeskalieren können (wie z. B. die regionalen „Peace and Order Councils“, in denen Politik, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften vertreten sind). Es geht darum, die Gemeinden in ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu stärken. Dazu wird auch auf die Kooperation mit Medienschaffenden gesetzt. Konfliktsensible, ausgewogene Berichterstattung trägt dazu bei, Konflikte zu entschärfen, anstatt sie anzustacheln. Medien können außerdem allen Menschen eine Plattform bieten, sich an Diskussionen zu beteiligen. Insbesondere das Radio ist für Menschen in entlegenen Gebieten eine wichtige Möglichkeit der Information und Teilhabe.

Projektpartner

Al Qalam lnstitute tor lslamic ldentities and Dialogue in Southeast Asia
Civil Society Organization Forum for Peace Incorporated (CSO-FP)
Initiatives for International Dialogue (IID)
Institute for Peace and Development (IPDM) an der Mindanao State University (MSU)
Mindanao Peoples' Peace Movement (MPPM)
National Commission on Indigenous Peoples (NCIP)
Pailig Development Foundation Inc. (PDFI)

Projektstandorte

Bangsamoro
Cotabato City
Iligan City
Lanao
Manila
Mindanao
Surigao del Norte

Zielgruppen

Allgemeine Bevölkerung auf lokaler Ebene, marginalisierte Gruppen (Frauen, Jugendliche, indigene Gemeinschaften und christliche Siedlergemeinden), Medienschaffende, Mitarbeitende von Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Institutionen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

0

Weitere Informationen

geografische Schwerpunkte liegen in und um das zukünftige Autonomiegebiet Bangsamoro (Cotabato City, lligan City and Lanao Region) und im Nord-Osten Mindanaos (Surigao del Norte)

Stand

4. Quartal 2020